Mit mehr Effizienz produzieren

Steigende Rohstoffkosten, Personalmangel, ineffiziente Arbeitsabläufe, eine unflexible Produktionslogistik und der wachsende Druck, Nachhaltigkeit in allen Produktionsphasen zu gewährleisten – die Unternehmen in der Lebensmittelproduktion stehen vor zahlreichen Herausforderungen.

  • Bild 1 von 4
    © SLA
    Aus dem Hochregallager auf den Lkw. Ein rundum digitalisiertes WMS ist das Fundament der Digitalisierung bei Tönnies in Badbergen. SLA
  • Bild 2 von 4
    © SLA
    Nachhaltigkeit und Hygiene: Die Verpackungsroboter im modernsten Rinderkompetenzzentrum Europas werden digital gesteuert. SLA
  • Bild 3 von 4
    © SLA
    Mit nur einem Blick aufs Tablet haben Tönnies-Mitarbeiter alle Daten im Blick, in der Produktion ebenso wie an jedem anderen vernetzten Ort. SLA
  • Bild 4 von 4
    © SLA
    Täglich werden bis zu 400 Tonnen Fleisch zerlegt und rund 40 Paletten pro Stunde autonom palettiert. Auf Screens im Versandbereich können stets alle Informationen abgerufen werden. SLA

Auch Tönnies, einer der größten Schlacht- und Zerlegebetriebe, stand im Zuge der Modernisierung seines Rinderkompetenzzentrums in Badbergen vor einigen Hürden, deren Lösung innovative Ansätze erforderten. Eine der größten bestand darin, dass alle Teilbereiche mit den Anlagen verschiedener Hersteller betrieben werden sollten. Um diese in eine einheitliche IT-Infrastruktur zu integrieren, war eine intelligente Digitallösung erforderlich.

An dieser Stelle bot sich die vollintegrierte IT-Lösung der Software Logistik Artland GmbH (SLA) an. Von den ersten Überlegungen über die Entwicklung bis hin zur Installation stand SLA dem innovativen Unternehmen partnerschaftlich zur Seite. Gemeinsam ist es gelungen, ein exakt auf den Bedarf abgestimmtes System zu entwickeln, das nicht nur alle Anforderungen erfüllt, sondern die Effektivität der Anlagen deutlich erhöht und zur Qualitätssicherung beiträgt. Mit der Investition in die digitale Zukunft konnte Tönnies seine Produktion und Logistik effizient aufstellen, bestehende Prozesse optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit ausbauen. Darüber hinaus unterstützt die digitale Technologie entlang der gesamten Prozesskette auch bei verantwortungsvoller Produktion und der Vermeidung von Food Waste.

Insellösungen vernetzen

in dem Rinderschlacht- und Zerlegebetrieb gab es Anlagen und Systeme verschiedener Hersteller, die miteinander vernetzt werden mussten. Diese Insellösungen bestanden aus einem ERP-System, der Zerlegung und Verpackung, einem autonomen Hochregallager für Kisten und Kartons, der Fördertechnik, De-/Palettierern, Palettenwicklern, Etikettendruckern, einem autonomen Hochregallager für Paletten sowie der Lagerverwaltung innerhalb des Palettenlagers.

Die technische Herausforderung bestand darin, die verschiedenen Komponenten intelligent zu vernetzen und eine Kommunikationsbasis zu schaffen, auf deren Grundlage möglichst effizient und automatisiert eingelagert und kommissioniert werden konnte. Gleichzeitig sollte eine einfache und benutzerfreundliche Steuerung implementiert werden. Gelungen ist dies mittels des intelligenten SLA Ware­house-Management-Systems und dem SLA Connector, die nun sämtliche Anlagen mit dem bestehenden ERP-System von Tönnies vernetzen.

Vorteile des Warehouse-Management-Systems

Die in einer Vielzahl anfallenden Daten erfordern eine entsprechende Performance der Software. Die wichtigste Maßnahme war daher die Implementierung eines SLA Warehouse-Management-Systems (WMS), das den gesamten Warenfluss innerhalb des Kisten- und Palettenlagers verwaltet. Zusätzlich wurde ein SLA Connector im Netzwerk positioniert, um verschiedenste Automatisierungstechniken und Peripheriegeräte miteinander zu verbinden. Dabei bietet die Kombination aus innovativem WMS und SLA Connector folgende Vorteile und Funktionen:

  • Vollständige und herstellerunabhängige Verknüpfung des WMS mit dem ERP-System;
  • Echtzeit-Kommunikation über den SLA Connector mit allen Fördersystemen, SPS, Produktionsmaschinen, Robotern und der industriellen Peripherie;
  • KPI-Dashboard zur digitalen Anzeige der aktuellen Lagerauslastung, der Lagerkapazitäten und des aktuellen Status der Regalbediengeräte;
  • Überwachung von Anlagen und Prozessen in Echtzeit, um kritische Situationen schnell zu erkennen;
  • Effiziente Verwaltung aller Warenbewegungen und aktueller Bestände – vollständige Transparenz und Rückverfolgbarkeit von der Einlagerung bis zur Auslagerung;
  • Automatische Verwaltung und verbesserte Planung des Inventars inklusive Beachtung der Mindesthaltbarkeitsdaten, Kundenreservierungen und anderer Kriterien;
  • Erhöhung der Lieferflexibilität und Lieferqualität;
  • Flexible und modulare Webtechnologie mit einer intuitiven Benutzeroberfläche;
  • Flexible Konfiguration basierend auf individuellen Anforderungen von Tönnies;
  • Abbildung aller prozessrelevanten Anlagenteile und Produktionsmaschinen bis hin zum Hochregallager einschließlich der Sensorik und Aktorik in einem Simulationsmodell.

Der Automatisierungsgrad wurde über die gesamte Prozesskette bis hin zur Palettierung und Kommissionierung deutlich erhöht. Darüber hinaus wurden verschiedene Prozesse, Schnittstellen, Peripheriegeräte, Maschinenapplikationen und Anlagensteuerungen in einer zentralen, webbasierten Softwareapplikation integriert. So haben Berechtigte von jedem beliebigen Ort auf der Welt jederzeit Zugriff auf das, was im Lager in Badbergen passiert – unabhängig davon, ob sie sich am Heimatstandort von Tönnies in Rheda-­Wiedenbrück oder im Homeoffice befinden. In Kombination mit einer einfachen Benutzersteuerung schafft dies Transparenz, vereinfacht hochkomplexe Prozessabläufe und erhöht die Produktivität.

Ergebnisse überzeugen

Das rundum digitalisierte Warehouse- Management-System schafft das Fundament für eine äußerst effiziente Lagerlogistik: Im Rinderkompetenzzentrum Badbergen werden bis zu 400 Tonnen Fleisch täglich zerlegt und rund 40 Paletten pro Stunde autonom palettiert sowie 24 Paletten pro Stunde depalettiert. Im Idealfall wird die Ware morgens zerlegt, zwischengelagert, palettiert, kommissioniert und noch am selben Tag für den Versand bereitgestellt.

Nach dem Zerlegeprozess verlaufen die weiteren Arbeitsschritte nahezu komplett automatisiert, denn das WMS verwaltet den gesamten Warenfluss von der Einlagerung über die Palettierung bis hin zur Kommissionierung. Jede Kiste und Palette wird automatisch entlang des Kisten- und Palettenlagers über die Förderstrecke vom WMS verzielt – unter Berücksichtigung individueller Ein- und Auslagerungsstrategien.

Auch die Palettierung und De-Palettierung sowie der Etikettendruck erfolgen auf Basis des hinterlegten Auftrags. Die digitale Darstellung der Produktionsbereiche, Lager und Förderstrecken visualisiert den Warenfluss, so dass jederzeit transparent ist, wo sich welche Waren entsprechend eines Auftrages befinden. Dank des zentralen Systems haben Mitarbeiter jederzeit Überblick über die aktuellen Lagerbestände, wodurch das Risiko eines möglichen Warenmangels oder Überschusses minimiert wird. Im Ergebnis können im Kisten- und im Palettenlager alle kundenspezifischen Kommissionierungsprozesse komplett autonom verarbeitet werden.

Noch mehr Effizienz geplant

Um die Produktivität der Anlagen zu sichern und mögliche Fehlerursachen früh zu erkennen, überwacht die SLA OEE zukünftig zudem sämtliche Maschinen und Anlagen, Stillstände und Kapazitäten. Im laufenden Betrieb werden so wertvolle Daten über Verfügbarkeit, Leistung und Qualität im Rahmen der Gesamtanlageneffektivität gesammelt. Mit dieser digitalen Lösung ist es möglich, frühzeitig Fehler und Störungen zu erkennen und diese schnellstmöglich zu beheben. Leistungsfähigkeit und Optimierungspotenziale können in Echtzeit abgelesen werden. Gleichzeitig ist beispielsweise jederzeit nachvollziehbar, ob ein Stillstand nötig war oder sich durch den Einsatz von Predictive Maintenance unnötige Wartungszustände und Stillzeiten vermeiden ließen.

Durch die Implementierung eines WMS konnten Prozesse bei Tönnies automatisiert und optimiert werden. Intelligent vernetzte Anlagen, autonom verwaltete Warenflüsse sowie eine digitale Erkennung von Fehlern und Störungen sind nur einige Aspekte, mit denen Prozesse erfolgreich optimiert werden.

Angesichts des Erfolgs der Kooperation zwischen Tönnies und SLA, wird künftig gemeinsam an einer innovativen Digitalstrategie gearbeitet, die an allen Tönnies-Standorten ausgerollt werden soll. Für den Standort Badbergen sind bereits weitere Projekte in Planung, die die Automatisierung weiter erhöhen.

Der Autor

Jörg Brezl. Software Logistik Artland GmbH (SLA) - © Software Logistik Artland GmbH (SLA)

Jörg Brezl, geschäftsführender Gesellschafter der Software Logistik Artland GmbH (SLA) in Quakenbrück, ist gelernter Fleischer, Industriekaufmann und studierter Betriebswirt. Er schaut auf über 39 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelindustrie zurück.

Gemeinsam mit seinem Team aus IT-Experten entwickelt er Lösungen zur Prozess­optimierung und begleitet produzierende Unternehmen auf dem Weg in die digitale Zukunft.