Die Metzger mischen jetzt in der Kunstszene mit. Schwere Kost in Zeiten des Veggiewahns. Ab 19. September zeigt eine Gemeinschaftsproduktion der Kunsthalle Ludwig, der Künstlergruppe Gotensieben und der Fleischer-Innung Frankfurt-Darmstadt-Offenbach, wie vielfältig verwoben das älteste Handwerk der Welt mit der Kunstgeschichte ist.

Bei genauerer Betrachtung ist es eine große Überraschung, wie die Tätigkeit eines Berufsstandes sich in den Werken bildender Künstler vom Altertum bis in unsere Tage widerspiegelt. Fast zu allen Zeiten haben sich Künstler von Motiven aus der Berufswelt der Metzger inspirieren lassen. Die Kunstgeschichte und Geschichte dieses sehr alten Handwerks sind vielfältig verwoben, gilt doch das Metzgerhandwerk als das älteste Handwerk der Welt und markiert doch das Auftauchen von Kunst in der Steinzeit den Ursprung von Kultur.
In Zeiten teilweise absurder Ernährungsdebatten soll diese Ausstellung daran erinnern, wie sehr Fleisch mit der Geschichte des Menschen verbunden ist und wie weit wir uns von unserem Ursprung entfernt haben. Vielleicht wagen sich deshalb auch nur noch wenige Künstler an dieses Material heran. Fleisch ist heute in der Kunst eingesetzt ein unterschätztes und tabuisiertes Material. Fleisch ist vergänglich, roh, blutig, archaisch.
Die Künstlergruppe Gotensieben hat sich an dieses Material herangewagt. Kunst lädt in ihren besten Momenten den Betrachter zu einer Auseinandersetzung ein. Manchmal gefällt sie, manchmal stößt sie auf Ablehnung, oft lebt sie heutzutage von der Provokation. Nur gelingt es den meisten Künstlern immer seltener, tatsächlich ein Werk zu schaffen, dass die Menschen erreicht, sie nicht kalt lässt, das sie berührt, Zustimmung auslöst, oder eben auch Kritik und Verweigerung.
Hier trifft der Metzger auf die Kunst
Dass ein (kleiner) Teil der Bevölkerung den Berufsstand ablehnt, damit können die Metzger gut leben. Metzger zu sein, ist in den seltensten Fällen einfach nur ein Brotberuf. Metzger kann man nur sein, wenn man bereit ist, diesen Beruf mit Leib und Seele auszufüllen. Das verbindet den Metzger mit dem Künstler.
Bei der Ausstellung Metzgerei Seele & Söhne geht es um Resonanz. Die Bilder sprechen den Betrachter an, verstören ihn und bringen ein Denkprozess in Gang - oder auch nicht. Was lösen die Bilder beim Betrachter aus? Welchen Wechsel der Perspektive ermöglichen sie? Man darf nicht unterschätzen, dass die Metzger in diesem Fall der Absender der Kunstaktion sind und damit in den öffentlichen Diskurs eintreten.
Metzgerei Seele & Söhne - die Ausstellung
Zu sehen sind:
- historische Aufnahmen des Metzgerhandwerks
- die Werkgruppe Seelen der Künstlergruppe Gotensieben
Als Kinder glaubten Klaus Reichert und Thomas Balzer fest daran, die Seele sei ein Organ, irgendwo im Körper verborgen. Als Mitglieder der Künstlergruppe haben sie sich auf die Suche nach der Seele gemacht und sind fündig geworden. Da Fleisch der Ursprung aller Kunstthemen ist, drängte sich für die Mitglieder der Künstlergruppe Gotensieben die Idee auf, Seelen durch Fleisch zu materialisieren.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Ludwig in Frankfurt am Main ist geöffnet vom 19.09.2018 bis zum 10.11.2018 von 15.00 bis 18.00 Uhr oder nach Vereinbarung.