SÜFFA 2024: Künstliche Intelligenz ist ein Thema

Künstliche Intelligenz steckt in den Assistenzsystemen moderner Fahrzeuge, der beliebten Foto-App im Smartphone und in vielen Video­spielen. Wie in anderen Industrie- und Handwerkszweigen wird der Einsatz von „KI” derzeit auch in der Fleischbranche heiß diskutiert. Eröffnen sich durch neue Technologien bislang ungeahnte Möglichkeiten, um brennende Probleme wie den Fachkräftemangel zu lösen? Diese und viele weitere Fragen thematisiert die Stuttgarter SÜFFA, Fachmesse für die Fleischbranche (28.–30. September 2024), die sich seit jeher nicht nur Marktplatz ist, sondern auch Plattform für neue Trends, Entwicklungen und Ideen.

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    © Katharina Koch
    Metzgermeisterin Katharina Koch, Inhaberin der Land­fleischerei Koch in Calden, überwacht und optimiert die Reifung ihrer Ahle Wurst mit  Hilfe von künstlicher ­Intelligenz. Katharina Koch
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    © Landesmesse Stuttgart GmbH
    Die SÜFFA ist nicht nur Leistungsschau für die Fleischbranche, sondern auch Plattform für den persönlichen Austausch unter Kolleginnen und Kollegen. Landesmesse Stuttgart GmbH

Soviel vorweg: Eine Roboterinvasion ist nicht zu befürchten. „Dass Metzgerinnen, Metzger und Ladenpersonal in naher Zukunft von Maschinen verdrängt werden, ist natürlich Science-Fiction“, beruhigt Projektleiterin Sophie Stähle von der Messe Stuttgart. „Die Grenzen zwischen Handwerk, computergestützter Automatisierung und künstlicher Intelligenz sind aber heute schon durchaus fließend. Chancen und Möglichkeiten intelligenter digitaler Lösungen kann man auf der SÜFFA erleben.“

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette lassen sich zahlreiche Prozesse mit KI optimieren. Die traditionell handwerklich geprägte Fleischbranche tut sich mit dieser Entwicklung gelegentlich noch etwas schwer. Doch auch in Wurstküchen und Zerlegebetrieben hält die digitale Revolution inzwischen Einzug. SÜFFA 2024: Die Anwendungsbereiche künstlicher Intelligenz sind vielfältig, etwa beim automatischen Ermitteln der Fleischqualität und Bestimmen der nachgelagerten Verarbeitung – oder im begehbaren 24/7-Verkaufsautomaten, der das eigene Sortiment im Blick behält und selbstständig Nachbestellungen tätigt. KI steigert die Effizienz und reduziert nicht zuletzt den Personalaufwand – Stichwort Fachkräftemangel.

Projekt mit der Universität Kassel

Wie die gelungene Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in einer familiengeführten Metzgerei aussehen kann, zeigt das Projekt „Ahle Wurst trifft Künstliche Intelligenz“ der Universität Kassel: Gemeinsam mit der Caldener Landfleischerei Koch wurde ein Verfahren entwickelt, in dem eine KI den Reifeprozess der nordhessischen Spezialität optimiert. Per Sensor werden dabei Informationen über Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit oder den pH-Wert der Würste gesammelt und an einen zentralen Rechner übermittelt. Ein Programm errechnet die notwendigen nächsten Schritte. Anhand dieser Vorgaben kann das Personal entsprechend in den Reifungsprozess eingreifen. Eventuelle Rückmeldungen werden anschließend ins System eingespeist und sofort verarbeitet: Die KI lernt.

„Das Projekt war als einjährige Machbarkeitsstudie ausgelegt und soll auf ­andere Handwerksbereiche übertragbar sein“, erklärt Metzgermeisterin Katharina Koch, die den elterlichen Betrieb in fünfter Generation führt. Neben rein technischen oder ergebnisorientierten Aspekten seien auch die im Rahmen des Projekts angestellten Kosten-Nutzen-Rechnungen durchaus vielversprechend: „Unsere Partner von der Universität ziehen eine sehr positive Bilanz. Es lohnt sich!“

Gegenüber der Kundschaft, aber auch unter Kolleginnen und Kollegen bestehe allerdings noch Erklärungsbedarf, berichtet Koch. „Manche finden es super, dass auch mal ein Handwerksbetrieb so etwas macht, andere sind skeptisch und fragen, ob das denn noch Handwerk ist. Tradition bedeutet aber nicht, dass man nichts Neues macht, sonst würden wir ja immer noch arbeiten wie in der Steinzeit.“ Die oft von den Medien geschürte Angst, dass KI Jobs kosten könnte, sei ohnedies völlig unbegründet: „In unserer Branche herrscht eine gegenteilige Problematik, es gibt zu wenig Fachkräfte. Der Mensch wird nicht ersetzbar, aber die KI kann ihn bei zeitraubenden Routinearbeiten unterstützen.“

SÜFFA 2024: Der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch sei auch das, was eine Fachmesse wie die Stuttgarter SÜFFA letztlich ausmache, findet Katharina Koch.

www.sueffa.de