In Dänemark hat der Klimaschutz oberste Priorität und deshalb ist dort die grüne Transformation auf den Weg gebracht worden. Auch der dänische Schweinesektor hat bereits die Weichen für Nachhaltigkeit in der Produktion gestellt und entsprechende Maßnahmen erfolgreich umgesetzt.

Der dänische Schweinesektor hat bereits früh die Weichen für eine nachhaltige Produktion gestellt. Vor allem zwei Maßnahmen haben erheblich zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks der Branche beigetragen: effizienzsteigernde Zuchtprogramme und der Einsatz von Aminosäuren in Futtermitteln. Durch eine erfolgreiche Zuchtarbeit ließ sich unter anderem die Futterverwertung der Schweine erheblich verbessern.
Dänische Mastschweine brauchen im Vergleich zu den Tieren vor 20 Jahren heute rund 17 kg weniger Futtermittel, um das gleiche Wachstum zu erzielen. Dadurch sanken die Ammoniak-Emissionen um 15 bis 20 Prozent. Der Zusatz von Aminosäuren verringert ebenfalls die Ammoniak-Emissionen und verbessert die Eiweißaufnahme der Schweine und damit letztlich auch das Wachstum. Durch den Einsatz des Enzyms Phytase ließen sich darüber hinaus die Phosphor-Emissionen der Tiere in den vergangenen drei Jahrzehnten halbieren.
Insgesamt hat der Schweinesektor laut dem Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft im Zeitraum 1985 bis 2023 die Emissionen von Stickstoff um 58 Prozent, die von Ammoniak um 77 Prozent und die von Phosphor um 67 Prozent reduzieren können. Mit Blick auf den Klimaschutz steht in Dänemark aber auch die Reduktion von Treibhausgasen weit oben auf der Agenda. Das Klimaschutzgesetz des Landes sieht vor, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern. Auch hier hat der dänische Schweinesektor schon viel erreicht. Mit Blick auf den Zeitraum 1990 bis 2016 konnte man den CO2-Fußabdruck der Tiere um 44 Prozent reduzieren.
Die grüne Transformation ist auf dem Weg
Damit aber nicht genug. Die im vergangenen Sommer in Dänemark beschlossene sogenannte „Dreiervereinbarung zur grünen Transformation“ setzt bei der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen weitere wichtige Impulse. Auf den Weg gebracht haben die Vereinbarung Vertreter der dänischen Regierung sowie Repräsentanten der Agrar- und Ernährungswirtschaft, darunter der Dänische Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft sowie Naturschutz- und Wirtschafts-Organisationen. Die Dreiervereinbarung zielt darauf ab, den Klimafußabdruck zu verringern, die Umwelt zu verbessern und mehr Raum für die Natur zu schaffen. In Sachen Umwelt geht es unter anderem um optimierte Strategien für das Wassermanagement, weitreichende Auflagen in den Bereichen Aufforstung, Biodiversität und natürliche Lebensräume. Außerdem befasst man sich mit der Stickstoff-Auswaschung aus Böden.
Die „Dreiervereinbarung zur grünen Transformation“ sieht unter anderem vor, dass in Dänemark bis zum Jahr 2045 rund 250.000 ha Waldflächen neu entstehen und bis 2030 etwa 140.000 ha Feuchtgebiete renaturiert werden. Außerdem sollen im Land mehr Naturschutzgebiete eingerichtet und insgesamt die Biodiversität gesteigert werden. Ein Ziel ist, dass künftig in Dänemark rund 20 Prozent der Fläche Naturschutzgebiete sind. Im kommenden Jahr wird die dänische Regierung ihre Renaturierungspläne vorstellen. Um die anvisierten Ziele der „Dreiervereinbarung zur grünen Transformation“ zu erreichen, ist dieses Frühjahr auch ein Forschungsprojekt namens TRANSFORM an den Start gegangen. Das soll Landwirte und lokale Akteure bei ihrem Engagement für den grünen Wandel unterstützen. Das Projekt wird von einem breiten Team aus Forschern und Beratern in den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft, Biodiversität und Landnutzung der Universitäten Kopenhagen und Aarhus sowie SEGES Innovation geleitet.
Finanzierung mit Klimasteuer
Ein wichtiger Baustein der „Dreiervereinbarung zur grünen Transformation“ ist eine Klimasteuer für die Landwirtschaft und damit auch für die dänischen Schweinehalter. Die soll ab dem Jahr 2030 umgerechnet 40 Euro je Tonne CO2-Emissionen betragen. Ab 2035 werden dann umgerechnet 100 Euro je Tonne CO2 fällig. Allerdings bleiben zunächst 60 Prozent der Emissionen steuerfrei und zwar ausgehend von einem festgelegten Emissionswert je Tier, der für alle landwirtschaftlichen Betriebe gleich ist. Für besonders klimaeffiziente Betriebe ist es also möglich, die Steuer komplett zu vermeiden, indem die Emissionen auf unter 60 Prozent des Ausgangswertes reduziert werden. Besteuert werden in Zukunft Emissionen aus Ställen und Gülle- beziehungsweise Mistlagerung.
Gülle zur Energieerzeugung nutzen
Stichwort Gülle. Die dänischen Schweinehalter wissen übrigens schon länger, was zu tun ist, um die Treibhausgas-Emissionen in ihren Betrieben zu verringern. Das größte Potenzial sehen die Landwirte und Fachleute der Branche in der Güllelagerung und -verwertung. Durch ein möglichst zügiges Herausbringen der Gülle aus den Ställen, in denen durch die Wärme mehr Methan freigesetzt wird, und eine zeitnahe Verwertung der Gülle in Biogasanlagen ließen sich nach Experten-Einschätzungen die Treibhausgas-Emissionen der Schweineproduktion deutlich reduzieren. Die dänischen Schweineerzeuger haben sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 rund 60 Prozent der anfallenden Gülle in Biogasanlagen für die Erzeugung von Energie zu nutzen.
Im Königreich setzen übrigens immer mehr Landwirte auf die Produktion von regenerativen Energien. Laut der Regierungsorganisation Statistics Denmark hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die erneuerbare Energie produzieren und verkaufen, in den vergangenen Jahren von 1.200 auf mehr als 2.300 fast verdoppelt. „Diese Zahlen machen deutlich, wie sehr sich unsere Landwirte für die grüne Transformation einsetzen, indem sie gute klassische Landwirtschaft mit der Erzeugung von erneuerbarer Energie kombinieren“, so Flemming Nør-Pedersen, stellvertretender CEO im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft. Ein weiteres Thema, das im dänischen Schweinesektor in den Fokus rückt, ist die Verringerung des CO2-Fußabdruckes in der Futtermittelherstellung. Dabei geht es unter anderem um den Einsatz von alternativen Eiweißkomponenten.