Abonnent des Monats: Metzgerei Siegle, Bietigheim-Bissingen

Metzgermeister Frank Siegle und seine Frau Doris sind sowohl in ihrem Betrieb als auch beim Marathonlauf auf der Überhol­spur. privat - © privat

„Für uns, die wir im Fleischerhandwerk arbeiten und Lebensmittel herstellen, für die Tiere sterben müssen, sind Werte das A und O. Denn sonst passiert, was in der Massenproduktion überall zu erkennen ist: Das Tier wird zum Produkt“, sagt Metzgermeister Frank Siegle, der Mensch und Tier gleichermaßen mit Respekt begegnet.

Der Lehrlingswart der Fleischerinnung Ludwigsburg und Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses beschäftigt in seiner Metzgerei in Bietigheim-Bissingen (keine Filiale) 15 Mitarbeiter. „Wir sind stolz darauf, sämtliche Produktionsschritte einer traditionellen Metzgerei, sprich die Produktion unserer Fleisch- und Wurstwaren vom Bauern bis zum Kunden selbst in der Hand haben: Schlachtung, Zerlegung, Produktion und Verkauf befinden sich unter einem Dach.“

Die Metzgerei Siegle besteht seit 1962 in Bietigheim-Bissingen in der Jahnstraße 15, wo sich direkt an Laden, Küche und Wurstküche das Schlachthaus anschließt. „Wir waren 2009 die erste Metzgerei im Landkreis, die die damals neu geschaffene Vorgabe der ‚EU-Schlachtzulassung‘ erhielt. Dies konnte damals schnell und reibungslos vonstattengehen, da wir von jeher bis heute persönlich schon auf höchste Hygiene-, Qualitäts- und Tierschutzstandards Wert legen – auch ohne Gesetzesvorschrift“, sagt Siegle, der zusammen mit seiner Frau Doris den Betrieb leitet und über 100 verschiedene Wurstprodukte selbst herstellt. Die Rezepturen sind zum Großteil überliefert und von ihm optimiert.

Zu den Spezialitäten des Hauses gehört insbesondere der Flößerbraten, „der von meinem Vater bereits 1975 entwickelt wurde und sich durch eine besondere Gewürzmarinade auszeichnet, deren Zusammensetzung ein ‚Familiengeheimnis‘ und tatsächlich nur mir selbst bekannt ist“, sagt Frank Siegle stolz. Außerdem ist die Metzgerei für ihr Dry-Aged-Fleisch und die besonderen Steak-Cuts bekannt. Das Vieh dafür stammt ausschließlich von kleinen, familiär geführten Erzeugerbetrieben aus nächster Nähe. Artgerechte Tierhaltung mit heimischem Futter ist hier eine Selbstverständlichkeit. „Das Schlachtvieh kommt ohne Stress und Zwischenhändler direkt zu uns. Eine angemessene Ruhezeit in unserem Stall ist vor der Schlachtung im eigenen Schlachthaus gewährleistet“, sagt Siegle.

Als Alternative zu Schnellimbiss und Tiefkühlware bieten die Siegles einen abwechslungsreichen Mittagstisch an, den die hauseigene Köchin täglich frisch zubereitet. Die Kunden können aus drei bis sechs verschiedenen Gerichten wählen, die sie auch problemlos in den auslaufgeschützten Menüschalen mitnehmen können. Viele Kunden schätzen darüber hinaus den Liefer- und Versandservice der Metzgerei.

Frank Siegle, der übrigens schwäbische Spezialitäten wie Rostbraten oder Linsen mit Spätzle liebt, entführt die Kunden gerne in die Welt der handwerklichen Produktion und des ­qualitativ hochwertigen Essens sowie in die Grundlagen der modernen ausgewogenen ­Ernährung mit Fleisch- und Wurstwaren. Wie er das macht? Zusammen mit seiner Frau veranstaltet er ­Wurstproben sowie Sensorik- und Ernährungsworkshops im Ambiente des neu eingerichteten Degustationsstudios, in Kindergärten, Schulen oder auch in den Räumlichkeiten der Kunden.

Sehr aktiv sind die Siegles sowohl geschäftlich (Doris Siegle gewann übrigens im Jahr 2009 den Wettbewerb „Unternehmerfrau im Handwerk“) als auch in ihrer Freizeit. Während Frank Siegle mit seinem Sohn Triathlonsport macht, läuft er zusammen mit seiner Frau Doris Marathon – stets unter dem Motto „Siegle running – you need #meat4speed“.

Inspiration und Information für seine Arbeit holt sich Frank Siegle, wenn er nachmittags im Büro Die Fleischerei liest. „Die Zeitschrift deckt alle das Handwerk betreffenden Themen und Fragestellungen komplett ab. Man erhält sowohl Informationen über aktuelle Entwicklungen bei verschiedenen Gesetzen und Verordnungen als auch über aktuelle Ernährungstrends, Technologie, Personal- und Rechtsfragen. Alle Themen, die im Tagesgeschäft einer handwerklichen Metzgerei anfallen können, werden umfassend aktuell behandelt. Die Zeitschrift ist für mich eine Art Fachbuch, das sich ständig aktualisiert. Unser Familienbetrieb bezieht Die Fleischerei bereits seit 1973 und archiviert alle Ausgaben, um auch später noch auf die Informa­tionen zurückgreifen zu können.“