Der dänische Agrarsektor geht beim Einsatz von Soja in der Tierfütterung mit gutem Beispiel voran. Spätestens im Jahr 2025 will die Branche nur noch Soja nutzen, das von Flächen stammt, auf denen vorher keine Wälder gerodet wurden. Außerdem forciert man den Anbau heimischer Eiweißpflanzen.

In Brasilien verschwinden immer mehr Wälder, darunter auch Regenwald im Amazonas-Gebiet, um auf den brandgerodeten Flächen Soja anzubauen oder Weideflächen für Rinder zu schaffen. Das südamerikanische Land gehört zu den weltweit führenden Exporteuren von Soja. In Dänemark steht das Thema Eiweißpflanzen in Zusammenhang mit Klima- und Umweltschutz schon seit geraumer Zeit weit oben auf der Agenda. So verarbeiten die dänischen Futtermittelhersteller nur Soja, das gemäß den internationalen Zertifizierungssystemen RTRS und Pro Terra angebaut wurde.
Jetzt geht der dänische Agrarsektor noch einen Schritt weiter. Die Branche hat beschlossen, bis zum Jahr 2025 ausschließlich Soja für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere einzusetzen, das aus verantwortungsvoller und nachhaltiger Erzeugung stammt. Dabei muss eine unabhängige Kontrollinstanz unter anderem überprüfen und bestätigen, dass der Soja-Anbau auf Flächen erfolgt, auf denen zuvor keine Wälder gerodet wurden. „Wir möchten eine echte und bleibende Veränderung in den Soja produzierenden Ländern. Deshalb verlangen wir eine entwaldungsfreie Produktion“, sagt Flemming Nør-Pedersen, Direktor im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft.
Internationales Engagement ist gefragt
Das gesetzte Ziel will der Agrarsektor in mehreren Schritten erreichen. 2021 sollen 20 Prozent des in der Tierfütterung verwendeten Soja aus verantwortungsvoller und nachhaltiger Erzeugung kommen. In den darauffolgenden Jahren will man den Anteil sukzessive erhöhen und 2025 100 Prozent aus entwaldungsfreiem Anbau importieren. Lediglich 0,5 Prozent des weltweiten Soja-Verbrauchs entfällt auf die dänische Landwirtschaft. Das sind jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen.
Diese Zahlen verdeutlichen: Das Engagement der dänischen Landwirtschaft allein wird nicht ausreichen, um in den Soja-Erzeugerländern ein Umdenken zu bewirken. „Wir brauchen Lösungen und Vereinbarungen in der Europäischen Union und auf internationaler Ebene. Deshalb ermutigen wir die Regierungen, entsprechende Konzepte zu erarbeiten und im Dialog mit den Soja produzierenden Ländern Lösungen für eine verantwortliche Soja-Erzeugung zu finden“, so Flemming Nør-Pedersen.
Mehr Eiweiß aus heimischer Erzeugung
Um sich noch unabhängiger von Sojaimporten zu machen, forciert die dänische Landwirtschaft den Anbau von heimischen Eiweißpflanzen. Vor einiger Zeit ist im Königreich die Kooperation „Danish Protein Innovation“ an den Start gegangen. In dieser Partnerschaft arbeiten führende Hersteller von Futtermitteln, Zutaten und Lebensmitteln gemeinsam mit Forschungseinrichtungen an der Entwicklung nachhaltiger Proteine für Futter- und Nahrungsmittel sowie Pharmaprodukte. „Wir setzen da an, wo das Potenzial groß ist und die Forschung bereits große Fortschritte gemacht hat, und zwar bei der Produktion von Pflanzeneiweiß – in erster Linie aus Gras – zur Verwendung als Futtermittel”, erklärt Lars Hvidtfeldt, der die Partnerschaft als Vertreter des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft leitet. Konzentriertes Bio-Protein soll künftig als Futter für Schweine und Geflügel zum Einsatz kommen, die Graseiweiß direkt von der Wiese nicht verwerten können. Die bei der Produktion anfallenden Restprodukte könnten teils in der Rinderfütterung, teils in Biogasanlagen Verwendung finden. „Mit diesem Kreislaufansatz erhalten wir mehrere Endprodukte und bewältigen zugleich einige Herausforderungen der Landwirtschaft. Wir reduzieren Soja-Importe und binden auf den erweiterten Wiesenflächen mehr Kohlenstoff im Boden, was gut für den Gewässer- und Klimaschutz ist”, so Hvidtfeldt.
Nachhaltiges Futterprotein aus Mikroalgen
Stichwort Wasser. In Zukunft könnten nach Ansicht von dänischen Experten Algen als primäre Eiweißquelle importiertes Sojaprotein ersetzen. Welches Potenzial gezüchtete Mikroalgen haben, wird in dem aktuell gestarteten ReMAPP-Projekt erforscht. Die Buchstaben stehen für Ressource efficient Microalgae Protein Production. In Versuchen sollen die Algen durch Zufuhr von CO2 und Nährstoffen aus Nebenströmen von Biogasanlagen erzeugt werden. Ziel ist eine Algenproduktion mit im Vergleich zu herkömmlich erzeugten Futtermitteln bis zu zehnfach reduziertem Flächenbedarf.
„Mikroalgen haben wir seit Jahren auf dem Schirm, da sie auf sonst nicht landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sehr hohe Wachstumsraten ermöglichen. Unsere Algenkulturen bilden eine an das dänische Klima angepasste robuste Mischung, die lange Wachstumsphasen ermöglicht“, erklärt Projekt- und Centerleiter Jesper Mazanti Aaslyng vom Danish Technological Institute (DTI). Die ersten Versuchsanlagen des ReMAPP-Projekts werden aktuell am DTI-Hauptsitz in Taastrup westlich von Kopenhagen in Betrieb genommen. Anschließend ist ein 800-m2-System an der Biogasanlage NGF Nature Energy Holsted in Südjütland geplant, die jährlich 13 Millionen Kubikmeter Biogas erzeugt. Das von der dänischen Innovationsstiftung mit umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro geförderte Projekt soll 2022 abgeschlossen sein.