Das „SBS-Innovationstreffen“ ist der Verbandstag der regiowelt-Gemeinschaft. Zum Jahresende 2018 trafen sich dazu rund 60 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Fleischerhandwerk in Oberursel. Wie die regionale Herkunft werblich genutzt werden kann, stand dabei im Mittelpunkt.
Dass regiowelt konkret etwas mit regionalen Produkten zu tun hat, lässt sich künftig neutral kontrollieren. Dazu startete im Herbst 2018 eine Kooperation zwischen regiowelt und der Orgainvent GmbH, dem Spezialisten für Etikettierung und Rückverfolgung bei Fleisch. Wie das zum Vorteil der Fleischer funktioniert, erklärte Andreas Schmadel von Orgainvent: Zunächst werden die Mitgliedsbetriebe dabei beraten, die gesetzlichen Pflichten zur Herkunftskennzeichnung von Fleisch so zu erfüllen, dass eine Herkunftsangabe optimal für werbliche Zwecke genutzt werden kann. Wesentlich sind die freiwilligen Angaben auf dem Thekenpreisschild oder dem Etikett, für die der Gesetzgeber klare Regeln aufgestellt hat. Die angegebene regionale Herkunft muss zum Beispiel konkret sein. So ist die Angabe „aus dem Allgäu“ überprüfbar und somit korrekt – allgemeine Angaben wie „aus der Region“ oder „aus Süddeutschland“ erfüllen diese Anforderungen jedoch nicht.
Orgainvent sichert die obligatorischen und die freiwilligen Angaben der regiowelt-Fleischer in Beratungsgesprächen vor Ort ab. Dieser Beratungstermin ist Bestandteil des „Strategischen Betreuungssystems“ und somit für die Betriebe nicht mit Mehrkosten verbunden. Neben der Festlegung einer regionalen Herkunft sind auch besondere Formen der Tierhaltung oder Fütterung zertifizierungsfähig, wie etwa im Falle von Weidehaltung oder Mutterkuhhaltung bei Rindern oder Offenstall- oder Strohhaltung bei Schweinen.
Nach der gesetzeskonformen Kennzeichnung der konkreten regionalen Herkunft eines Produktes folgt die Kontrolle. Kontrolliert wird also, was vorher zusammen mit dem Unternehmen festgelegt wurde. Für die Kontrolle stehen mehrere zertifizierte Partnerunternehmen von Orgainvent zur Verfügung. Die Auswahl trifft der Fleischer.
Die bestandene Prüfung wird durch ein Zertifikat von Orgainvent dokumentiert, das die konkreten Herkunftsangaben auflistet und deren Richtigkeit bestätigt. Um mit den geprüften regionalen Herkunftsangaben einen optimalen Werbeeffekt zu erzielen, hat regiowelt ein neues Zeichen entwickelt: „Produkte von hier“ heißt es auf einem wertigem Emailleschild für den Eingangsbereich des Ladens.
Das neue Herkunftszeichen wird außerdem in die Regioblätter integriert, die die Kunden über Briefkästen oder als Zeitungsbeilagen regelmäßig erreichen.
Mathis Kurrat, Geschäftsführer von regiowelt, beschreibt den Vorteil der Kooperation mit Orgainvent wie folgt: „regiowelt ist nicht einfach ein Name, sondern ein Nutzen- und Qualitätsversprechen für den Konsumenten. Es bringt für die Metzger noch mehr Erfolg, wenn diese Versprechen für den einzelnen Betrieb definiert, kontrolliert und stark beworben werden“. Das Innovationstreffen wurde inhaltlich zudem von zwei weiteren praxisrelevanten Fachthemen bestimmt: Dr. Barbara Hildebrandt von amfora Health Care referierte über die Möglichkeit eines Hygienecontrollings in Produktion und Verkauf. Und ganz nah an der betriebswirtschaftlichen Praxis der Betriebe erläuterten regiowelt-Coach Frank Heiler und Verwaltungsratsmitglied Fritz Gempel, dass wegen ständig steigender Personalkosten eine neue Kalkulation erforderlich ist. Da die Personalkosten in der BWA oft den Wareneinsatz überholten, heiße etwa die neue Regel für die Kalkulation von Zukaufware: Wareneinsatz mal drei. Für die Wareneinsatzquote gaben die beiden Berater den Richtwert „30 Prozent vom Umsatz“ aus.
Als Ehrengast der zweitägigen Veranstaltung begrüßte Fritz Gempel den Ehrenkreishandwerksmeister Bert Emundts aus Leverkusen. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und mehrerer weiterer Auszeichnungen gratulierte den anwesenden Fleischerkollegen zum Erfolg ihrer starken Gemeinschaft.
Für den zweimal jährlich stattfindenden Verbandstag übernimmt regiowelt alle Kosten. Wilfried Kurrat, Gründer von regiowelt und CEO der Muttergesellschaft WILLII AG, hat in seinem Unternehmen das Solidarprinzip fest verankert: Zehn Prozent der erwirtschafteten Gewinne fließen zurück an das Fleischerhandwerk, werden zum Beispiel zur Finanzierung der SBS-Innovationstreffen oder von Förderveranstaltungen für Auszubildende verwendet.