Oft scheint der für die Materialwirtschaft Verantwortliche seine Dispositions-entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ zu treffen. Diese auf den ersten Blick nicht begründbaren Bauchentscheidungen sind bei einem erfahrenen Disponenten allerdings nichts anderes als die unbewusste Anwendung der einschlägigen theoretischen Grundlagen.
Die Wahl der Dispositionsmethode
Die Wahl der richtigen Dispositionsmethode hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der letzten Ausgabe der Fleischerei wurden die drei gängigen Verfahren bereits kurz erläutert. Unterschieden wurde dabei zwischen der kundenorientierten, der programmorientierten und der verbrauchsorientierten Dispositionsmethode.
Das erste Entscheidungskriterium, welche Methode für welche Artikel(gruppen) geeignet ist, stellt die Reaktionsgeschwindigkeit dar. Diese Kennzahl drückt aus, welche Zeit aus der Sicht des Kunden zwischen Auftragseingang und -erfüllung unter Berücksichtigung sämtlicher Prozessschritte einzuhalten ist. Bei hoher Reaktionsgeschwindigkeit ist es erforderlich, Bestände zu führen oder aber Akzeptanz für die notwendige Zeit zwischen Auftragseingang und -erfüllung zu schaffen.
Besteht die Notwendigkeit, Bestände zu führen, um auf entsprechende Kundenanforderungen zu reagieren, so stellt sich stets die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Lagerhaltung. Das zweite Kriterium, das die Wahl der Dispositionsmethode beeinflusst, ist demnach die ökonomische Auswirkung einer Bestandsführung, die dem ersten Kriterium in aller Regel gegenübersteht. Bei steigender ökonomischer Wirksamkeit ist die Bestandsführung mit zunehmenden betriebswirtschaftlichen Risiken behaftet.
Das dritte Kriterium der Vorhersehbarkeit dient der Auflösung des Spannungsverhältnisses der beiden ersten Entscheidungskriterien. Ist die Vorhersehbarkeit des Verbrauches eines Produktes hoch, so ist eine Bestandsführung trotz hoher ökonomischer Wirksamkeit und geringer Reaktionsgeschwindigkeit mit nur geringen betriebswirtschaftlichen Risiken behaftet.
Im Ergebnis ist es möglich, Artikel und Artikelgruppen zu klassifizieren und auf dieser Grundlage die Entscheidung für die richtige Dispositionsmethode zu treffen:
-Eine hohe ökonomische Wirksamkeit bei hoher Reaktionsgeschwindigkeit und geringer Vorhersehbarkeit führt zur Wahl der kundenorientierten Dispositionsmethode.
-Eine hohe Vorhersehbarkeit des Verbrauches mit hoher ökonomischer Wirksamkeit und geringer Reaktionsgeschwindigkeit führt zur Wahl der programmorientierten Disposition.
-Diese beiden Beispiele verdeutlichen zugleich die Häufigkeit der in der Praxis angewandten verbrauchsorientierten Dispositionsmethode, die in vielen Fällen den besten Kompromiss darstellt.
Vergangenheitsanalyse als Basis
Die Bestimmung des Kriteriums der Vorhersehbarkeit und die Nutzung der verbrauchsorientierten Dispositionsmethode sind enger miteinander verknüpft, als es zunächst erscheint. Beide setzen voraus, dass eine Prognose über den Bedarf auf Basis von Daten aus der Vergangenheit getroffen werden kann.
Alle statistischen Verfahren zur Ermittlung des Bedarfs an zu beschaffenden Gütern gehen von einer Analyse der Vergangenheitsdaten zur Verbrauchs- und Bedarfsstatistik der Vergangenheit aus. Reduziert man die Vielzahl der möglichen Verfahren auf die drei in der Praxis gängigsten, so verbleiben der einfache Durchschnitt, der gleitende Durchschnitt und die exponentielle Glättung zweiter Ordnung.
Welches Verfahren für welche Artikel verwendet wird, hängt davon ab, ob es zu Verbrauchsschwankungen kommt und wie stark diese gegebenenfalls sind.
-Bei nur geringen Verbrauchsschwankungen reicht es aus, den einfachen oder gleitenden Durchschnitt zur Bestimmung des Verbrauchs zu berechnen.
-Sind durch zum Beispiel saisonale Einflüsse oder besondere Ereignisse die Schwankungen hoch, so bedingt dies meist die Anwendung eines komplexeren Verfahrens, wie etwa die exponentielle Glättung zweiter oder dritter Ordnung.
Die Analyse der Vergangenheitsdaten ist folglich die einzige Möglichkeit, um das Bauchgefühl der Disponenten in einem IT-gestützten System ergänzend abzubilden. Die Vergangenheitsdaten informieren über die Vorhersehbarkeit des Verbrauchs und bilden außerdem die Grundlage bei der verbrauchsorientierten Dispositionsmethode zur Bestimmung von Maximal- bis Sicherheitsbestand.www.csb-system.com
