„Ein Leben ohne Fleisch ist zwar möglich, aber sinnlos“, prangt als Werbespruch über dem mobilen Verkaufswagen der Schlachterei Moorweghof. Der Familienbetrieb um Seniorchef Carsten Dreßler macht einiges ein Stück weit anders als die Konkurrenz. Der Erfolg und der Zuspruch der Kunden geben ihm Recht.
Schon mehrere Jahre bin ich mit der Qualität des Fleisches sehr zufrieden. Egal ob man das Fleisch einfriert oder gleich frisch weiterverarbeitet, es geht nicht besser“, erzählt ein zufriedener Stammkunde ohne Aufforderung. Im ländlichen Königsmoor, etwa 15 Autominuten von Tostedt entfernt, Landkreis Harburg, liegt der Betrieb der Familie Dreßler. Die Schlange der Kunden ist an diesem Verkaufstag besonders lang, nicht nur weil der Sicherheitsabstand von 1,50 m zum Vordermann eingehalten wird.
„Wir haben unser Ohr immer am Markt, hören also genau zu, was der Kunde wünscht“, beschreibt Carsten Dreßler sein Erfolgsrezept. Herausgehört hat er zum Beispiel, dass regionale Produkte, gute Qualität und Preise, die nicht wesentlich über der – eher üblichen – Massenware im Lebensmitteleinzelhandel liegen, dem Kunden gefallen.
„Etwa 1.000 Schweine sind derzeit im Stall, von den rund 400 Rindern seit April bereits 80 Prozent draußen auf der Weide“, sagt Dreßler. Der Fleischhandelskaufmann ist viel herumgekommen, vom Wiener Fachbetrieb bis zum Großbetrieb in Nordrhein-Westfalen. Letzteres habe ihm damals klargemacht, wie er als Inhaber eines kleineren Betriebs es nicht machen will.
Manche Stammkunden kommen schon frühmorgens um 6 Uhr, wenn der stattliche Verkaufswagen gerade mal auf die Auffahrt des Wochenmarktes zusteuert. „Das sind unsere Treuesten“, schmunzelt das Team der Verkäuferinnen. So manche von ihnen wollen aber wohl auch wegen Covid-19 größere Menschenansammlungen meiden und kommen extra zeitig. Das Virus sorgt nicht zuletzt dafür, „dass sich manche in diesen Zeiten, wenn schon der Urlaub eher kleiner ausfalle oder ganz ausbleibe, ein Stück gutes Fleisch mehr gönnen, freut sich Dreßler über den Zuspruch.
Denn ganz klar sei in diesen Zeiten das Eventgeschäft eingebrochen. Die gute Nachricht: Ein Großteil konnte Carsten Dreßler bisher durch die Wochenmärkte und den stationären Verkauf kompensieren, da die Kunden jetzt mehr zuhause kochen und somit mehr einkaufen.
„Der Grillburger-Pettie mit oder ohne Speckstreifen gehört mittlerweile zu den beliebtesten Produkten in der Grillsaison“, verrät Dreßler. Zur speziellen Rezeptur will er nichts weiter sagen. Auch die grobe Bratwurst mit Chili, schon äußerlich aufgrund der leichten Rotfärbung erkennbar, ist ein beliebter Appetithappen für alle, die es schärfer mögen. Das separate Hackfleischabteil mit Wolf in der Kühlung sei wichtig, mache etwa 30 Prozent des Gesamtverkaufsumsatzes aus. Weitere Klassiker im Sortiment sind Roh-, Koch- und Brühwurst sowie Kochschinken. Auch Lammfleisch wird im Hause Dreßler von A bis Z, von Aufzucht bis zum Zerlegen, im Eigenbetrieb von der Weide bis zum fertigen Produkt angeboten.
Qualität beginnt bei der Haltung
„Bei uns herrscht Arbeitsteilung“, erklärt Dreßlers Sohn Florian das Geschäftsprinzip. Der ist als ausgebildeter Landwirt unter anderem für gesundes Getreide und Kraftfutter auf der eigenen circa 250 ha großen Anbaufläche zuständig, kümmert sich auf weiteren 250 ha um die Aufzucht von Rindern, Schweinen und Lämmern sowie um ein möglichst glückliches Tierleben bis zum Weg in den angrenzenden Produktions- und Schlachtbetrieb, wo Schlachtermeister Carsten Dreßler das Sagen hat.
Mit im Team sind auch die Frauen der beiden. Im gesamten Moorweghof-Betrieb arbeiten rund 27 Kolleginnen und Kollegen, zumeist in Vollzeit. Auch Großmutter Alma Dreßler ist als gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin immer noch aktiv dabei. „Jeder weiß, was er zu tun hat, jeder und jede ist mit Freude und Herzblut bei der Sache“, so die Dreßlers – und sind dabei überzeugt, dass man soviel Leidenschaft für das Tierwohl am Ende des Tages auch herausschmeckt.
Jeden zweiten Tag wird frisch geschlachtet, gearbeitet wird sieben Tage die Woche und nahezu rund um die Uhr. „Drei bis vier Rinder werden pro Woche geschlachtet, dazu kommen 30 bis 40 Schweine“, sagt Carsten Dreßler. Die technische Ausstattung mit Kutter, Wolf, Füller, Reifeanlagen, Schneidemaschinen und Kochkessel ist auf aktuellem Stand.
Personalprobleme gibt es bei Dreßlers nicht, „wenn vernünftig bezahlt wird, ist das die halbe Miete“, beschreibt Carsten Dreßler einen Teil seiner Firmenphilosophie. Ein weiterer Erfolgsfaktor sei, kreativ zu werden, nicht nur bei der Warenpräsentation sondern auch – abgestimmt auf die Saison – mit passenden Produkten.
Mobil gut unterwegs
Entsprechend gut ausgestattet sind die beiden Verkaufswagen, made by Esselmann. Der Anbieter mit norddeutscher Niederlassung im niedersächsischen Lengenbostel weiß, was Dreßlers brauchen. „Praxisgerechter Aufbau, 7,5 t mit Zugkraft, um auch im Winter gut motorisiert voranzukommen, und vor allem schneller Service und ein offenes Ohr für Sonderwünsche.“
Man lerne bei der Investition in die Wagen „als rollende Visitenkarte“ immer noch dazu, gibt Dreßler ein praktisches Beispiel: Die Kühlfächer im Wagen seien auf handelsübliche Kistenformate ausgelegt, so müsse man nicht umsortieren und nicht alles doppelt anfassen, das ist praktischer und hygienischer.
„Mut zur Lücke“ und gute Geschäftspartner nennt Dreßler als wichtige Teile seines Geschäftsmodells, das das Unternehmen zur „Marke“ mit unverwechselbarem Angebot gemacht hat. Der Mobilverkauf sei vergleichbar mit einem Hausbau, der Preis für 6,50 m Tresenverkaufslänge im Individualbau mit dem eines mittleren Einfamilienhauses vergleichbar. Seine beiden Verkaufswagen sind Baujahr 2018 beziehungsweise 2013. „Etwa alle acht Jahre wird ein neuer gekauft, also 2021 wieder“, so Dreßler.
Die Konstellation als Kompletterzeuger, angefangen beim Futteranbau bis zur fertigen Frischware ist so gefragt, dass die Dresslers von etlichen Marktbeschickern heftig umworben werden. Während normalerweise für freie Standplätze auf beliebten Hamburger Wochenmärkten Ablösesummen von bis zu 100.000 Euro gezahlt werden müssen, könnten die Fleischer aus Königsmoor „ohne Abstandszahlung“ loslegen, was die Besonderheit ihres Angebotes unterstreicht.
Tierwohl als Qualitätsfaktor
„Genetik, Wasser, Luft, Futter und Haltungsform bestimmen eine gute Fleischqualität“, erklärt Florian Dreßler. Auf dem Moorweghof sind die Voraussetzungen dafür in optimaler Weise vorhanden. „Bei uns sind alle Tiere freilaufend auf Stroh oder auf unseren Weiden, lästige Transportwege und damit Stress für die Tiere zur Hofschlachterei entfallen. Ein Angebot, das nur wenige bieten können, einschließlich Pluspunkten bei der eigenen Ökobilanz.“
Sinnvolle Investitionen
Erst 2013 wurde in das Ladengeschäft im rund 20 km entfernten Heidenau investiert, der Ladenbauer Schrutka- Peukert hat das Konzept umgesetzt. Auch hier gibt es im Gegensatz zu vielen älteren oder auch modernisierten Fleischerläden im Umkreis Besonderheiten. „Geld ist wohl das Schmutzigste beim Einzelhandel, weil es durch viele Hände geht“, zeigt Dressler auf einen roten Automaten, der am Ausgang des Ladens positioniert ist. Das etwa 25.000 Euro teure Gerät sorge dafür, dass der Bezahlvorgang kontaktlos erfolge, erklärt der Chef. Ausgetauscht wird lediglich der Barcode auf dem Beleg der eingekauften Ware. Dieser Bon werde per Chiffriercode eingescannt. Bezahlt wird ausschließlich am Automaten, entweder per Girokarte oder auch mit Geldscheinen oder Münzen.
Neben der Schlachterei und der Viehzucht gehört als weiteres größeres Investment in die Zukunft die hauseigene Photovoltaikanlage mit 480 kWh, installiert auf den Stalldächern, sowie eine Biogasanlage (Investitionsvolumen: etwa 700.000 Euro), die sich in zehn Jahren amortisiert haben wird und die ausschließlich mit Mist betrieben wird. „Der Mist wird in der Anlage vergoren, das so freigesetzte Methan treibt den Motor an. Die daraus entstehende Wärme wird zu 100 Prozent für den betrieblichen und privaten Energiebedarf genutzt“, erläutert Florian Dreßler das Prinzip. Das Endprodukt aus der Biogasanlage diene wiederum als guter Dünger für die Landwirtschaft.