Mit Fleisch zunehmen

Während viele Menschen gegen überflüssige Pfunde kämpfen, versuchen Untergewichtige mit allen Tricks, ihre Energiezufuhr zu erhöhen, um zuzunehmen. Meist vergeblich, denn dauerhaftes Aufspecken ist mindestens so schwierig wie Abnehmen. Selbst Sahne, Butter, fette Wurst helfen nicht. Erfolgreich hingegen wirken Sport und eine ausgewogene Ernährung mit Fleisch und Wurst.

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    Empfehlenswert bei Untergewicht ist fein marmoriertes Fleisch. Es schmeckt aromatischer als mageres, lässt sich besser kauen und ist kalorienreicher. Barbara Krieger-Mettbach
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    Kleine, hochwertige Snacks bringen nicht nur ein Plus an Energie in die Kost, sondern auch an essenziellen Nährstoffen. Barbara Krieger-Mettbach
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    Der fett- und energiereiche Käse schließt den Magen. Käse als Komponente einer Mahlzeit einplanen oder ihn erst am Ende eines Menüs genießen. Barbara Krieger-Mettbach
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    Schlechte Esser legen besonderen Wert auf die Optik von Speisen. Barbara Krieger-Mettbach
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    Der Duft gerösteter Speisen regt den Appetit an. Er fördert die Produktion von ­Speichel und Verdauungssäften. Barbara Krieger-Mettbach

So gut wie du möchte ich es auch haben: Alles essen können, ohne zuzunehmen.“ In der schlankheitsorientierten Gesellschaft erfahren gesunde Untergewichtige ein positives Feedback bis hin zum Neid. Das gilt vor allem für Frauen, während schmale, dünne Männer darunter leiden, nicht dem maskulinen Schönheitsideal zu entsprechen. Sie wünschen sich Muskeln und empfinden es als Schwäche, schnell erschöpft zu sein oder nach Infekten lange Regenerationszeiten zu benötigen.

Trotz Bewunderung für ihre Modelmaße und Rücksichtnahme bei schneller Erschöpfung leiden auch viele untergewichtige Frauen im Alltag, wenn ihnen Kraft und Kondition fehlen. Genau wie Männer streben sie nach Gewichtszunahme.

Schlechte Futterverwerter

Wie kann es sein, dass gesunde Kinder, Männer und Frauen trotz intensiver Bemühungen kein Gramm Fett auf die Rippen bekommen? Ein möglicher Grund ist ein genetisch bedingter aktiver Energiestoffwechsel. Schlechte Futterverwerter können nicht still sitzen und essen viel, ohne ein Gramm zuzunehmen. Andere Untergewichtige degradieren Essen zur Nebensache. Sie haben wenig Appetit, kochen selten und vergessen schon mal eine Mahlzeit. Beide Gruppen nehmen gerade so viel Energie auf, wie sie verbrennen. Zum Zunehmen reicht es nicht.

Ein beliebter Trick für mehr Kalorien ist das Süßen mit Trauben- statt Haushaltszucker. Wegen seiner geringeren Süßkraft dosieren sie Traubenzucker höher, um eine gewünschte Süße zu erzielen. Jedes zusätzliche Gramm schleust vier Kilokalorien oder 17 Kilojoule in die Kost. Andere reichern Mahlzeiten mit Maltodextrinen an, fast geschmacksneutralen, leicht resorbierbaren Kohlenhydraten mit gleichem Brennwert. Beides sind allenfalls kleine Fragmente einer energiereichen Ernährung, jedoch keine Strategie zum Zunehmen. Die hohe Insulinausschüttung nach dem Verzehr von Traubenzucker und Maltodextrinen erhöht das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus.

Untergewicht ist kein Indikator für Gesundheit

„Untergewichtige vertragen fettes Fleisch und fette Wurst“, meinen Teilnehmer in Seminaren. Ein Denkfehler, denn die Körpermaße eines Kunden sagen nichts über seine Gesundheit aus. Genau wie Normal- und Übergewichtige, können sehr Schlanke an Bluthochdruck, Gicht, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen leiden. Neben Proteinen, Vitaminen, Mineralstoffen enthalten Fleisch und Wurstwaren auch Cholesterin, Harnsäure, Fett und gesättigte Fettsäuren. Letztere steigen mit dem Fettanteil in Fleisch und Wurst. In einer ausgewogenen Ernährung gilt: Speck darf sein, aber in Maßen. Bei Stoffwechselkrankheiten gelten eigene Regeln. Um ihren Bedarf an ungesättigten Fettsäuren zu decken, sollten auch Untergewichtige Öle bevorzugen.

Sattmacher Fett

Um ein Kilogramm Körperfett zuzunehmen, müssen rund 7.000 zusätzliche Kalorien aufgenommen werden. Wer das Ziel in einer Woche erreichen möchte, braucht täglich 1.000 Kalorien extra. Das entspricht einer reichhaltigen warmen Mahlzeit oder drei gut belegten Scheiben Brot. Jemand mit hohem Energiebedarf schafft das kaum, weil die Mahlzeiten zu groß und kompakt werden. Die vermeintliche Lösung liegt in der Zugabe von Fett. Mit neun Kilokalorien oder 37 Kilojoule je Gramm ist Fett der energiereichste Nährstoff. Und er lässt sich prima verstecken. Ob eine Mahlzeit zwei oder vier Esslöffel Fett enthält, sieht man ihr nicht an. Viele planen Sahne, Butter, Speck, Öl reichlich ein. Sie bevorzugen Fleisch, Wurst, Käse aus dem fetten Sortiment, naschen Schokolade, Kuchen, Knabberartikel – alles ohne langfristigen Erfolg. Weil Fett lange sättigt, kompensieren sie das Plus an Fett und Energie unbewusst im Laufe des Tages.

Empfehlen Sie Kunden Fleisch und Wurst mit mittlerem Fettgehalt und raten Sie zu leichter, schonender Zubereitung. Täglich drei bis vier regelmäßige Mahlzeiten versorgen den Organismus gleichmäßig mit Energie und Nährstoffen. Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigen. Eine große, fette Mahlzeit hingegen belastet den Organismus und macht träge und müde.

Vitaminreiches bevorzugen

Das Bemühen, die Kost mit Fett und Zucker energetisch aufzuwerten, führt schnell zu einer einseitigen Ernährung mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren und leicht resorbierbarer Kohlenhydrate. Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe fehlen, wenn der Tag mit Brötchen, reichlich Butter und Nougatcreme beginnt, die Snacks aus Bratwurst, Pizza und Keksen bestehen und abends Kartoffelchips geknabbert werden. Eine unzureichende Nährstoffaufnahme reduziert das Wohlbefinden und senkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit – auch dann, wenn der Untergewichtige damit ein Kilo zunimmt. Sein Ziel, aktiver und widerstandsfähiger zu werden, erreicht er so nicht.

Kinder nicht mästen

„Kein gesundes Kind verhungert freiwillig“, lehrte der verstorbene Ernährungspsychologe Dr. Volker Pudel. Eine These, an die Eltern angesichts ihres blassen, mageren Kindes nicht glauben wollen. Selbst wenn ihnen ein Kinderarzt Gesundheit und eine normale altersgerechte Entwicklung bescheinigt, glauben Eltern, etwas gegen das Untergewicht des Sprösslings unternehmen zu müssen. Sie geben süße Getränke statt Wasser und erlauben grenzenloses Naschen. Sind die Kinder dann zu den Mahlzeiten satt, missverstehen Eltern das. Mit Wunschgerichten und Lieblingswurst versuchen sie, den Appetit anzukurbeln.

Viele dünne Kinder gehören zu den kaufaulen, schlechten Essern, die weiche Kost bevorzugen. Spätestens in der Pubertät setzen die meisten etwas Fett an. Das Problem Untergewicht löst sich von selbst – oder wandelt sich in Übergewicht. Denn haben Kinder nie regelmäßige Mahlzeiten gegessen, werden sie diese als Jugendliche weder schätzen noch das Gefühl von Hunger und Sattheit anstreben. Sie essen wann und was sie gerade wollen – meist das Falsche, zu weich und zu viel.

Muskelaufbau durch Sport

Sport verbessert die Kondition, baut Muskeln auf, fördert den Appetit und hilft beim Zunehmen. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu sein. Wie soll jemand Pfunde ansammeln, wenn er durch Bewegung zusätzliche Energie verbrennt? Eine Erklärung ist, dass Freizeitsportler sich intensiver mit ihrer Ernährung beschäftigen. Zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit gestalten sie ihre Mahlzeiten ausgewogener und hochwertiger. Sie essen mehr und regelmäßiger. Vergleichbares geschieht bei Kindern. Toben sie den ganzen Nachmittag draußen herum, entwickeln sie zum Abendbrot einen gesunden Appetit – sofern sie nicht zwischendurch naschen und Süßes trinken. Raten Sie besorgten Eltern zu drei bis fünf regelmäßigen, ausgewogenen Mahlzeiten. Snacks sollten bewusst eingeplant und im Sitzen gegessen werden. Gute Snacks für Kinder sind mit Wurst oder Käse belegtes Vollkornbrot, Frischobst, Joghurt mit Obst, Müsli oder Haferflocken.

Eiweißreiches Fleisch

Gesunde Untergewichtige aller Altersgruppen brauchen eine ausgewogene Ernährung, idealerweise eine Mischkost mit moderaten Mengen an Fleisch und Wurst. Fettarme Sorten unterstützen die Deckung des Proteinbedarfs besonders gut. 22 bis 24 Prozent Eiweiß enthalten sie. Insbesondere Untergewichtige mit geringem Appetit richten ihren Fokus eher auf Fett und Zucker als auf den essenziellen Baustoff der Zellen. Doch eine knappe Aufnahme wirkt einer Gewichtszunahme entgegen. Fleisch und Wurst enthalten das Eiweiß in einer gut bioverfügbaren Verbindung.

Informieren Sie Ihre Kunden, dass bereits eine Portion mageres Fleisch etwa die Hälfte des täglichen Bedarfs deckt. Mageres aus der Wursttheke enthält je 100 g ähnliche Mengen. Ein Ei liefert 7 g, genau wie ein Glas Milch. Beides entspricht rund ein Zehntel des Tagesbedarfs. Nur Fisch kann mit Fleisch gleichziehen. Raten Sie Kunden, tierische Lebensmittel abzuwechseln, weil jedes seine spezifischen Nährstoffe enthält.

Krankheit als Ursache

Kranke, untergewichtige Kunden praktizieren individuelle, ärztlich verordnete Diäten. Krebs, Operationen, Morbus Crohn, Zöliakie, Teilentfernungen von Verdauungsorganen wie Magen oder Dünndarm zehren Pfunde. Keine noch so geschulte Fleischerei-Fachverkäuferin kann über die Diagnose auf die Diät schließen. Hier muss der Kunde die fleisch- und wurstrelevanten Ernährungsvorschriften erklären. „Ich bin am Magen operiert worden und darf nur eine kleine Portion mageres, weiches Fleisch essen.“ Im Allgemeinen liegt nach Operation ein Defizit an blutbildenden Nährstoffen vor: Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Vitamin B6. Das spricht für die Empfehlung von Rindfleisch, auch als Schabefleisch.

Weil der Appetit die Verträglichkeit beeinflusst, unbedingt den Kunden entscheiden lassen, was er kaufen möchte. Neudiagnostizierte Kunden mit Zöliakie, der schweren Form der Glutenunverträglichkeit, profitieren von jedem Fleisch, denn die meisten haben einen Mangel an allen Nährstoffen. Fehlen bei Krebs Kraft und Appetit, bieten sich fertige Fleischgerichte an. Kunden mit einer Überfunktion der Schilddrüse dürfen frei aus Fleisch- und Wursttheken wählen. Manche legen Wert auf Wurst ohne Jodsalz. Hören Sie den Kunden zu, um zu verstehen, was sie mögen und brauchen. Beraten Sie mit Fingerspit­zengefühl. Bleiben Sie geduldig. Diskutieren Sie keine medizinischen Details, sondern konzentrieren sich auf die Waren. Keine Heilung versprechen. Sätze wie: „Wenn Sie täglich Rindfleisch essen, wird es Ihnen bald besser gehen“ sind tabu.

Appetit wecken

Die meisten Untergewichtigen gehören zu den anspruchsvollen Essern. Es soll genau das auf den Tisch, worauf sie Hunger haben. Gibt es das nicht, verzichten sie. Der Teller soll bunt und frisch aussehen, die Speisen appetitlich duften und würzig schmecken. Optik, Aromen, Düfte regen den Speichelfluss und damit den Appetit an. Überlegen sie an der Fleisch- und Wursttheke, was sie kaufen könnten, lautet die wichtigste Frage einer Verkaufskraft: „Worauf haben Sie denn Appetit? Eher ein herzhaftes Stück Rind oder lieber etwas Zartes vom Schwein?“ Die Adjektive erhöhen den gefühlten Wert der Fleischsorten und wecken Appetit. Nun ist der Untergewichtige am Zug. „Lieber etwas Herzhaftes.“ Damit steht die Richtung fest. Verkaufskräfte stellen verschiedene Stücke vor und malen mit Worten das Bild der Mahlzeit. „Zum saftigen Steak schmecken Kartoffelgratin und bunter Bohnensalat. Beides gibt es bei uns fertig zum Mitnehmen.“ Das Beschreiben von Geschmack, Kombinationen, Farben, Texturen wertet die Beratung auf.

Fleisch empfehlen

Legen Sie jedes Mitleid angesichts der dünnen Figur eines Kunden ab, ebenso die Meinung, Dünne brauchen fettes Fleisch. Bleiben Sie offen und hören Sie dem Kunden zu. Er entscheidet, welches und wie viel Fleisch er kauft. Unter ernährungsphysiologischen Aspekten bieten sich mageres bis mittelfettes an. Saftig-aromatisches Fleisch besitzt den höheren Genusswert.

Ernährungsargumente helfen bei der Wahl des Fleisches. Glaubt ein Kunde, ihm fehle Kraft, ist er mit dunklem Fleisch wie Rind sehr gut bedient. Es ist reich an Eisen, Zink und Vitamin B12, den Stoffen, die Kraft, Leistungsfähigkeit und Nervenstärke unterstützen. Zink stärkt außerdem die Abwehr. Fühlt er sich nervös, arm an Konzentration und Kondition, kann Schweinefleisch richtig sein. Es enthält viel Vitamin B1 und B6 für den Stoffwechsel. Möchte er besonders eiweißreiches und leicht verdauliches Fleisch, empfehlen Sie Brustfilet von Hähnchen oder Pute.

Mettwurst oder Schinken?

Gesunde Untergewichtige dürfen aus der gesamten Wursttheke wählen. Alle Sorten eignen sich, auch fettere. Der Kunde entscheidet nach Appetit. Wählen Singles wenige Scheiben oder kleine Stücke von mehreren Sorten, bleiben Sie geduldig. Lassen Sie verkosten und beschreiben Sie, mit welchem Brot, Streichfett, Salat sich die Sorten am besten kombinieren lassen. Untergewichtige sollen sich auf ihre Mahlzeit freuen und sie genießen. Wählen sie Wurst nur nach Fettgehalt statt Geschmack, werden sie wenig davon essen, was dem Zunehmen entgegenwirkt.

Geduld und bunte Mahlzeiten

Egal, mit welcher Strategie Untergewichtige versuchen, sich einige Pfunde anzufuttern, sie brauchen Geduld. Wenn sie es schaffen, täglich 250 Kalorien extra zu essen, nehmen sie im Monat rund ein Kilogramm zu. In einem halben Jahr summieren sich so sechs Kilo. Um das zu erreichen, helfen regelmäßige Mahlzeiten. Dafür brauchen Untergewichtige ein praktikables Konzept.

Die Ernährung muss von einer Neben- zur Hauptsache aufsteigen. Mehr Kalorien lassen sich gut auf drei oder vier bunte, appetitsteigernde Mahlzeiten verteilen. Fleisch oder Fisch mit knackigem Gemüse oder Salat, dazu eine Stärkebeilage wie Ofenkartoffeln, Reis, Nudeln oder Hülsenfrüchte sind optimal. Es darf auch vegetarisch sein, mit Tofu, Käse oder Ei. Alles ist möglich – außer einer stopfenden, mästenden, farblosen Kombination. Geben Sie Zubereitungstipps für Fleischgerichte, bieten Sie Convenience, Feinkost und Salate an. Die Mengen bestimmt der Kunde.

Kein Getränk zum Essen

Raten Sie zunehmwilligen Kunden, eine halbe Stunde vor und zu den Mahlzeiten nichts zu trinken. Das bremst den Appetit, genau wie ein Salat oder eine Suppe. Besonders sättigend: Cremesuppen.

Von gehaltvollen Getränken zwischen den Mahlzeiten profitieren nur die ständig hungrigen schlechten Futterverwerter. Sie schaffen es kaum, ihren Energiebedarf mit drei bis fünf Mahlzeiten zu decken. Um zuzunehmen brauchen sie Gehaltvolles zwischendurch. Milchshakes mit Sahne, angereicherte Smoothies oder energiereiche bilanzierte Fertigshakes helfen. Anders Untergewichtige mit wenig Appetit. Sie gleichen das Plus an Nährstoffen unbewusst wieder aus.