Zehn Tipps für Ihr Bankgespräch

Die Kreditklemme ist längst nicht mehr nur von abstrakter Natur, sondern bei vielen Betrieben längst angekommen. Daraus resultieren Liquiditäts-probleme, die je nach Unternehmen durchaus zu Existenz gefährdenden Situationen führen können. Ein guter und ständiger Kontakt zu ihrem Kreditinstitut ist für viele Betriebsinhaber eine wesentliche Voraus-setzung, um alle finanziellen Angelegen-heiten optimal zu regeln und, wenn möglich, von jeweils aktuell besseren Konditionen zu profitieren.

Zehn Tipps für Ihr Bankgespräch

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten die Verantwortlichen in den Betrieben bestrebt sein, ihre Bankverbindung zu intensivieren. Ziel dabei muss es sein, die eigene finanzwirtschaftliche Situation zu verbessern, etwa durch Erhöhung der Kreditwürdigkeit, durch die Senkung der Kosten für Geschäftskredite und für den laufenden Zahlungsverkehr oder auch für eine günstigere Einstufung beim Rating. Bei Verhandlungen mit der Bank können die folgenden Tipps hilfreich sein:

-Tipp 1:Regelmäßige Termine vereinbaren

Tauschen Sie sich in regelmäßig wiederkehrenden Gesprächen etwa einmal pro Quartal mit ihrer Bank aus, selbst wenn kein konkreter Gesprächsanlass besteht. Inhalte eines solchen Gesprächs sollten die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage des Betriebes ebenso sein wie die Prüfung der jeweiligen Kreditbedingungen in Bezug auf eventuelle Umschuldungen, Zinssatzverbesserungen oder Kreditlinien.

-Tipp 2:Finanzierungshilfen nutzen

Da herkömmliche Finanzierungen mit Geschäftsbanken zunehmend schwerer werden, rücken öffentliche Kreditgeber wie die KfW-Mittelstandsbank in den Mittelpunkt des Interesses. Da mittlerweile nahezu jede Bankengruppe einen oder mehrere Mitarbeiter beschäftigt, die sich auf diese Finanzierungsalternativen spezialisiert haben, sollten Sie hier gezielt nachfragen, um bisherige Kreditlinien, soweit möglich, zinsgünstig umzuschulden oder neue Darlehen mit Hilfe öffentlicher Gelder zu beantragen.

-Tipp 3:Niedrigere Zinssätze durchsetzen

Erklärungsbedarf besteht bei den meisten Bankinstituten bei der Zinshöhe des für Unternehmer sehr wichtigen Überziehungskredits auf dem Geschäftskonto. Obwohl die wichtigen Notenbanken fast weltweit die Refinanzierungssätze der Banken in den vergangenen Monaten regelmäßig verringert haben, merken viele Unternehmer nach wie vor kaum etwas davon. Im Gegenteil: Zweistellige Zinssätze sind häufig die Regel. Daher sollten Sie Ihre Hausbank bitten, die Ermittlung der für Sie geltenden Zinshöhe möglichst exakt darzulegen und vor allem zu begründen. Hier besteht ein zum Teil erheblicher Nachholbedarf, entsprechende Kreditwürdigkeit des Unternehmers oder des Betriebes vorausgesetzt, Zinssatzreduzierungen auch tatsächlich vorzunehmen.

-Tipp 4:Kreditsicherheiten anpassen

Auch bei der Bewertung Ihrer Kreditsicherheiten sollten Sie in die Offensive gehen und mit Ihren Kreditgebern über die bankinternen Wertansätze reden. Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass die Bewertung von Kreditsicherheiten mit der Höhe der jeweils zur Verfügung gestellten Kredite und Darlehen etwa übereinstimmen sollte. Bei einem Missverhältnis zu Gunsten der Bank steht Ihnen grundsätzlich ein Rückübertragungsanspruch eines Teils Ihrer Sicherheiten zu, den Sie beispielsweise dazu nutzen können, weitere Kredite abzusichern oder Ihre bisherigen Kreditzinssätze durch die zusätzliche Bereitstellung dieser Sicherheiten bei Ihrer eigenen Bank zu verringern.

-Tipp 5:Günstige Zinsen festschreiben

Das derzeit günstige Zinsniveau vor allem bei mittel- und langfristigen Darlehen ermöglicht es Ihnen, frühzeitig über Verlängerungen bestehender Kredite nachzudenken. So genannte „Vorausdarlehen“ bieten dazu die Möglichkeit. Je nach Bankinstitut sind vorzeitige Verlängerungen zur Sicherung des aktuellen Zinsniveaus bereits bis etwa zwei Jahre vor Ablauf der jeweiligen Zinsfestschreibung möglich. Über den damit verbundenen Zinsaufschlag sollten Sie natürlich hartnäckig verhandeln, damit sich eine solche Verlängerung auch tatsächlich lohnt.

-Tipp 6:Bankbürgschaften nutzen

Als sprichwörtlicher „Helfer in der Not“ können sich für Sie vor allem die bundesweit tätigen Bürgschaftsbanken erweisen. Bei keinen oder nicht ausreichenden Kreditsicherheiten, mit dieser Begründung werden Bankkredite häufig abgelehnt, bieten sie Betriebsinhabern gegenüber der kreditgebenden Bank in Form von Bürgschaften erstklassige Sicherheiten, um die geplanten Finanzierungen doch noch zu realisieren. Voraussetzung ist natürlich aber auch hier eine akzeptable wirtschaftliche Lage des jeweiligen Betriebes.

-Tipp 7:Rating verbessern

Um Ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern, müssen Sie die wesentlichen Punkte Ihres betrieblichen Ratings kennen. Dazu gehören die wirtschaftlichen Kennziffern des Betriebes („harte Faktoren“) ebenso wie die unternehmerischen Fähigkeiten („weiche Faktoren“) des Unternehmers. Da nach wie vor nicht alle Banken bereit sind, vor allem die Gewichtung dieser Faktoren zu kommunizieren, sollten Sie selbst initiativ werden und hier um entsprechende Einzelheiten Ihres betrieblichen Ratings bitten. Gelingt Ihnen nämlich eine Verbesserung dieses Ratings, bestehen erstklassige Verhandlungsspielräume für eine Senkung der Kreditzinsen.

-Tipp 8:Abtretungsverbot vereinbaren

Nach wie vor ist das Thema der Kreditverkäufe an andere Bankinstitute oder an Finanzinvestoren nicht vom Tisch. Sie sollten diesen Punkt keinesfalls bagatellisieren, Ihren Kreditgeber gezielt nach möglichen oder beabsichtigten Kreditverkäufen fragen und gegebenenfalls auf einem Abtretungsverbot bestehen. Insgesamt scheint in der Bankenbranche hier aber ein Umdenkungsprozess in Gang gekommen zu sein, weitgehend auf derartige Transaktionen zu verzichten oder diese zumindest erheblich einschränken zu wollen.

-Tipp 9:Von Electronic Banking profitieren

Je nach Betrieb bestehen weitere, erhebliche Optimierungspotenziale, wenn Electronic-Banking-Produkte der Kreditinstitute genutzt werden. Deren Einsatzbereiche sind vielfältig: So können Sie Ihr Konto professionell verwalten und taggleiche Umbuchungen vornehmen, um damit Kreditzinsen zu vermeiden, Zins- und Tilgungsraten von Darlehen überwachen sowie für Ihren Betrieb relevante Zusatzdienste in Anspruch nehmen. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten kann bei vielen Banken in dazu eingerichteten Electronic-Banking-Centern praxisnah simuliert werden.

-Tipp 10:Bankgebühren senken

In den regelmäßigen Bankgesprächen sollten Sie neben wichtigen Kreditfragen und den damit verbundenen Kosten auch andere Kosten der Geschäftsverbindung ansprechen. Hierzu zählen vor allem die Gebühren der Kontoführung, die übrigens je nach Umfang der gerade erwähnten technischen Unterstützung erheblich reduziert werden können. Darüber hinaus können Kontopauschalen statt der oftmals berechneten Buchungsgebühren je Kontobuchung auf dem Geschäftskonto eine weitere interessante Alternative zur Kostensenkung für Unternehmer darstellen.

Michael Vetter