„Mit Bananen bekommt man Affen“

Veranstaltungssicherheit ist ein Thema von wachsender Bedeutung. Auch im Catering verdient es mehr Aufmerksamkeit, nicht zuletzt weil der Veranstalter für Sicherheitsmängel haftet. Im Gespräch mit Die Fleischerei erläutert Markus Weidenauer, SecCon Group München, in welchen Bereichen er Handlungsbedarf sieht.

Markus Weidenauer ist geschäftsführender Gesellschafter der SecCon Group München. Das Unternehmen berät Personen, Firmen und Institutionen in Sicherheits­fragen. Der 44-Jährige verantwortet unter anderem das Sicherheitskonzept der ­Bayreuther Festspiele. Er ist seit 1992 im Bereich Sicherheitsmanagement tätig. SecCon Group GmbH - © SecCon Group GmbH

Eine Studie der Technischen Universität Chemnitz im Auftrag des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.) kommt zu dem Ergebnis, dass eine neue Sicherheitskultur für die gesamte Eventbranche gebraucht werde. Diese müsse klare Regelungen innerhalb eines Unternehmens umfassen, wie mit Fragen der Sicherheit umgegangen wird. Zentrales Anliegen sei das gemeinsame Erarbeiten und Durchsetzen einheitlicher Standards für Sicherheitskonzepte. Zudem seien die Defizite unter anderem beim Thema regelmäßiger Weiterbildungen und Schulungen zur Veranstaltungssicherheit beträchtlich – ebenso, wenn es darum geht, Verantwortlichkeiten zu bestimmen und Kommunikationsstrukturen unmissverständlich zu gestalten.

Auch Markus Weidenauer, geschäftsführender Gesellschafter der SecCon Group München, ist der Auffassung, dass viele Veranstalter das Thema „Sicherheit“ nicht ernst genug nehmen. Im Interview erklärt der renommierte Experte, worauf insbesondere zu achten ist:

Die Fleischerei: In Ihrer Praxis stellen Sie immer wieder große Sicherheitsdefizite in der Sicherheitsorganisation von Veranstaltungen fest. Worum geht es da im Einzelnen?

Markus Weidenauer: Die Spannweite ist breit. Da geht es um vermeintliche Kleinigkeiten wie zum Beispiel Fluchtwege, die von Servicewagen zugestellt sind, oder um Kabel, die lediglich festgeklebt und nicht mit Brücken abgedeckt werden.

Darüber hinaus werden bei der Vorbereitung, Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Events häufig viele Fehler gemacht. Da haben wir es dann bei bestimmten Teilnehmerzahlen unter anderem damit zu tun, dass Konzepte zur Sicherheit, Evakuierung und Rettung entweder praxisfern sind oder gar nicht existieren.

Die Fleischerei: Wenn Caterer als Veranstalter in Erscheinung treten, sind Sie ab einer bestimmten Veranstaltungsgröße vermutlich gut beraten, wenn sie die Verantwortung einer professionellen Sicherheitsfirma übertragen. Oder?

Markus Weidenauer: Grundsätzlich gilt: Der Veranstalter bleibt Veranstalter und haftet im Falle eines Falles, den wir uns natürlich alle nicht wünschen. Diese Verantwortung und Pflicht zur Haftung bei auftretenden Schäden kann er keiner Sicherheitsfirma übertragen. Hinzu kommt, dass bestimmt nicht jede Sicherheitsfirma professionell arbeitet. Oft ist da mehr Schein als Sein im Spiel.

Die Fleischerei: Das sind ja scharfe Worte eines Insiders. Was meinen Sie genau?

Markus Weidenauer: Im Gegensatz beispielsweise zu den USA ist Sicherheit in Deutschland ein Niedriglohn-Thema. Und es ist ja kein Geheimnis, dass in der Sicherheitsbranche ein weit verbreiteter Preiskampf herrscht. Leider haben viele Auftraggeber in erster Linie den Preis für Sicherheitsdienstleistungen im Hinterkopf und wundern sich dann unter Umständen später, dass sie dafür eine ungenügende Qualität und zum Beispiel wenig motiviertes Personal mit geringer Kompetenz eingekauft haben. Ich sage in solchen Fällen immer: Wer mit Bananen bezahlt, bekommt nur Affen.

Die Fleischerei: Und was ist die Konsequenz?

Markus Weidenauer: Der Veranstalter sollte eine Sicherheitsfirma sorgfältig auswählen und dabei nicht ausschließlich auf den Preis achten. Was vermeintlich billig oder ein Schnäppchen ist, kann sich schnell als sehr teuer erweisen – nämlich dann, wenn tatsächlich etwas passiert. Und: Zweifellos sind die Herausforderungen für die Sicherheit bei Veranstaltungen und Events heutzutage größer als noch vor wenigen Jahren. Die alltägliche Gewalt hat zugenommen und die Terrorgefahr ist ebenfalls gewachsen.

Die Fleischerei: Und wie erkennt der Veranstalter eine professionell arbeitende Sicherheitsfirma?

Markus Weidenauer: Das ist nicht leicht. Denn es fehlt so etwas wie ein verlässliches Gütesiegel. Die gesetzlichen Anforderungen an die Sicherheitsbranche und insbesondere an das Personal sind nicht besonders hoch. Für die Tätigkeit als Sicherheitskraft zum Beispiel reicht eine mehrstündige Unterweisung bei der Industrie- und Handelskammer, die noch nicht einmal mit einer Prüfung endet – die bloße Anwesenheit genügt.

Ich empfehle Veranstaltern auf jeden Fall, bei potenziellen Sicherheitsfirmen auf DIN 77200 zu achten. Diese liegt weit über den gesetzlichen Vorgaben. Und selbstverständlich sollten Auftraggeber die nachweisbaren Kompetenzen der Sicherheitsfirmen im Detail abfragen.