Steaks auf Tastendruck

Immer mehr Fleischer nehmen Verkaufsautomaten in ihr Portfolio auf. Doch diese Art des Verkaufs erfordert gute Planung und Vorbereitung. In diesem Fall kann das Geschäftsfeld Imagegewinn, neue Kunden und vor allem mehr Umsatz bringen.

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    © Fleischerei Schröder
    Die beiden Automaten der Fleischerei Hubert Schröder werden saisonal sowie auch standortbezogen bestückt. Fleischerei Schröder
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    © Fleischerei Sand
    Der Automat der Landmetzgerei Sand bietet im Sommer vor allem Grillwaren und im Winter ­Artikel für die „Brotzeit“ wie etwa Salami und auch Käse. Fleischerei Sand
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    © Fleischerei Bechtel
    Den Verkaufsautomaten der Fleischerei Bechtel sollen Kunden vor allem ergänzend nutzen, wenn der Laden nicht geöffnet hat. Fleischerei Bechtel
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    © Fleischerei Ammon
    Bestückung nach Bedarf: Bei der Fleischerei Ammon kann der Kunde die von ihm bestellte Ware jederzeit aus der Abholstation abholen. Fleischerei Ammon

Gut möglich, dass sich nur wenige Fleischer in Deutschland so intensiv mit Verkaufsautomaten für Fleischprodukte beschäftigt haben wie Christopher Schröder: Der Juniorchef der Fleischerei Hubert Schröder mit Sitz im nordrhein-westfälischen Hückelhöven schrieb über dieses Thema sogar eine Bachelor-Arbeit im Rahmen seines (nun abgeschlossenen) Studiums an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Auch deshalb kennt er die Risiken und Tücken im Detail, die mit dem Automatenverkauf für Fleische­reien verbunden sein können. Aber Schröder sind ebenfalls die Vorteile dieser Art des Verkaufs bewusst.

Seit April 2021 betreibt die Fleischerei Hubert Schröder zwei Automaten. Einer steht in dem Dorf Würm, das über kein Lebensmittelgeschäft verfügt. Der andere „wartet“ in der Stadt Hückelhoven, direkt gegenüber einer Aldi-Filiale und eines Edeka-Geschäftes, auf die Kundschaft.

Die beiden Automaten werden saisonal bestückt, informiert Christopher Schröder. So werden sie ab April überwiegend mit Grillfleisch befüllt, und das bis Ende September. Schröder zufolge wird das Sortiment von Oktober bis Ende März der Jahreszeit angepasst. In diesem Zeitraum stehen Pfannen, To-go-Produkte, Wurstaufschnitt, Getränke und Süßwaren im Vordergrund. Der Automat in Würm offeriert zusätzlich Eier, Milch, Kakao und Milch von Bauern aus der Region.

Christopher Schröder äußert sich auch zum Umsatz: „Als die Automaten im April gestartet wurden, stiegen die Umsätze bis Ende Juni immer weiter an. Danach flachten sie langsam ab.“ Besonders an den Feiertagen und Sonntagen, aber ebenso an sonnigen Sommertagen seien die Automaten für das heimische Grillen außerordentlich gefragt. Schröder: „Man kann sagen, dass sich die Automaten in den Sommermonaten definitiv rentieren.“ In den Wintermonaten seien die Umsätze zwischen 100 und 150 Prozent geringer als in der Sommerzeit.

Nachfrage nach Automaten steigt

Immer mehr Fleischereien entdecken Verkaufsautomaten für sich. Genaue Zahlen sind nicht zu bekommen: Sonja Klein, Referentin Vertrieb & Produktentwicklung beim Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV), kann keine Schätzungen speziell zu Verkaufsautomaten für Fleischereien abgeben. Doch die Expertin weiß: „Die Nachfrage nach Automaten in diesem Bereich steigt seit einigen Jahren kontinuierlich.“

Auf den Automaten-Zug aufgesprungen ist auch Simon Sand von der Landmetzgerei Sand im bayrischen Ornbau. Das Gerät ist seit Oktober 2020 im Einsatz. Ganzjährig bietet es haltbare Dosen, Getränke und hausgemachte Salate.

Im Sommer wird das Sortiment zum Teil bereinigt und auf Grillwaren gesetzt. Im Winter dürfen Artikel für die „Brotzeit“ wie etwa Geräuchertes, Salami und Käse nicht fehlen. Fleischermeister Sand zieht eine Zwischenbilanz: „Der Automat bringt viel Aufmerksamkeit im Umkreis und ebenso den einen oder anderen neuen Kunden, der zu den gewohnten Öffnungszeiten keine Zeit zum Einkaufen hat.“

Allerdings dürfe der Aufwand nicht unterschätzt werden, gibt Simon Sand zu bedenken. Schließlich müsse der Automat erfahrungsgemäß an Sonnentagen mehrmals bestückt und im Winter gelegentlich die Mindesthaltbarkeitsdaten der Artikel kontrolliert werden. Der Lärm- und Diebstahlschutz seien andere Gesichtspunkte, die Automatenbetreiber auf keinen Fall vernachlässigen sollten.

Kein Ersatz für die Theke

Der Aufwand beim Bestücken werde durch die digitale Anbindung der Automaten beziehungsweise durch die Planung per computergestütztem Onlineprogramm erleichtert. Das ergänzt Fleischermeister Johannes Bechtel von der Fleischerei Bechtel im hessischen Willingshausen-Zella. Er verrät Einzelheiten zur Preisgestaltung: Diese sei bewusst mit 20 Prozent Aufschlag gegenüber dem Laden-Verkaufspreis gewählt, „damit die Kunden während der Ladenöffnungszeiten an der Bedientheke einkaufen und das Angebot am Automaten nur nutzen, wenn geschlossen ist.“ Die Automaten sollten das Verkaufspersonal nicht ersetzen und stattdessen ergänzen, betont der Praktiker.

Bechtel, der auch Präsident des Juniorenverbandes des Deutschen Fleischerhandwerkes ist, spricht von einem „starken Umsatzplus“ bei Grillfleisch und Fertigprodukten. Hinzu kommt nach seiner Einschätzung ein „enormer Imagegewinn“. Grund: „In den sozialen Medien wurde der Wurstomat – wie wir ihn nennen – regelrecht gefeiert. Dadurch hat die virale Reichweite unserer Fleischerei erheblich zugenommen.“

Mögliche Antwort auf den Personalmangel

Das Bestückungs-Thema muss Konrad Ammon von der Metzgerei Ammon im bayrischen Fürth-Burgformbach nicht interessieren. Denn sein im September 2021 eingeweihter Automat hat nur dann Inhalt, wenn der Fleisch-Abnehmer das wünscht: Der Kunde bestellt seine Ware. Diese wird in der Metzgerei nach seinen Wünschen vorbereitet und in die Abholstation gegeben, aus welcher die Ware dann abgeholt werden kann. Diese Station ähnelt einer Paketstation. Weil die Ware selbstverständlich frisch bleiben soll, funktionieren die Türchen wie kleine Kühlboxen. „Die Leute sind begeistert“, stellt Ammon fest. Der Fleischermeister sieht in seinem Automaten „Ammonzon“ – eine Anspielung auf Amazon – auch eine mögliche Antwort auf den sich zuspitzenden Personal- und Fachkräftemangel: „Im Moment haben wir damit zum Glück noch kein größeres Problem. Aber man weiß nie, was die Zukunft bringt.“

In Corona-Zeiten könnten Automaten noch deutlicher ihre Stärken ausspielen, meint Sonja Klein vom BDV. Viele Kundinnen und Kunden seien aus Angst vor Ansteckungen froh, wenn sie in kein Geschäft mehr gehen müssten. Automaten lieferten hygienisch sichere Lebensmittel, die beim Kauf niemand mehr anfasse, und punkteten noch dazu häufig durch kostenlose Bezahloptionen. Gegen eine Corona-Ausbreitung hilft es nach Darstellung von Sonja Klein ebenfalls, wenn Automaten während der Öffnungszeiten zu Stoßzeiten Besucher abfangen, damit sich keine Warteschlangen bilden.

Neuen Kundenkreis erreichen

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) bestätigt die vom BDV skizzierte Entwicklung. Vor zehn Jahren habe es nur einige wenige Pioniere gegeben, die mit Automaten herumexperimentiert hätten, heißt es. Inzwischen seien Automaten zwischen Schleswig-Holstein und Bayern relativ weit verbreitet.

Hans Christian Blumenau, Betriebswirtschaftlicher Berater beim DFV und Referent für das Fleischerhandwerk Baden-Württemberg, berichtet: „Fleischer schildern uns, dass sie mit ihren Automaten sogar Kunden erreichen, die nicht an der Theke einkaufen. Automaten erfüllen demnach den Wunsch nach spontanen Gelegenheitskäufen.“ Ein weiterer Pluspunkt: Automaten könnten dort platziert werden, wo sich eine Reihe potenzieller Kunden aufhält – wie etwa auf Campingplätzen und an Tankstellen.

DFV und BDV haben sich mittlerweile vernetzt, veranstalten gemeinsame Seminare und beraten individuell. Dabei geht es nicht zuletzt um die gesetzlichen Vorgaben zur Hygiene, Deklaration und Fiskalisierung.

Die HACCP-Vorschriften sind einer der wichtigsten Aspekte. Betreiber müssen stets auf eine ununterbrochene Kühlkette achten sowie generell Hygiene und Mindesthaltbarkeitsdaten im Blick haben. Allerdings ist das für Fleischer bekanntlich täglicher Standard. Erfreulich: Moderne Automaten merken Störungen in der Kühlung sofort und stellen sich automatisch auf Verkaufsstopp, bis das Problem behoben ist.

Verschiedene Bezahloptionen bieten

Neueinsteiger in den Automatenverkauf, empfiehlt Sonja Klein, sollten vor der Entscheidung für einen Automaten drei Grundsatzfragen beantworten: Welche Produkte sollen verkauft werden? Welche Kühlung ist notwendig? Und: Wie viel Füllvolumen sollte der Automat haben? Ebenso sollte das Thema der Bezahllösungen gut überlegt sein, findet die Expertin: „Heutzutage ist es sinnvoll, verschiedene Bezahloptionen – Bargeld, Girocard, Kreditkarte, Smartphone – zu ermöglichen.“

Der Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft rät allen Fleischern zu einer Zusammenarbeit mit einem professionellen Automatendienstleister. Dieser könne zu den verschiedenen Automatentypen beraten, könne den technischen Support des Automaten übernehmen und Mitarbeiter in die Automatentechnik einarbeiten, insbesondere zur Befüllung und Geldentleerung.

Fleischermeister Christopher Schröder, der sich mit Automaten so gut auskennt, meint zwar, es gehe auch ohne professionelle Automatendienstleister. Doch er unterstreicht, was der BDV zur Planung eines Automaten-Projektes sagt: Die will gut überlegt sein. Ist das der Fall, ergibt sich interessantes zusätzliches Umsatzpotenzial.