In Stendal betreibt die Unternehmerfamilie Viehmann die Altmärker Fleisch- und Wurstwaren GmbH und die Erlander Fleischwaren GmbH & Co. KG. Mit ihrer aus dem Handwerk gewachsenen Qualitätsstrategie hat die Familie Erfolg: Die Nachfrage nach den hochwertigen Erzeugnissen steigt nachhaltig.
Immer einen Schritt voraus
Die Wurzeln des Familienunternehmens reichen zurück bis in das Jahr 1881. Fünf Fleischergenerationen trugen einen reichen Wissens- und Erfahrungsschatz zusammen. Priorität hatte zu jeder Zeit, den Kunden Erzeugnisse von hoher Qualität zu bieten. „Die Qualität eines Produkts begründet sich nicht nur in dem, was ich da rein tue, sondern überwiegend dadurch, wie ich mit den Zutaten umgehe, die ich verarbeite. Entscheidend ist, ob ich mein Handwerk beherrsche oder nicht“, erklärt Seniorchef Alfred Viehmann seine Philosophie. „Eine Bockwurst, eine Mettwurst oder eine Leberwurst müssen so gut schmecken, dass der Kunde sie unbedingt haben will. Wer das Händchen nicht dafür hat, soll es lassen. Aber die Hand fungiert immer erst in zweiter Linie, sondern zuerst das Gehirn – da wird festgelegt, was die Hand machen soll. Ein Produkt ein- oder zweimal herzustellen, ist keine Kunst. Aber es jeden Tag in gleichmäßig guter Qualität zu produzieren, das ist schwierig. Da zeigt sich, ob man in der Lage ist, ungeachtet aller problembehafteten Seiten immer wieder ein gelungenes Endprodukt zu erzielen. Denn immerhin haben wir es mit einem unterschiedlichen, lebendigen Rohstoff zu tun – kein Tier gleicht dem anderen.“
Der große Sprung
Die Keimzelle des Familienunternehmens wurde in Lacht an der Lahn mit der Gründung einer Gastwirtschaft mit Fleischerei gelegt. Seither wechselten in den fast 130 Jahren zwar die Orte, zunächst ging es nach Bielefeld und später nach Bückeburg, aber den hochgesteckten Ambitionen blieb jede Generation treu. Schon in Bückeburg schuf Alfred Viehmann ein ganzes Netz von 16 Filialen – ein Zeichen für die hohe Akzeptanz, die seine Erzeugnisse bei den Kunden fanden. Aber einen sehr großen Sprung wagte die Fleischerfamilie 1993 mit dem Erwerb eines städtischen Schlachthofs in Stendal, der bereits seit 1887 existierte. Dort boten sich für Sohn Jörg Viehmann interessante Chancen, etwas ganz Neues auf die Beine zu stellen, und er gründete die Altmärker Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Mit großem Elan und vielen Ideen stürzte sich Jörg Viehmann auf die gewaltigen Herausforderungen, die da vor ihm standen: Der Betrieb mitten in der Stadt war zu klein, zu alt, entsprach nicht den gesetzlichen Normen und bot keine Möglichkeiten zu expandieren. So entstand 1996 ein neues Firmengebäude und eine hochmoderne Produktionsstätte in einem Gewerbegebiet am Altmärkerplatz 1. Nach wie vor wird ständig in moderne Produktionstechnik investiert – Garantie für Produktsicherheit, Frische und gleichbleibend hohe Qualität. Neu eingerichtet wurden ein Trockenlager, eine Werkstatthalle, ein Schneidezentrum für Frischfleisch mit Sliceranlagen und Verpackungslinien.
Als Neuheit in Stendal und Ungebung startete das Unternehmen mit der Eröffnung von Fleischer-Fachgeschäften in den Markt, die jeden Tag in der Frühe mit frischen Produkten durch firmeneigene Fahrzeuge beliefert werden. Rasch fanden die attraktiven Geschäfte bei den Verbrauchern Anklang. Gelobt die freundliche Atmosphäre sowie die kompetente und individuelle Beratung durch das Verkaufspersonal, das es versteht, jeden Einkauf zu einem kleinen Erlebnis zu machen. Unterdessen dehnt sich ein Netz von 70 Altmärker Filialen über ganz Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg und Berlin aus. Zuspruch findet auch das Imbissangebot von Wraps über Bagels bis zu heißen Schlemmerbagetts. Begonnen wurde jüngst mit der Umgestaltung der Fachgeschäfte nach einem neuen, modernen Ladendesign. „Es spiegelt die Frische unserer Erzeugnisse durch Klarheit, Sauberkeit und Eleganz im wahrsten Sinne des Wortes wider“, sagt Marketingleiterin Julia Romswinkel. „Hochwertig und modern – das ist die Note dieses neuen Designs. Die Werbung zu den Angeboten läuft im Hintergrund auf Bildschirmen und soll die Kunden emotional zum Kauf animieren. Dabei greifen wir den Trend junger Leute auf, um auch sie mehr anzusprechen und anzulocken, weil sie sich in unseren Geschäften irgendwo wiederfinden. Es ist wichtig, das Qualitätsbewusstsein unter der jungen Kundschaft zu stärken.“ In neuem Outfit präsentieren sich bereits zwölf Filialen. Für die nächsten Jahre ist der Bau eines hochmodernen Logistikzentrums angedacht.
Umfangreiche Produktpalette
Dem Unternehmen gelingt es, Traditionelles mit hochmodernen Produktionstechniken und -verfahren in Einklang zu bringen. Unter dem reichen Angebot feiner Fleisch-, Wurst- und Schinkenwaren finden die Verbraucher in den Filialen genau das, was sie erwarten. Sie vertrauen auf die Qualität und Sicherheit erprobter Erzeugnisse. Trotz aller Modernität spielt bei den Stendalern immer noch das Handwerk eine gewichtige Rolle, wie der Familienbetrieb es seit fünf Generationen pflegt. Natürlich begleitet heute modernste Technik den gesamten Produktionsprozess, vom Wareneingang bis zur Auslieferung. Jeder Schritt, von der Zerlegung über die Verarbeitung und Kommissionierung bis zum Versand, wird computerunterstützt und elektronisch überwacht.
Die Rinder- und Schweinehälften, die QS-zertifizierte Schlachthöfe in der Region liefern, werden in der eigenen Zerlegung nach spezifischen Schnittmustern zugeschnitten. Nach überlieferten Rezepturen werden die Produkte ganz unverfälscht mit natürlichen Gewürzen, ohne Geschmacksverstärker, Allergene, Lactose und Aromen hergestellt. Die Erfahrung des Hauses ist es, dass eher wenig benötigt wird, dafür jedoch gute Zutaten und viel Zeit. So legt man beispielsweise bei der Herstellung von Schinkenspezialitäten nach überlieferter Tradition großen Wert auf eine gute Fleischauswahl, exakten Zuschnitt, mildes Räuchern über Buchenholzspänen und genug Zeit für die Reifung. Als Vollsortimenter weist das Unternehmen eine außergewöhnlich große Produktpalette auf, wie sie in der Branche nur selten zu finden ist – mehr als 150 Erzeugnisse. Ein solch umfangreiches Sortiment bedingt erhebliche Rüstzeiten, die eine straff strukturierte Produktionsplanung und -koordination verlangen. „Es ist keine Massenproduktion. Wir betreiben keine Industrieproduktion“, betont Alfred Viehmann. „Dafür ist unsere Produktpalette viel zu breit. Wären wir ein Industriebetrieb, würden wir die gleiche Menge mit vielleicht zehn Produkten erzielen, aber nicht mit 150. In dieser Vielfalt steckt viel Handarbeit, sonst gelingt das nicht. Wir sind immer noch ein großer Handwerksbetrieb. Wir geben den Kunden was sie wollen, in der gewohnten handwerklichen Qualität.“
Die qualifizierten Mitarbeiter bringen ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit ein. Flexibel und leistungsbereit arbeiten sie je nach Bereich in zwei oder drei Schichten. Auch um die Ausbildung junger Leute ist das Unternehmen sehr bemüht. „Jeden im Betrieb muss man fördern und achten, muss dafür sorgen, dass er zufrieden ist. Dann setzt er sich auch für den Betrieb ein. Das ist die soziale Komponente, die man im Laufe des Lebens erwirbt und permanent pflegen muss“, meint der Seniorchef. Das Familienunternehmen ist einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder in Stendal. Heute sind in der Produktion 200 und im Verkauf 300 Beschäftigte tätig.
Innovative Köpfe
Immer stärker reiften die Ambitionen des Familienunternehmens heran, den Wirkungskreis zu vergrößern und die vorhandenen Kapazitäten noch mehr auszulasten. Schließlich entschloss man sich, ein zweites geschäftliches Standbein aufzubauen. Mit Gründung einer neuen Firma stiegen die Geschäftsführer Alfred und Jörg Viehmann 2002 in den überregionalen Handelsverkehr ein. Die Erlander Fleischwaren GmbH & Co. KG profilierte sich durch innovative Produktentwicklungen. So startete man mit der Premium-Marke „Luise’s – hausgemacht aus Tradition“ in den Markt. Die genussvollen, herzhaften Kreationen wie aus der Bauernküche umfassen Roh- und Kochwurstspezialitäten, Räucherwaren, Sülzen und Feinschmeckerpasteten. Zunächst nur für die Bedientheke angeboten, wurde die Marke schließlich auch als SB-Ware weiterentwickelt. Die delikaten Angebote erfreuen sich wachsender Beliebtheit unter den Verbrauchern. „Die innovative Produktentwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch die Aktivitäten unseres Unternehmens. Die Neuentwicklungen sind Ergebnis eines tollen Zusammenspiels zwischen Geschäftsführung, Produktionsleitung, Vertrieb und Marketing. Es macht viel Spaß, wenn wir uns im Labor zusammenfinden, Vorschläge unterbreiten, verkosten und verwerfen, immer wieder verändern bis vorliegt, was uns vorschwebt. Wenn da so viele kreative Leute zusammen sind, ergeben sich schnell gute Ideen“, berichtet Marketingleiterin Julia Romswinkel. „Auf einen speziellen Kundenwunsch hin wurde Ende 2007 eine Bratensülze in einem innovativen Becher auf den Markt gebracht. Mit seiner hochwertigen, trendigen Aufmachung, wiederverschließbar und aufrechtstehend im SB-Regal platziert, verlockt der Becher die Verbraucher zum Kauf. Das veranlasste uns, weitere kulinarische Genüsse in der Terrine zu kreieren: Mediterrane Antipasti aus Putenfleisch mit Tomaten und Mozzarella in weißem Balsamico-Aspik, tropisches Hähnchen-Hawaii in Aspik mit Ananas- und Papayastückchen, würziges Rindfleisch in Aspik, Asia-Mix aus Schweinefleisch mit Chinagemüse in Aspik und ungarischer Puten-Kesselgulasch in Bratensoße. Alle diese Produkte wurden 2008 von der DLG mit Gold prämiert. Eine Neuheit ist auch, dass unsere Sülze nicht gekocht wird. Wir haben ein besonderes Verfahren entwickelt, das die Verarbeitung frischer Produkte wie Gemüse, Kräuter oder Mozzarella ermöglicht. Auf diesem Gebiet haben wir eine Alleinstellung am Markt. Diese Produkte mit einem geringen Fettgehalt von maximal fünf Prozent können als Lighterzeugnisse gelten. Unser Fleisch in Aspik ist ein exquisites Nischenprodukt. Ganz neu aus unserem Hause sind „Luise’s“ Pâte im Becher – ein Aufstrich mit raffinierten Gewürzmischungen wie Apfel-Chili, Esskastanie, Preiselbeeren, Pesto-Rosso und Waldpilz.“
Stetiges Wachstum
Mehr als 600 Kunden in ganz Deutschland werden just in time von Erlander beliefert. Dazu zählen der Lebensmitteleinzelhandel, der Großhandel, die Großverbraucher, Gastronomie und Hotellerie. Im Discount sind die appetitlichen Erzeugnisse aus dem „Luise’s“-SB-Sortiment unter den Kunden sehr begehrt, so beispielsweise bei Kaufland und Penny. Für eines der größten deutschen Lebensmittelhandelsunternehmen produzieren die Stendaler seit 2007 unter deren Eigenmarke Schinkenbockwurst, Schinken und Aufschnittware. Im Bereich der Systemlösung für Großverbraucher bietet Erlander auch Produkte für Großbäckereien und die Convenience-Food-Industrie an, darunter Fleischkomponenten für Menüs und Suppen, Füllungen sowie Beläge für Snacks und Pizza. Neu entwickelte Produkte verlangen Eile, um sich den Vorteil zu sichern, der erste Anbieter beim Großhandel zu sein. Rasch mit einem neuen Erzeugnis auf den Markt zu kommen, gelingt nicht immer. Kostbare Zeit geht verloren, ehe die Produktmuster alle Instanzen einer Handelskette durchlaufen haben und geordert wird. Bei den Einkäufern der Großhändler liegen so viele Angebote auf dem Tisch, dass ihnen die Auswahl schwer fällt. Schneller geht es oft bei den Großverbrauchern.
Das Familienunternehmen hat sich mit seinen Qualitätsprodukten eine starke Marktposition erarbeitet. Das belegen nicht zuletzt stetige Umsatzsteigerung und wachsende Kundenzahlen. Es versteht sich, dass Altmärker und Erlander nach IFS (Version 5) und QS zertifiziert sind. Konsequent werden das HACCP-Konzept, die EU-Richtlinien und die regelmäßigen Qualitätskontrollen erfüllt. Beweis für die gleichbleibend hohe Qualität der Produkte sind die alljährlichen Prämierungen durch die DLG und CMA.
Auf der Internationalen Grünen Woche vom 16. bis 25. Januar 2009 präsentierten die Altmärker Fleisch- und Wurstwaren sowie die Erlander Fleischwaren den Besuchern leckere Spezialitäten: von Altmärker Bauerncervelatwurst über Knackwurst, Pfefferbeißer, Schinkenspeck und Altmärker Lachsschinken bis hin zum leckeren Würstchensortiment, unter anderem mit Altmärker Bockwurst und Wiener Würstchen.
Wöchentlich werden zwischen 150 und 180 t Fleisch verarbeitet. Im letzten Jahr erzielte das Familienunternehmen einen Umsatz in Höhe von rund 35 Millionen Euro. Interessante Synergieeffekte ergeben sich durch die Vernetzung der Altmärker Fachgeschäfte und Erlander. Die Filialen bieten ideale Möglichkeiten, die Akzeptanz von Neuentwicklungen unter den Verbrauchern zu testen. „Das Unternehmen steht stabil auf gesunden Füßen. Eine Firma, die gesund gewachsen ist, besteht auch Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise“, konstatiert Alfred Viehmann. „Wir haben immer darauf geachtet, jeden Schritt bedachtsam zu gehen, nicht zu schnell, aber stetig und sicher. Unsere Fachgeschäfte sind allemal eine sichere Bank und wir werden schauen, welche Möglichkeiten es gibt, das weiter auszubauen. Im Großhandel trachten wir danach, auf Grundlage guter Produkte und flexiblen Services, noch mehr Kunden zu gewinnen. Aber uns liegt nicht daran, heute den Umsatz zu verdoppeln und morgen pleite zu sein. Sehr wichtig ist, die Kunden immer auf die Reise mitzunehmen.“
Marlies Dieckmann