Ab 60 kommt der Chef auf die Zielgerade seiner beruflichen Laufbahn. Über den Rückzug aus der Firma macht er sich ungern Gedanken, wenn die Arbeit Freude macht und der Betrieb gut läuft. Wenn es dann aber so weit ist, soll am besten der Sohn oder die Tochter übernehmen – oft eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Obwohl Ältere ihren eigenen Gesundheitszustand als „gut“ oder „sehr gut“ einschätzen, nehmen die Mobilität und die körperliche Kraft allmählich ab. Durch Teilzeitarbeit lässt sich das zunächst kompensieren, die Gedanken an den endgültigen Ausstieg können nochmal verschoben werden.
In vielen Familien wünschen sich die Eltern, dass ihre Kinder die Fleischerei übernehmen. Das wird dem Sohn oder der Tochter schon von klein auf vermittelt. Und die Kinder lassen sich davon natürlich bei der Berufswahl beeinflussen – im positiven wie im negativen Sinne. Häufig sprechen die Eltern über Probleme im Betrieb, über die vielen Vorschriften und Vorgaben sowie die harte Arbeit. Kein Wunder, wenn sich der Nachwuchs dann für einen anderen Beruf entscheidet. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass die Freude der Kinder an einer beruflichen Tätigkeit wichtiger sein sollte als der vermeintliche Zwang, die Fleischerei an die nächste Generation weitergeben zu müssen.
Ruhestand vorbereiten
Nicht nur Alter und Gesundheit des Seniors sollten den Rückzug aus dem Betrieb bestimmen, sondern auch die Einsicht, dass es an der Zeit ist, der jungen Generation die Führung zu übertragen. Der Gedanke daran reift langsam, sollte aber rechtzeitig beschlossen und umgesetzt werden. Bewährt hat sich der Ausstieg in Etappen, die Verringerung der Verantwortung nach einem Plan. Wer die endgültige Betriebsübergabe immer wieder verschiebt, steht vielleicht plötzlich unter Druck, wenn es gesundheitlich gar nicht mehr geht.
Oft fällt es dem Seniorchef schwer, die Gesamtverantwortung zu übergeben. Der über 65-jährige Chef, der immer noch voll in der Verantwortung steht, wird zwar mit Respekt, von Kunden und Lieferanten aber auch mit Skepsis betrachtet.
Manche schlittern völlig unbedarft in den Ruhestand und haben sich vorher wenig Gedanken gemacht, wie der Tagesablauf aussehen soll. Das Problem mit dem Ausstieg ist nicht neu, aber es hat eine ganz andere Dimension als früher, denn Rentner sind heute fit. Für den neuen Lebensabschnitt geht man auf die Suche nach neuen Tätigkeiten. Interessante Aufgaben können zum Beispiel das Engagement in der Innung, die Mitarbeit bei Verbandstagungen, im Sportverein oder in der Gemeinde sein – Aktivitäten, die der Ruheständler durchaus als eine „zweite Karriere“ betrachten kann.
Die Übergabe
Oft fühlt sich der Seniorchef noch dynamisch genug und will die endgültige Übertragung der Verantwortung auf den Junior noch verschieben. Die Kooperation von zwei Generationen für eine bestimmte Zeit kann sehr gut sein. Der Senior arbeitet mit seinem Nachwuchs die erste Zeit zusammen. Stehen Entscheidungen an, werden diese gemeinsam getroffen. Kommt es zu Differenzen, müssen diese unter allen Umständen sofort angesprochen und ausgräumt werden. Jede Generation hat alterstypische Eigenschaften, die eine harmonische Zusammenarbeit gefährden können. Die reformerischen Ideen des Nachfolgers und die Erfahrung des Seniors können sich nur sinnvoll ergänzen, wenn beide Seiten kompromissbereit sind. So können die besonderen Fähigkeiten von Alt und Jung zum Vorteil für den Betrieb genutzt werden.
Der Senior überschätzt sich und sein Leistungspotenzial zuweilen und hängt an seinen Gewohnheiten, er ist „Bewahrer“ des Bisherigen. Der Junior will verändern und sich gegenüber der älteren Generation durchsetzen. Der ehrgeizige Nachwuchs möchte Handlungsspielräume eigenverantwortlich nutzen und seine eigene Erfahrung machen.
Um den Senior zu verstehen, muss sich der Junior in die Lage seines Vaters versetzen. Hilfreich kann auch sein, sich mit anderen Junioren auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.
Ältere sind eher skeptisch und reagieren verhalten. Eine Umstellung geht nicht mehr leicht von der Hand. Die Bindung an Gewohnheiten ist weit größer als in jungen Jahren.
Der Senior
Der bisherige Chef will Respekt für die erbrachte Leistung und bemängelt beim Nachfolger meist die fehlende Erfahrung. Er sieht vor allem, was dem Junior noch fehlt, und zu wenig dessen Bemühen, den Betrieb erfolgreich zu führen. Dabei stand er anfangs selbst vor der gleichen Situation und der Herausforderung, sich einzuarbeiten und durchzusetzen.
Der Junior hat oft eine andere und intensivere Ausbildung als der Senior. Als Mitglied der Online-Generation wird er auch die Organisation im Betrieb ändern und Arbeitsabläufe optimieren, was im harten Wettbewerb heute zu den Notwendigkeiten gehört.
Der Senior macht es der neuen Generation und dem gesamten Team nicht gerade leicht, wenn er auch nach seinem offiziellen Ausscheiden noch durch Anwesenheit „glänzt“. Er sollte dem Junior nur dann noch gute Ratschläge erteilen, wenn es ausdrücklich gewünscht wird. Und für die Angestellten gilt, dass der Nachfolger jetzt das Sagen hat.
Wenn der Senior noch einige Aufgaben behalten will, muss eine klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten vorgenommen werden, am besten schriftlich. Zu den wesentlichen Grundsätzen der Zusammenarbeit gehört es, sich nicht in das Aufgabengebiet des Juniors einzumischen, nicht überall noch dabei sein zu wollen. Der Senior muss „loslassen“.
Der Junior
Er hat einen anderen Arbeitsstil, einen aktuellen Ausbildungsstand, ist meist besser qualifiziert und drängt nach vorne. Er ist dynamisch, zeigt Schwung und ist offen für Neues. Er ist an der Technik und der Digitalisierung sehr stark interessiert. Die U30-Jährigen zählen zu den „Veränderern“ und wollen nicht Abziehbild des früheren Chefs sein. Der Junior möchte schließlich seine eigenen Ideen realisieren.
Senior und Junior werden kritisch miteinander verglichen. Jeder Fehler in den ersten Monaten wird dem Neuen doppelt angerechnet, er hat noch keinen Bonus auf seinem „Leistungskonto“. Die Verantwortung für eine Entscheidung liegt aber nach Übernahme voll bei ihm, und das muss auch so sein. Die Firmenübergabe sollte auf der Homepage mit einer Vita des Juniors bekannt gemacht werden.