Anschlussfinanzierung planen

„Des einen Freud ist des anderen Leid“: So wie der „Eine“ dürften sich derzeit Betriebsinhaber fühlen, deren Zinsbindung ihres Immobiliendarlehens in den kommenden Monaten ausläuft und verlängert werden muss. Denn Kreditnehmer profitieren nach wie vor von günstigen Zinssätzen, die es bei bevorstehenden Verlängerungen von Kreditverträgen zu sichern gilt. Geldanleger leiden dagegen tatsächlich eher und müssen mit Mini-zinsen vorlieb nehmen.

Anschlussfinanzierung planen

Eine Verlängerung (Prolongation) eines Kredites sollte sorgfältig und vor allem rechtzeitig geplant werden. Zu einer professionellen Planung, die je nach persönlichem Aufwand bereits etwa zwei Monate vor dem jeweiligen Verlängerungstermin beginnen sollte, gehört vor allem die realistische Einschätzung der eigenen zukünftigen finanziellen Lage und der damit verbundenen Höhe der späteren langfristigen Zins- und Tilgungsraten. Möglicherweise bietet sich bereits zum Ablauftermin der bevorstehenden Zinsbindung durch eine dann zur Verfügung stehende Liquiditätsreserve eine Teilrückzahlung des ausstehenden Darlehensbetrages an, so dass sich die Kapitalkosten, also die Zins- und Tilgungsraten, entsprechend verringern. Sowohl Banken als auch sonstige Kreditgeber wie Versicherungsunternehmen können die Auswirkungen unterschiedlicher Zins- und Tilgungsraten auf die zukünftige Kreditlaufzeit problemlos berechnen. Das gilt auch für unterschiedliche Restlaufzeiten des zu verlängernden Darlehens: Wenn der Kreditnehmer je nach Zinseinschätzung beispielsweise an einer zukünftigen Laufzeitenaufteilung des Restdarlehens zwischen fünf und zehn Jahren und an den damit verbundenen unterschiedlichen Zinssätzen interessiert ist, sind auch diese finanziellen Auswirkungen durch übersichtliche Zins- und Tilgungspläne schnell erkennbar. Im Ergebnis können im Laufe der Jahre je nach Dauer der Zinsbindung oder der Restlaufzeit des Darlehens Zinsbeträge in erheblicher Höhe eingespart werden.

Vorrang für den bisherigen Kreditgeber

Wenn keine persönlichen Überlegungen dagegensprechen, sollte als erster Ansprechpartner zunächst der bisherige Kreditgeber um Angebote gebeten werden. Diese sollten rund vier bis sechs Wochen vor dem Verlängerungstermin in schriftlicher Form beim Kunden vorliegen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein verbindlicher Hinweis darauf, wie lange sich das Kreditinstitut daran gebunden fühlt. Gleichzeitig sollte die Zweit- oder Drittbankverbindung ebenso um Offerten gebeten werden wie weitere Kreditgeber, zum Beispiel Versicherer oder seriöse Internetanbieter. Diese Vorgehensweise war in der Vergangenheit nicht immer üblich, da sich Kreditnehmer häufig auf die Angebote des bisherigen Kreditgebers verließen.

In den derzeit schwierigen Zeiten vor allem bei Kreditvergaben ist ein solches Verhalten aber nicht mehr zu empfehlen. Der Wettbewerb der Bankinstitute um Kreditnehmer mit einer guten Kreditwürdigkeit („Bonität“) sollte seitens des Kunden professionell genutzt werden. Die mittlerweile deutlich erkennbaren Veränderungen im Verhalten der Finanzbranche lässt vermuten, dass die bisherige Hausbankfunktion mittelfristig immer mehr in den Hintergrund treten wird und dass Kunden mehr als bisher die Dienstleistungen verschiedener Finanzanbieter vor einer Entscheidung weitaus intensiver miteinander vergleichen werden.

Kosten regelmäßig vertretbar

Kommt es vor allem auf Grund besserer Konditionen tatsächlich zu einem Wechsel des Kreditgebers, sollte der Darlehensnehmer die damit verbundenen Kosten sorgfältig und eingehend prüfen. Grund zur Sorge besteht aber in kaum einem Fall: Da meist nur eine Abtretung der zu Gunsten des bisherigen Kreditgebers als Sicherheit im Grundbuch eingetragenen Grundschuld an den neuen Gläubiger mit in der Regel relativ niedrigen Gebühren erfolgt, kann dieser Kostenfaktor häufig vernachlässigt werden. Immerhin erfolgt ein Wechsel regelmäßig zu günstigeren Zinssätzen, so dass die Kosten mehr als kompensiert werden sollten. Weitere Gebühren, etwa für die erneute Bonitätsprüfung des übernehmenden Kreditgebers, fallen üblicherweise nicht an. Aber um auch hier sicherzugehen, sollte dieser Punkt in den Vorgesprächen geklärt und die Zinsvorteile den jeweiligen Kosten gegenübergestellt werden.

Wettbewerb nutzen

Der zunehmende Wettbewerb der Banken um Kunden mit guter Bonität und, damit verbunden, die verstärkte Kundenorientierung der Institute wirken sich positiv auf die Verhandlungsposition eines Kreditnehmers aus. Diese Entwicklung sollte genutzt werden, um die Kreditzinsen sowie gegebenenfalls anfallende Gebühren der Vertragsverlängerung möglichst gering zu halten. Auch die zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten gehören nach Art und Umfang auf den Prüfstand. Möglicherweise kommt ein Sicherheitentausch in Betracht, der die Eigenkapitalausstattung und damit die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers insgesamt noch verbessert. Michael Vetter