Der Arbeitgeber als Marke

Eine Außenwirkung hat jeder Betrieb, ob er will oder nicht. Eine gute Reputation ist allerdings wichtig für die Kunden, die im Unternehmen Beschäftigten und auch für potenzielle Bewerber, die einen Betrieb vor allem nach seinem Image als Arbeitgeber beurteilen. Lieferanten bewerten ihre Kunden ebenfalls danach.

Ein gutes Betriebsklima ist ein wichtiger Bestandteil einer Arbeitgebermarke. - © JackF – stock.adobe.com

Tierwohl, Umweltbewusstsein, gesunde Ernährung stehen absolut im Blickpunkt der öffentlichen Meinung und sollten erkennbar sein. Nie waren diese Themenfelder auch für Fleischer-Fachgeschäfte so wichtig wie heute. Wenn ein Fleischer in dieser Hinsicht mehr tut als üblich und dies nach außen glaubhaft vermittelt, dann betreibt er beste Imagepflege und positioniert sich auch als attraktiver Arbeitgeber (Employer Branding).

Auf das Image wirken sich alle Aktivitäten aus, die in der Öffentlichkeit wahrnehmbar sind – auch Nichtkunden bilden sich ein Urteil über den betreffenden Betrieb. Jede Verbesserung ist somit ein guter Grund, die Öffentlichkeit darüber zu informieren: das neu installierte Solardach, Einsparungen von Strom und Wasser, Vermeidung von Abfällen oder umweltfreundliche Entsorgung.

Über solche Aktivitäten kann etwa auf der eigenen Homepage berichtet werden, gegebenenfalls bereits während der laufenden Umsetzung. Ein positives Image aufzubauen, hängt nicht von der Unternehmensgröße ab. Auch ein kleinerer Betrieb kann in der Region zum Beispiel mit Maßnahmen zum Umweltschutz punkten. Deren Imagewirkung ist ein längerer Prozess, der durchaus mehrere Monate dauern kann.

Imagefaktor „Betriebsinhaber“

Die Persönlichkeit des Betriebsinhabers und die Ausstrahlung seiner ganzen Familie sind wichtige Faktoren der Imagebildung. Mit der positiven Einstellung und dem Idealismus, der in der beruflichen Tätigkeit zum Ausdruck kommt, verschafft sich der Inhaber Anerkennung, wirkt sympathisch, fällt angenehm auf.

Firmenleitsätze können dokumentiert und für die Öffentlichkeit transparent gemacht werden, zum Beispiel auf der Homepage des Unternehmens. Und weil auch Mitarbeiter ein Sprachrohr des Betriebs sind, sollten sie die Firmenleitsätze ebenso vorleben und dadurch imagefördernd nach außen tragen.

Eine gute Reputation wird besonders von der Persönlichkeit des Arbeitgebers geprägt, auch von seinem Engagement außerhalb seines Betriebs, zum Beispiel wenn ein Ehrenamt im sozialen Bereich wahrgenommen wird. Dazu zählt auch die Mitgliedschaft in einem regionalen Sportverein oder im Chor.

Der Betriebsinhaber macht sich fachlich einen Namen, wenn er als Sachverständiger bei der Innung oder als Mitglied in der Prüfungskommission tätig ist. Ehrenamtliche Tätigkeiten sprechen sich herum und kommen gut an, ebenso wie ein politisches Engagement im Gemeinderat.

Imagefaktor „Mitarbeiter“

Auch Mitarbeiter sind an der Bildung einer Arbeitgebermarke beteiligt (Employee Branding). Nach dem Motto „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ sucht nicht der Arbeitgeber in Stellenangeboten, sondern er lässt Mitarbeiter aus dem Team sprechen. Arbeitskollegen begeben sich im Netz und auch über Zeitungsanzeigen auf Personalsuche. Sie sind glaubwürdig und damit ideale Botschafter für ein Unternehmen. Mitarbeiter erklären per Video in den Sozialen Medien, weshalb offene Stellen für Bewerber attraktiv sind. Sie können sich sogar als erster Ansprechpartner für potenzielle Bewerber anbieten. Das Interesse wird geweckt, wenn Mitarbeiter im Erstkontakt mit Begeisterung über ihren Arbeitsplatz, das Team und den Arbeitgeber berichten.

Durch die Kooperation mit Bildungsträgern werden nicht nur potenzielle Bewerber erreicht, sondern es wird auch die (positive) Arbeitgebermarke vermittelt.

Imagefaktor „Kunden“

Kundenorientierung bringt nicht nur Umsatz, sondern trägt auch zu einem positiven Image bei. Sie muss deutlich erkennbar sein, wenn man damit punkten will. Ein zufriedener Kunde redet mit anderen (potenziellen) Kunden über seine guten Erfahrungen mit dem Fleischer seines Vertrauens. Der Effekt dieser Mundpropaganda ist groß und kostenlos und verbreitet sich schnell.

Für Kundenkontakte hat eine positive Einstellung hinter der Fleischtheke eine große Bedeutung. Daher sollte darauf verzichtet werden, mit Kunden über Probleme der Branche oder gar existenzielle Sorgen zu sprechen. Das will niemand hören. Zuversicht, gute Laune und Optimismus kommen dagegen besser an. Schließlich geht es an der Theke insbesondere um den kulinarischen Genuss.

Imagefaktor „Homepage“

Die Homepage ist wie ein Schaufenster und wirkt sich entsprechend auf das Image des Betriebs aus. Ein attraktiver Internetauftritt wird positiv wahrgenommen und kommt auch bei Stellenbewerbern gut an. Der User sucht neue Informationen und Bilder, die sein Interesse wecken. Nur eine attraktive Homepage erhöht die Zugriffszahlen, verlängert die Verweildauer und kann so das Image fördern. Wie in allen Bereichen der Kommunikation ist es auch online wichtig, durch Alleinstellungsmerkmale aufzufallen und sich von anderen abzuheben.

Der Auftritt im Netz muss permanent aktualisiert werden. Unabhängig davon werden auch Basisinformationen gerne geklickt: Der Chef, seine Familie, der Betrieb, besondere Leistungsmerkmale, Referenzadressen zufriedener Kunden, Kontaktformular für Anfragen für zum Beispiel den Partyservice. Neben den Sachinformationen soll die Homepage Emotionen wecken, der Kunde soll die Seite mögen.

Imagefaktor „Bewertungsportale“

Empfehlungsmarketing beeinflusst die Arbeitgebermarke und findet immer häufiger im Internet statt. Es gibt immer mehr Portale, auf denen Kunden ihre Erfahrung mit einem Anbieter kommentieren und bewerten. Obwohl Bewertungen im Netz auch kritisch gesehen werden, wirken sich Empfehlungen in aller Regel positiv aus. Gute Bewertungen sind im digitalen Zeitalter optimale Imageträger. Umfragen zeigen, dass die Bewertungen durch Kunden besonders beachtet werden, ebenso wie die Stellungnahme eines Betriebsinhabers zu kritischen Anmerkungen.

Imagefaktor „Pressepräsenz“

Die Wirkung von Presseveröffentlichungen ist für die Arbeitgebermarke unbestritten. Beliebt sind Reportagen, Interviews und Stellungnahmen in der regionalen Presse und den Gemeindenachrichten zu einem bestimmten Thema. Lokale Medien sind an einer Berichterstattung aber nur interessiert, wenn das Thema aktuell ist. Die Presse interessiert sich meist nur für eine Firma, die eine besondere Leistung anbietet, die zum Beispiel bereits eine Arbeitgebermarke aufgebaut hat.

Was eine Arbeitgebermarke ausmacht

  • Nachhaltigkeit: ökologischer Fußabdruck
  • Work-Life-Balance: Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Standort: gut mit Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar
  • Sicherheit der Arbeitsstelle: Erfolg im Wettbewerb
  • Retention: Mitarbeiterbindung durch den Führungsstil
  • Equipment: technische Ausstattung des Arbeitsplatzes
  • Betriebsklima: Wir-Gefühl sorgt für gute Stimmung im Team
  • Führung: Chef als Coach statt als Manager
  • Unterstützung: Hilfe bei persönlichen Anliegen
  • Weiterbildung: Förderung und Qualifizierung