Newcomerin Pia Krüger Fleischtheke statt Hörsaal

Vom Lehramtsstudium hinter die Fleischtheke: Pia Krüger hat ihren beruflichen Weg komplett neu ausgerichtet, und ihre Leidenschaft im Verkauf entdeckt. Im Interview erzählt sie, warum sie den Meisterbrief trotz Kind im Vollzeitkurs gemacht hat, was sie an ihrem Beruf begeistert und welchen Rat sie Menschen gibt, die über einen Quereinstieg ins Fleischerhandwerk nachdenken.

Pia Krüger
Fleischermeisterin Pia Krüger aus Gerthausen kam über Umwege ins Handwerk, hat dann aber hier ihre Berufung gefunden. - © Stefan Studtrucker

Frau Krüger, Sie hatten einen ungewöhnlichen Weg ins Handwerk?

Pia Krüger: Genau, ich habe ursprünglich anderthalb Semester Lehramt studiert. Deutsch und Französisch für Real- und Hauptschule. Wegen meiner Schwangerschaft konnte ich dann mein zweites Semester nicht abschließen, weil Entbindungstermin und Prüfungstermin damals auf einen Zeitraum gefallen sind. Das wäre aber Voraussetzung für ein Fernstudium gewesen. Auf jeden Fall musste ich mich schweren Herzens dazu entscheiden, dass ich das Studium nicht weiterführen kann. Ins Handwerk kam ich dann aus Zufall: Ich habe damals in der Fleischerei gejobbt, um mir ein bisschen was dazu zu verdienen.

Und dann haben Sie an dem Beruf Gefallen gefunden?

Ich habe im Mai 2019 angefangen in der Fleischerei als Aushilfskraft. Nach der Elternzeit habe ich dann im September 2021 meine Ausbildung dort begonnen. Für mich war jedoch von vornherein klar, dass es eben nicht nur bei der Ausbildung zur Fachverkäuferin bleibt. Das ist mein Anspruch an mich selbst gewesen. Während der Ausbildung habe ich aber auch gemerkt, dass das einfach voll mein Ding ist, also dass ich in diesem Beruf wirklich meine Berufung gefunden habe.

Name: Pia Krüger

Alter: 25 Jahre

Meisterschule: Bildungscampus BTZ-Rohr-Kloster der HWK Südthüringen

Was ist es, was diese Tätigkeit für Sie so besonders macht?

Der Kontakt mit den Kunden macht mir unfassbar viel Spaß. Das hätte ich mir nie vorstellen können, weil ich eigentlich immer sehr introvertiert war und es mir zu Anfang auch sehr schwergefallen ist, überhaupt den Kundenkontakt aufzubauen. Aber mit den Jahren sind mein Selbstvertrauen und ich in diesen Beruf reingewachsen. Ich gehe einfach extrem gerne auf die Arbeit. Es ist aber auch besonders, was man alles lernt. Kochen war früher für mich ganz weit weg. Jetzt weiß ich, wie ich das Fleisch richtig zubereiten muss. Man kann den Kunden sozusagen noch etwas beibringen, auch den älteren Herrschaften, und das ist ein schönes Gefühl. Man lernt eben nie aus.

Weshalb wollten Sie anschließend den Meister machen?

Ich wollte mich immer weiterbilden und das möchte ich auch jetzt noch. Mein Grundgedanke war damals, vielleicht mit dem Meisterbrief in die Berufsbildung zu gehen. Dafür müsste ich aber noch mal ein Masterstudium in Leipzig absolvieren, was mit meiner kleinen Tochter natürlich auch nicht einfach umzusetzen wäre. Ich will nicht sagen „sag ich niemals nie“, aber so tendenziell würde ich heute schon in meinem Beruf bleiben. Ich bin hier tatsächlich sehr glücklich.

Wie würden Sie die Herausforderung beurteilen, die der Meisterkurs an Sie als gelernte Fachverkäuferin gestellt hat?

Ich fände es sinnvoll, wenn man, gerade wenn man im Verkauf ist, immer auch mit in die Produktion schaut. Wir haben in der Berufsschule alles theoretisch durchgesprochen: Wie stellt man Kochwurst her, wie stellt man eine Brühwurst her? Aber das ist halt alles Theorie und wenn man das zwei Jahre oder drei Jahre nicht gehört hat, ist es auch im Kopf nicht so fest verankert. Ich würde es prinzipiell sinnvoll finden, vor dem Meisterkurs ein praktisches halbes oder ganzes Jahr einzulegen.

Haben Sie sich diese Praxis vorab geholt?

Ja, vor dem Meisterkurs habe ich zum Beispiel Rinderkeulen zerlegt. Das ist schon eine Herausforderung. Ich bin auch in die Produktion gegangen und habe mir bestimmte Abläufe angeguckt. Mein Anspruch war es, bestmöglich abzuschließen. Deswegen war mir diese Erfahrung ganz wichtig.

Wenn Sie heute an Ihren Kurs und die Prüfungszeit zurückdenken, gibt es da etwas, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist beim Vollzeitkurs schwierig, aber „toi toi toi“, ich hab's geschafft. Ich habe das Glück, dass ich eine sehr verständnisvolle Tochter habe und dass sie mich auch seelisch sehr unterstützt hat.

Jetzt haben Sie den Meisterbrief in der Tasche. Hat sich damit schon etwas in Ihrem Beruf geändert?

Ich bin weiterhin im Verkauf tätig, habe aber schon deutlich mehr Verantwortung bekommen. Langfristig gesehen ist es immer sinnvoll, sich junges Personal zu sichern, und mit der Unterstützung während der Meisterzeit, davor und danach bleibe ich guten Gewissens in diesem Betrieb.

Sehen Sie sich künftig weiterhin vor allem im Kundenkontakt oder auch in der Produktion?

Ich habe zu meinem Chef gesagt, dass ich gerne trotzdem einen Tag in der Woche hätte, um in die Produktion mit reinzuschauen. Ich möchte Erfahrung und Routine sammeln, damit ich die Ansprüche, die an einen Meister gestellt werden, im vollen Umfang auch eigenständig umsetzen könnte. Bereits jetzt habe ich aber auch schon viele neue Ideen gesammelt für das Unternehmen. Die Verkaufstätigkeit an sich macht mir sehr viel Spaß, aber ich möchte wirklich jeden Tag was Neues lernen und auch neue Aufgaben übernehmen, die eben auch nicht nur zum Verkauf gehören.

Sind Sie denn auch schon in der Ausbildung aktiv?

Wir haben momentan zwei Metzgerlehrlinge, einen im ersten und einen im zweiten Lehrjahr. Dort kümmere ich mich viel um die Theorie, etwa Kalkulationsfragen, und gehe mit ihnen den Stoff nochmal durch. Ich habe den Anspruch an die Jungs, dass sie bestmöglich abschließen und nicht nur gerade so, auch für sich selbst.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Ich hoffe, dass künftig wieder mehr Menschen bereit sind, Geld für gute Qualität auszugeben und dass die Fleischereien auch wieder ein höheres Ansehen bekommen. Unsere Firma hat sich über die Jahre einen wahnsinnig guten Namen in der Region erarbeitet. Es wäre schön, wenn gerade die jungen Generationen wieder mehr in dieses Handwerk kämen und wieder mehr Freude am Kochen hätten.

Und was wünschen Sie sich für sich selbst?

Glücklich und gesund sein. Das ist für mich das Allerwichtigste.

Welchen Rat würden Sie einem Freund oder einer Freundin geben, die sich für den Fleischer-Meisterkurs interessieren?

Ich würde definitiv sagen: "Ja, mach das." Man bekommt während des Kurses extrem viel Input. Ich habe mich zwar meines Erachtens schon gut auf den Kurs vorbereitet, aber habe trotzdem noch extrem viel Neues gelernt. Wir sind wirklich in dem Fleischermeisterkurs mit super Dozenten ausgestattet, die uns allen das Wissen gut vermittelt haben. Das sieht man auch an den Prüfungsergebnissen. Es ist niemand durchgefallen. Wir haben alle das erreicht, was wir schaffen wollten. Und das ist definitiv auch den Dozenten zu verdanken. Ich habe mich hier super aufgehoben gefühlt. Deswegen würde ich jedem dazu raten, das zu machen. Eben auch, weil man dadurch so viele Möglichkeiten hat, die auf einen warten können.