Die Mitgliedsunternehmen des Zentralverbandes Naturdarm (ZVN), Hamburg, blicken auf ein herausforderndes Jahr 2024 zurück. Die Wertschätzung für Wurst in der Edelhülle ist weltweit auf hohem Niveau stabil, doch steigende Lohnkosten, hohe Preise für die Rohware sowie politische und militärische Konflikte erschweren das Handelsgeschehen.
Insgesamt wurden im Berichtsjahr 145.101 Tonnen Naturdarm über den deutschen Markt gehandelt, das entspricht einem Rückgang von rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Handelswert der Im- und Exporte belief sich auf 795,7 Millionen Euro (-10,5 %). Die deutschen Naturdarm-Handelsströme haben sich 2024 in Richtung Nicht-EU-Länder verlagert. Der Import aus der EU ging in der Menge um rund 27 Prozent zurück, im Wert um rund 15 Prozent. Weniger stark reduzierte sich der Export in den Binnenmarkt mit einem Rückgang von 16 Prozent bei der Tonnage und zwölf Prozent beim Wert. Der Rückgang betraf unter anderem traditionelle Partner wie die Niederlande, Polen, Frankreich und Österreich, während es bei Portugal und Spanien Wachstum gab.
Sehr erfreulich aus Sicht der deutschen Unternehmen entwickelten sich die Ausfuhren in Drittländer: Die Menge wuchs auf 23.865 t, was einem Plus von gut vierzig Prozent entspricht. Auch der Wert legte zu (+ 12 %). Der Import aus Drittländern blieb wert- und mengenmäßig hoch, aber auch hier mit Rückgang (jeweils 11 %). Für Deutschland bleibt China der wichtigste Lieferant für Naturdärme. Den höchsten Anteil haben Schweinedärme. Allerdings sinken die Schlachtzahlen bei steigendem Schlachtgewicht kontinuierlich, was die Rohware knapp und teuer macht. Zudem schlagen in vielen Drittländern die hohen Lohnkosten zu Buche. Das betrifft China in besonderem Maße, da viele deutsche Unternehmen eng mit Sortierbetrieben vor Ort zusammenarbeiten.
Die begehrtesten und hochwertigsten Naturdärme stammen vom Schaf. Die gehandelte Tonnage in Deutschland war im Berichtsjahr unverändert hoch. Für die sogenannten Saitlinge sind Australien und Neuseeland die wichtigsten Lieferländer. Sie profitieren von der global wachsenden Nachfrage nach Rohware mit weitem Kaliber, während Schafsdärme mit engerem Klaiber vornehmlich aus China und dem Nahen Osten stammen.
In Brasilien gelten Fleisch und Wurst als Kulturgut und erfreuen sich hoher Wertschätzung. Bei Rindern haben die Schlachtzahlen 2024 ein Rekordniveau erreicht. Die Exporte von Därmen nach Deutschland waren in Wert und Menge allerdings mit jeweils rund zwanzig Prozent rückläufig, dafür legte der Import aus Deutschland mengenmäßig um gut fünfzig und wertmäßig um 46 Prozent zu. Aus Deutschland bezieht man Schafs- und Schweinedärme, die vor Ort zu Spezialitäten verarbeitet werden.
Auch die Südafrikaner sind Wurstliebhaber. Als Exporteur spielt Südafrika auf dem Weltmarkt keine Rolle, gehört aber traditionell als Abnehmer von Schweinedärmen zu den wichtigen Handelspartnern der deutschen Unternehmen.
Insgesamt zieht der ZVN für das zurückliegende Geschäftsjahr eine gemischte Bilanz. „Die Preise für die Rohware kennen zurzeit nur eine Richtung – nach oben“, beschreibt die ZVN-Vorsitzende Heike Molkenthin die aktuelle Situation. „Die steigenden Kosten gehen zulasten der Ergebnisse, die Margen schrumpfen“. Leichte Entspannung gibt es bei den Aufwendungen für Energie und Transport. Ein wenig kalkulierbares Risiko stellen die politischen und militärischen Konflikte in Lieferländern und auf Handelsrouten dar.
Doch ungeachtet der globalen Herausforderungen fühlt sich die deutsche Naturdarmbranche für die Zukunft gut gerüstet. „Wurst ist weltweit ein Lebensmittel mit hoher Wertschätzung und der Naturdarm seit über zweitausend Jahren ihre nachhaltigste und beste Verpackung“, heißt es beim Verband.
Auch in Deutschland sieht der ZVN die Wurst weiterhin als Bestandteil des Speisezettels. „Selbst angesichts der zunehmenden Anzahl an fleischlosen Alternativen sind wir nicht bange, dass die Deutschen den Appetit auf Wurst und Fleisch verlieren könnten“, sagt Heike Molkenthin. Die Ergebnisse des repräsentativen Nationalen Ernährungsmonitorings 2024 bestätigen das: „Viele Deutsche essen öfter Fleisch, als sie angeben. Aus den Angaben geht hervor, dass etwa 75 Prozent der Befragten häufiger als zweimal pro Woche Fleisch auf dem Teller haben“, heißt es. Nur knapp vier Prozent gaben an, sich vegetarisch zu ernähren, gut ein Prozent bezeichnet sich als vegan, so die Studie. Der Wurstverzehr in Deutschland ist auf hohem Niveau stabil.
