Durch die Steuerung und Kontrolle aller ein- und ausgehenden Warenströme mit dem CSB-System lässt sich die Zertifizierung nach International Food Standard „Higher Level“ realisieren. Durch die integrierte Rückverfolgung werden alle gesetzlichen und betrieblichen Anforderungen erfüllt; zugleich wird das Qualitätsmanagement intensiviert und die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert.

Rückverfolgung in der Praxis
Die theoretischen Grundlagen für ein lückenloses Rückverfolgungskonzept wurden in der Oktoberausgabe von Die Fleischerei beschrieben. Am Beispiel eines wurstproduzierenden Unternehmens wird im Folgenden dargestellt, wie dieses vollständig integrierte Konzept, das sich über die Bereiche Wareneingang, Zerlegung und Produktion erstreckt, mit dem CSB-System in die Praxis umgesetzt werden kann.
Der Wareneingang
Der Wareneingang bildet den Beginn einer jeden betriebsinternen Rückverfolgung. Hier nimmt eine Erfassungsstation die Daten des Eingangs direkt bei der Anlieferung auf. Eine Rohrbahnwaage und eine Bodenwaage kommunizieren dabei mit dem CSB-System. Zudem stehen ein Etikettendrucker und ein Drucker für den Empfangsschein zur Verfügung.
Nach der Anwahl der Bestellung werden die einzelnen Artikel zur Bearbeitung am IT-Arbeitsplatz angezeigt. Der Anwender wählt den zu verwiegenden Artikel an und übernimmt das Gewicht von der Waage. Pro Wiegung erscheint eine Maske des Etikettendrucks. Nachdem die Anzahl der Etiketten bestimmt worden ist, werden diese an den entsprechenden Artikeln angebracht. Dabei werden auf jedem Etikett die Artikelinformationen inklusive des MHDs in Klarschrift ausgedruckt. Im Barcode, nach GS1-128-Standard, werden die Datenbezeichner 01-GTIN der Handelseinheit, 10-Los-/Chargennummer und ein bilateral vereinbarter Datenbezeichner als Informationsträger für die einzelnen Partiennummern verschlüsselt.
Die Bildung der jeweiligen Losnummern erfolgt über das Tagesdatum. Die externen Chargennummern werden mit den internen Losnummern verknüpft. Es ist aber auch möglich, die externen Chargennummern direkt in das unternehmensinterne Losnummernmanagement zu übernehmen.
Die Etikettierung erfolgt für jeden Wareneingangsposten, so dass eine durchgängige und einheitliche Auszeichnung gewährleistet wird.
Auch Kerntemperatur- oder ph-Wert-Messungen, die bei sensiblen Lebensmitteln wie Fleisch einen wichtigen Punkt in der Qualitätskontrolle darstellen, werden direkt am Wareneingang erfasst, über das integrierte Qualitätsmanagement direkt verbunden und mit der jeweiligen Losnummer verknüpft.
Das Identifizieren der gelieferten hängenden Ware erfolgt durch den Druck von zwei Etiketten. Das erste Etikett wird auf dem Artikel des ersten Hakens des Wareneingangs angebracht, das zweite Etikett auf dem des letzten. Auf diese Weise können die unterschiedlichen Partien auf einer Rohrbahn differenziert werden. Als Abschluss des Wareneingangs wird der Empfangsschein gedruckt und dem Lieferanten ausgehändigt. Die Lagerbuchung erfolgt inklusive aller relevanten Zusatzdaten, so dass sowohl Los- als auch Partiennummern in den Lagerkonten hinterlegt sind und jederzeit abrufbar sind.
Vom Wareneingang aus werden die angelieferten Fleischrohwaren in die Zerlegung befördert.
Die Zerlegung
Hier befindet sich ein CSB-Stand-Rack mit einem Funkscanner und einem Etikettendrucker; eine Bodenwaage und eine Rohrbahnwaage sind direkt im System integriert. Dieser sogenannte „I-Punkt“ ist so platziert, dass ihn alle Waren in der Zerlegung passieren müssen. Aufgrund der räumlichen Gestaltung fungiert der I-Punkt sowohl als Zerlegeeingang wie auch als Zerlegeausgang.
-Eingang Zerlegung
Die Rohstoffe oder Grobteile werden entweder auf die Bodenwaage oder auf die Rohrbahnwaage transportiert und die Etiketten der jeweiligen Artikel gescannt. Nachdem die Zerlegepartie ausgewählt ist, auf die der Eingang zu verbuchen ist, liest das CSB-System automatisch alle relevanten Daten aus dem Barcode aus: Eine manuelle Eingabe von Artikeln, Los- und Partiennummern entfällt vollständig. Per Tastendruck werden diese Daten nach Übernahme der Gewichte partiebezogen auf die Kostenstellen „maschinelle Zerlegung“ oder „manuelle Zerlegung“ im Lager verbucht.
-Ausgang Zerlegung
Die in der Zerlegung entstandenen Zerlegeprodukte oder Edelteile werden dem I-Punkt über die Bodenwaage zugeführt. Der Anwender wählt den neu entstandenen Artikel, die Zerlegepartie und das Ziellager aus. Alle weiteren Daten werden automatisch durch das System angezeigt. Nach Übernahme der Gewichte werden Etiketten mit Barcodes gemäß GS1-128-Standard erzeugt, in denen die Artikelnummern, die Losnummern und das Gewicht der Transportbehältnisse verschlüsselt werden. Durch die Spaltprozessabrechnung werden die tatsächlich aufgenommenen Gewichte mit den Vorgaben der Schnittlisten abgeglichen und die Preise kalkuliert.
Die Produktion
In den nachfolgenden Produktionsstufen der Fleischverarbeitung befinden sich Datenerfassungspunkte, die unter anderem die Aufgabe der Lagerumbuchungen wahrnehmen. Dabei werden vorwiegend die Etiketten der Rohstoffe eingescannt, so dass die relevanten Daten aus den Barcodes entschlüsselt und ins System übertragen werden. Es müssen lediglich die Zielläger eingegeben werden. Sämtliche Umbuchungen können im integrierten Chargeninformationssystem (CIS) eingesehen werden.
-Chargierung Rohwurst
Ein vorgeschaltetes Zuführungslager wird konsequent nach dem Fifo-Prinzip geführt, wodurch in der Chargierung auf die Anbindung von Scannern verzichtet werden kann. Die einzelnen Wagen mit den entsprechenden Rohstoffen sind im Lager bereits so sortiert, dass diese durch die Mitarbeiter der Chargierung abgerufen werden können. Der zu verwiegende Artikel wird ausgewählt und das Gewicht von der Waage übernommen. Die relevanten Losnummerninformationen werden nach dem Fifo-Prinzip automatisch zur Charge zugeordnet und im System verbucht. Ist die Charge verwogen, wird ein Etikett mit dem GS1-128-Barcode erzeugt und auf den Wagen gelegt.
Das Etikett entspricht bezüglich Farbe und Papier den lebensmittelrechtlichen Anforderungen.
-Chargierung Brühwurst
An der Chargierungsstation für den Brühwurstbereich werden die einzelnen Rohstoffe per Scanner identifiziert und die relevanten Daten aus den Barcodes ausgelesen. An einigen Stationen wird neben den Losnummerndaten auch das Gewicht aus dem Barcode entnommen, so dass hier eine Verwiegung eingespart wird. Dies setzt voraus, dass keine Teilentnahmen aus den einzelnen Wagen erfolgen, sondern nur ganze Einheiten verarbeitet werden. Bei Beendigung der Charge werden Etiketten mit den oben genannten Informationen erzeugt.
-Füllprozess
Die einzelnen Wagen werden an den Fülllinien per Scanner angemeldet, die Losnummern und die rückverfolgungsrelevanten Daten werden aus den Barcodes ausgelesen.
Die Inprozesskontrolle wird in Form von Füllgewichtskontrollen durchgeführt. Dabei wird durch das System mitgeteilt, wie viele Wiegungen pro Charge durchzuführen sind. Die ermittelten Gewichte werden online durch die Waagenanbindung ins System übernommen und der Anwender erhält die Information, wie die jeweilige Füllmaschine zu justieren ist. Pro Wagen lässt sich ein Etikett erzeugen. Dabei wird zusätzlich eine Referenznummer auf das Etikett aufgebracht, mit deren Hilfe der spätere Prozess weitestgehend automatisiert werden kann.
-Raucheingang
Per Scanvorgang erfolgt die Anmeldung der Halbfabrikate an der Kostenstelle „Rauch“. Die Umbuchung erfolgt automatisch, die Lagerkonten geben Aufschluss über den Grad der Belegung der Rauchkammern. Im CSB-System ist ersichtlich, welche Wagen in welchen Kammern mit welchen Produktionschargen stehen. So ist jeder Transportwagen mit einer Referenznummer verknüpft.
-Rauchausgang und Reifelager
Das System erzeugt aufgrund der hinterlegten Reifezeiten der unterschiedlichen Artikel eine Auslagerliste über die einzelnen Wagen. Der Anwender arbeitet diese ab und verwiegt sie, um einen Abgleich des Istgewichts zum theoretischen Gewichtsverlust durchführen zu können. An dieser Stelle wird nicht neu etikettiert; das Etikett aus dem vorigen Prozessschritt kann weiter genutzt werden.
-Slicen und Verpacken
Die Halbfertigfabrikate werden per Scanvorgang den einzelnen Verpackungslinien zugeordnet. Dabei werden wie in den zuvor beschriebenen Prozessen die Losnummern aus den Barcodes übernommen. Eine Auszeichnung der einzelnen Artikel erfolgt über das Haltbarkeitsdatum, das den relevanten Produktionstag für die Fertigprodukte ausgibt. Der Downstream erfolgt somit über den Aufsatz des Produktionsdatums, der Upstream über den Aufsatz des Wareneingangsdatums. www.csb-system.com