Der Schlachthof in Fürth-Burgfarrnbach will in größere Stallflächen für die Tiere, bessere Energieeffizienz, eine umweltfreundlichere Kühlung und Abwasserklärung investieren. 10,15 Mio. Euro sollen die Modernisierungsmaßnahmen kosten. Mit dem Slogan „Nie war er so wertvoll wie heute“ warb die Führung des Schlachtbetriebs jetzt vor Vertretern aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik um Zuschüsse, um seine wichtige Rolle in der regionalen und handwerklichen Fleischvermarktung zu bewahren. Es gilt, eine Finanzierungslücke von sechs Millionen Euro zu füllen.
„Es geht uns nicht um höhere Schlachtzahlen, sondern um Qualität“, betonte Schlachthof Geschäftsführer Konrad Ammon bei der Gesprächsrunde in der 1991 eröffneten und seit 1993 EG-zugelassenen Einrichtung an der Siegelsdorfer Straße. Man setze auf „Fleisch der kurzen Wege“. Die Schlachttiere (pro Woche ca. 1.300 Schweine und 80 Rinder) stammen aus 60 km Umkreis. Die Mitarbeiter bedienen als Dienstleister etwa 330 Metzger, Landwirte, Direktvermarkter und Gastronomen. Die von 128 Gesellschaftern getragene Schlachthofbetriebs GmbH stehe grundsolide da, in 33 Jahren des Bestehens schrieb man stets schwarze Zahlen. 2023 lag der Überschuss bei 136.000 Euro.
Erstmals legte Ammon nun Detailzahlen zum Umbau vor: 2,4 Mio Euro sollen in Modernisierung von Stall, Anlieferung, Auftrieb, Betäubung, Kühlung fließen, 620.000 Euro in den Ausbau von Freiflächen und Stall, 4,93 Mio Euro in technische Anlagen wie Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte, Elektro und Wärmerückgewinnung, 800.000 Euro in Außenanlagen (Asphalt, Abwasservorklärung via Flotationsanlage, Einfahrt), 1,32 Mio Euro in Baunebenkosten (Gutachter, Fachleute, Gebühren). Im Vorfeld hat man bereits 517.000 Euro Planungskosten finanziert, für 345.000 Euro das ehemalige Gebäude der Evenord-Bank übernommen und für 1,1 Mio. Euro das 9.670 m2 große Grundstück aus einem bis 2040 laufenden Erbpachtvertrag mit der Stadt herausgekauft.
Große Finanzierungslücke
Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern, umriss die mögliche Förderung des Projekts: Aus einschlägigen Programmen (Marktstrukturförderung, VuVRegio, BAFA-Energie bzw. -Kälte) seien 2,3 Mio. Euro zu erwarten. Das investitionsfähige Eigenkapital der Schlachthof GmbH liege bei 2,2 Mio. Euro. Bleibe eine Lücke von 6 Mio. Euro, die bei einer zu erwartenden monatlichen Rückzahlung von 48.500 Euro nicht allein zu schultern wäre. Das bestätigte Marcel Mago als Vertreter der Flessa Bank: Mehr als 20 Prozent der 10,15 Mio. Euro Investitionssumme könne der Schlachthof nicht tragen – ohne zusätzliche Zuschüsse gehe es nicht.
Eine Aufteilung der Maßnahmen auf mehrere Jahre sei nicht machbar, hieß es: Mehr Stellflächen für Tiere und größere Verarbeitungskapazitäten bedingten zugleich auch größere Kühlräume. Und streichbare „Luxusmaßnahmen“ seien sowieso nicht vorgesehen. Konrad Ammons Fazit: „Die Investition muss auf einmal stattfinden!“
Viel Zustimmung
Bei den anwesenden Politikern fand die „Vision“ des Metzgermeisters viel Applaus. Günter Felßner (Lauf), Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, nannte den Metzgerschlachthof ein Vorbild für ganz Bayern und einen Teil der Zukunftssicherung auch der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Die Struktur mit 1.300 kleinen und mittelgroßen Schlachtstätten in Bayern sei auch ein Wunsch der Verbraucher. Er regte an, den „Zukunftsvertrag“ des Freistaats mit der Landwirtschaft als Fördertopf zu nutzen – dieser sieht bei 120 Mio. Euro Volumen jährlich auch 10 Mio. Euro für den Erhalt der Schlacht- und Molkereiinfrastruktur vor.
Der Fürther Wirtschaftsreferent Horst Müller versprach nach der Übertragung der Eigentumsrechte weiteres Engagement der Stadt für den Schlachthof, dessen Betriebsmodell in ganz Deutschland bewundert werde. Zu beachten sei das Beihilferecht – aber gefragt sei Handeln, keine Sonntagsreden.
Bayerns Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Michaela Kaniber (CSU) bescheinigte dem Fürther Schlachthof eine grundsolide Basis – hier werde die vom Kunden gewünschte Regionalität gelebt. Und trotz teils sinkender Tierzahlen (2,4 Mio. Rinder in Bayern) stabilisiere sich der Fleischkonsum. Der Fürther Schlachthof verdiene jede Unterstützung.
Die Ministerin mahnte dafür ein Zusammenwirken aller Ebenen an – zum Beispiel Stadt und Landkreis, KfW- oder Rentenbank mit günstigen Darlehen. Der Freistaat beteilige sich schon und müsse beachten, dass die Förderrichtlinien, die sonst auch Großschlachthöfe für sich beanspruchen könnten, eingehalten würden. Die Ministerin versprach, einen „Planungsstab“ für weitere Förderverhandlungen zu bilden.