Ludwig Kotter ist verstorben
Am 24. März 2012, kurz nach seinem 92. Geburtstag, ist der „Wurstpapst“ Prof. Dr. Dr. h.c. Kotter unerwartet verstorben.
Kotter wurde am 21. März 1920 in Augsburg geboren und erlernte zunächst das Fleischerhandwerk. Nach dem Dienst bei der Kriegsmarine bestand er das Abitur und die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk. Das Studium der Tiermedizin schloss er mit Promotion und Habilitation ab. Bald darauf wurde er zum ordentlichen Professor und Vorstand des Instituts für Nahrungsmittelkunde an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München ernannt und kurz danach zum Dekan und Rektor der Universität München gewählt. Das Angebot, Kultusminister in Bayern zu werden, lehnte er ab.
An beiden Münchner Universitäten (Ludwig-Maximilians- und Technische Universität) hat er Generationen von Studenten der Tiermedizin und der Lebensmitteltechnologie die wissenschaftlichen Grundlagen der Hygiene und Technologie bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs vermittelt. Unter seiner Betreuung haben viele Diplomanden und Doktoranden ihre wissenschaftlichen Arbeiten durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Als Autor hat er mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Besonderes Anliegen war ihm stets auch der Tierschutz.
Sein Wissen hat er mit großem Engagement in führenden Positionen bei zahlreichen Gremien und Fachausschüssen eingebracht. In der Lebensmittelbuchkommission ist die Erarbeitung und Verabschiedung der Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse untrennbar mit seinem Namen verbunden.
Sein kreatives, fortschrittliches Denken und sein unermüdliches Wirken hat das Fachgebiet der tierärztlichen Nahrungsmittelkunde deutschland- und europaweit entscheidend gestärkt und über Jahre hinweg geprägt. Viele seiner Schüler konnte er dadurch für sein Fachgebiet begeistern. Für seine besonderen wissenschaftlichen Leistungen wurde ihm 1971 die Ehrendoktorwürde der Rijksuniversiteit Utrecht (Niederlande) verliehen. Auf Grund seiner außerordentlichen Verdienste erhielt er viele weitere Ehrungen und Auszeichnungen (unter anderem Bayerischer Verdienstorden, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, goldene Ehrennadel des schwäbischen Handwerks, Carl-Freybe-Medaille).
In den letzten Jahren war er noch immer aktiv und hat verschiedene wissenschaftliche und philosophische Beiträge sowie seine Autobiographie „Vom Metzgergesellen zur Magnifizenz“ veröffentlicht.
Für seine Schüler war er ein beeindruckender und wegweisender Lehrer, der vielen berufs- und lebensentscheidende Impulse gegeben hat. Er hat sie dadurch wie kaum ein anderer geprägt. Mit ihm ist eine große Persönlichkeit, ein hervorragender Wissenschaftler und nicht zuletzt ein guter Freund von uns gegangen. Wir danken ihm für alles, was er uns beruflich und privat gegeben hat. In jedem von uns lebt ein Stück von ihm weiter.
Seine Freunde und ehemaligen Assistenten.
Prof. Dr. Dr. Heinz Schmidt
