Banken als Unternehmensberater

Banken sind für Unternehmen vor allem Kreditgeber und Ansprechpartner bei allen finanzwirtschaftlichen Fragen und Problemen. Die Finanzkrise hat bei Kreditinstituten offenbar aber auch die Bereitschaft gefördert, ihren Geschäfts­kunden eine umfangreiche betriebswirtschaftliche Beratung als zusätzlichen Service zu bieten.

Die klassische Aufgabenverteilung zwischen einem Unternehmer und seinen Geschäftspartnern, mit denen er finanzwirtschaftliche Fragen klärt oder von denen er sich in betriebswirtschaftlichen oder rechtlichen Angelegenheiten beraten lässt, ist fast schon Tradition: Die Banken sind für Kredit-, Konto- und Geldanlagegeschäfte zuständig und der Steuerberater verantwortet die betriebswirtschaftlichen Auswertungen einschließlich Liquiditäts- und Rentabilitätsermittlungen, Finanzbuchhaltung mit Bilanzerstellung sowie Gewinn- und Verlustrechnung. Für darüber hinausgehende branchenspezifische Themen wird dann in aller Regel auf die zuständige Innung zurückgegriffen. Und mit der Lösung juristischer Probleme, die meist auch wirtschaftliche Folgen haben, werden die Vertreter der rechtsberatenden Berufe betraut.

Zusatzservice der Hausbank

Diese gewachsenen Strukturen müssen aber keineswegs für die Ewigkeit gelten. Denn mittlerweile gehören betriebswirtschaftliche Beratungen bei diversen Bankinstituten zum Angebot für Geschäftskunden. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, dass Betriebsinhaber ihre Hausbank fragen, ob und gegebenenfalls welche Beratungsleistungen diese anbietet. Dabei ist es legitim, wenn der Beratungsumfang und die -qualität verschiedener Institute sorgfältig miteinander verglichen werden.

So werden je nach Bank beispielsweise Mitarbeitergruppen eingesetzt, die Inhaber von kleineren Mittelbetrieben wie Fleischereien unternehmerisch beraten. Diese Teams treffen üblicherweise weder Kreditentscheidungen noch helfen sie bei konkreten Anlageproblemen oder sonstigen das Geldgeschäft betreffenden Fragen. Sie führen darüber hinaus keine Rechtsberatungen durch und geben auch keine ausführlichen Hilfestellungen bei komplexen steuerlichen Problemen. Für ihre Geschäftskunden fungieren sie ausschließlich als Dienstleister mit betriebswirtschaftlichen Beratungsschwerpunkten. Dazu kann zum Beispiel die Prüfung bestehender privater und betrieblicher Versicherungen des jeweiligen Kunden bezüglich Versicherungsumfang und Prämienhöhe zählen. Zusätzliche Kosten fallen bei diesem Service häufig nicht an. Je nach Beratungsaufwand, vor allem bei komplexen Fragestellungen, ist es aber durchaus möglich, dass anteilige Kosten übernommen werden müssen. In diesem Fall sollte die Bank schlüssig darlegen, ob sie den Service im Rahmen der Gesamtverbindung mit ihrem Kunden kalkuliert oder ob eine zusätzliche Gebühr berechnet wird.

Banken, die ihren Kunden diese Art von Leistungen anbieten, betonen ausdrücklich, dass sie damit den etablierten Beratern vor Ort keineswegs Konkurrenz machten wollen. Diese Form der Dienstleistung soll grundsätzlich lediglich eine ergänzende Komponente darstellen. Aber immerhin: Die Detailkenntnisse des Kreditinstitutes über die wirtschaftliche Lage ihrer Kunden haben sicherlich den Vorteil, dass ergänzende Hilfestellungen punktgenau gegeben werden können.

Bankinterner Austausch

Wird ein solches Mitarbeiterteam eingesetzt, ist eine enge Kommunikation zwischen diesem und dem für das Unternehmen zuständigen Ansprechpartner der Bank, der meist vor allem für Kreditfragen zuständig ist, üblich und sinnvoll. Gerade durch diese enge interne Verbindung soll ein Höchstmaß an Kundennähe und gegenseitigem Nutzen erzielt werden. Das ändert aber nichts an der eigentlichen Aufgabenverteilung: Für Kreditfragen bleibt nach wie vor der Kundenberater verantwortlich. Er trifft zusammen mit dem Kreditmanagement, das die Bearbeitung der Kreditanträge verantwortet, sämtliche Kreditentscheidungen. Die betriebswirtschaftlichen Hinweise des Beraterteams haben dabei allerdings eine wichtige ergänzende Bedeutung.

Die betriebswirtschaftliche Beratung durch die Bank umfasst – abhängig vom betreffenden Institut – auch die technische Unterstützung mit Hilfe der Datenverarbeitung. In diesem Bereich können Banken ihre Geschäftskunden unter anderem bei der Liquiditäts- und Rentabilitätssteuerung sowie beim taggleichen Kontoausgleich oder bei der Verwaltung bestehender Kreditengagements unterstützen. Dieser Service wird in aller Regel über die Höhe der üblichen Dienstleistungsgebühren etwa zur Kontoführung abgerechnet.