Viele Fleischereien zahlen aufgrund kurzfristig gekündigter Stromverträge das Dreifache für Strom und Gas – und wissen nicht mehr, wie sie die steigenden Kosten schultern können. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Betriebskosten langfristig zu senken und somit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Die Energiekrise treibt den Fleischereien hierzulande Sorgenfalten auf die Stirn. Zahlreiche mittelständische Betriebe kämpfen um ihre Existenz, da sie jährlich zwischen drei und acht Prozent ihres Umsatzes allein für Energie aufwenden müssen.
„Wie hart die Betriebe von der Energiekrise getroffen werden, ist ganz unterschiedlich“, weiß Daniel Engelbarts, einer der Geschäftsführer von remind.me, einem Energieberatungsunternehmen in Berlin. „Teils liegt die Steigerung mit 30 Prozent noch im Rahmen, teils ist der Preis aber auch um das Drei- bis Vierfache gestiegen. Diese Preissteigerung kann selbst der beste Metzger nicht an seine Kunden weitergeben“, stellt der Experte fest.
Daher solle eines der wichtigsten Ziele eines Betriebs jetzt sein, „die Energiekosten zu senken, damit die Konkurrenzfähigkeit bestehen bleibt“.
Eine Fleischerei (acht bis zehn Beschäftigte), die jährlich etwa 200 t Fleisch verarbeitet und eine Fläche von circa 800 m2 nutzt, die sowohl erwärmt als auch gekühlt werden muss, verbraucht durchschnittlich 540.000 Kilowattstunden (kWh) Energie im Jahr, die sich wie folgt zusammensetzen:
- 50 Prozent der Energie wird für sogenannte Prozesswärme (Kochkessel, Kochschränke) und Prozesskälte (Kühlhäuser) verbraucht.
- Rund 30 Prozent des Energieverbrauchs fallen auf die Heizung und die Warmwassererzeugung.
- 20 Prozent wird von Maschinen mit Elektroantrieben, Licht und anderen elektrischen Verbrauchern verbraucht (wie RLT-Anlagen, Spül- und Waschmaschinen). Dieser Posten schlägt stark zu Buche, denn die Energiekosten einer Metzgerei werden zu 70 Prozent von elektrischer Energie verursacht
Der Stromverbrauch macht somit einen wesentlichen Anteil des Gesamtenergieverbrauchs aus. Ein Berliner Metzgermeister vom Prenzlauer Berg berichtet, dass die Anschaffung einer neuen, energieeffizienteren Kühlanlage den Stromverbrauch zwar von 41.500 kWh auf 26.400 kWh reduzierte, „die kommende Strompreiserhöhung jedoch sämtliche Einsparungen zunichtemachen wird. Aber wir können doch nicht einfach den Stecker ziehen“, sagt der Chef des alteingesessenen Familienunternehmens.
Existenzgefährdende Mehrkosten
Laut Angaben der Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Strompreis im Jahr 2021 bei 25,65 Cent pro Kilowattstunde. Im ersten Halbjahr 2022 lag er bereits bei durchschnittlich 37,14 Cent. Werden rund 300.000 kWh Strom/Jahr verbraucht, wird ein Betrieb für Strom 35.000 Euro mehr als im Vorjahreszeitraum zahlen müssen.
Der Gaspreis hat sich noch dramatischer erhöht. Laut der Bundesnetzagentur lag der Gaspreis für Gewerbe in Deutschland im letzten Jahr bei 4,74 Cent pro Kilowattstunde (Stand: Januar 2022; dies ist nur der Mittelwert bei einem Jahresverbrauch von 120.000 kWh). Aktuell beträgt der durchschnittliche Gaspreis pro kWh 10,64 Cent – Tendenz stark steigend.
Deckel für Gas- und Strompreise
Die von der Bundesregierung beschlossene Gaspreisbremse bringt zumindest Planungssicherheit: Kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von bis zu 1,5 Mio. Kilowattstunden erhalten ein Kontingent in Höhe von 80 Prozent ihres im September 2022 prognostizierten Jahresverbrauchs zum garantierten Bruttoarbeitspreis von 12 Cent/kWh. Großverbraucher mit mehr als 1,5 Mio. kWh Gasverbrauch/Jahr erhalten ein Kontingent in Höhe von 70 Prozent ihres Gasverbrauchs zu einem garantierten Netto-Arbeitspreis von 7 Cent/kWh. Das Kontingent wird bezogen auf den Jahresverbrauch im Jahr 2021.
Für die Entwicklung der Strompreise gilt folgende Deckelung: Kleinere und mittlere Unternehmen, die bisher weniger als 30.000 kWh Strom im Jahr verbraucht haben, erhalten 80 Prozent ihres bisherigen Stromverbrauchs zu einem garantierten Bruttopreis von 40 Cent/kWh.
Großverbraucher mit einem Stromverbrauch von mehr als 30.000 kWh im Jahr erhalten 70 Prozent ihres bisherigen Stromverbrauchs zu einem garantierten Netto-Arbeitspreis von 13 Cent/kWh. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen fallen zusätzlich an.
Zeit für Einsparungen
Fleischereibetriebe sollten nicht zögern und beginnen, die Basis für umfangreiche Einsparungen bei den eigenen Energiekosten zu legen. Am Markt haben sich verschiedene Energieberater etabliert, die neben der strategischen Energiebeschaffung auch Energie-Audits anbieten. Diese sind zu 80 Prozent vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) förderbar.
„Energie ist zu einem Teil des Produktionsprozesses geworden, bei dem inzwischen eben so viel Sorgfalt bei der Einkaufsstrategie aufgebracht werden sollte wie bei allen anderen Produktionsrohstoffen. Gerade bei hohen Verbräuchen können geringe Preisdifferenzen und Flexibilität entscheidend sein. Für viele ist der Energiemarkt jedoch sehr komplex und verworren. Unternehmer sollten sich individuell beraten lassen“, rät Daniel Engelbarts.
Angesichts der Energiekrise sind Umstrukturierungen aktuell wichtiger denn je. Erste Firmen mussten wegen der hohen Energiekosten bereits Insolvenz anmelden – trotz guter Auftragslage. Die Entlastungspakete, die von der Bundesregierung für Strom und Gas beschlossen wurden, könnten für viele Betriebe zu spät greifen.
Kurzprofil: remind.me
Die remind.me GmbH, Berlin, berät Unternehmen rund um das Thema Energie mit dem Ziel, Energiekosten zu senken und möglichst sämtliche Energiesparpotenziale zu nutzen.
Im Rahmen einer individuell auf das Unternehmen abgestimmten strategischen Energiebeschaffung geht es dabei vor allem um bestmögliche Konditionen für Gas und Strom sowie eine kontinuierliche Prüfung der Einkaufsstrategie von Energie.
remind.me bietet außerdem die Durchführung eines staatlich geförderten Energie-Audits nach DIN EN 16247-1 an, mit dem Energiekosten um bis zu 30 Prozent gesenkt werden können. Ausgehend von der vorhandenen Ausstattung des Unternehmens werden Maßnahmen zur Optimierung der Energieeffizienz ausgewiesen und deren Umsetzung nach Priorität/Wirtschaftlichkeit empfohlen.
Sieben Tipps zum Energiesparen
- Das Absenken der Raumtemperatur um 1 °C reduziert den Stromverbrauch um drei bis vier Prozent.
- Die maximale Warmwassertemperatur sollte auf 65 °C reduziert werden.
- Der Verflüssiger in der Kompressionskälteanlage sollte regelmäßig gereinigt und der Verdampfer regelmäßig abgetaut werden.
- Heizende und kühlende Geräte sollten getrennt voneinander platziert werden.
- Die Anlagenabwärme sollte für die Warmwasserbereitung verwendet werden – das spart bis zu 15 Prozent Stromkosten pro Jahr ein.
- Kühltresen mit einer Abdeckung oder Glastüren verbrauchen im Vergleich zu offenen bis zu 35 Prozent weniger Energie.
- Das Abschalten der Stand-by-Funktion bei fleischverarbeitenden Geräten (Kutter) außerhalb der Betriebszeit spart bis zu 15 Prozent Energie.