Kunststoffpaneele in Fleischereien

Kunststoffpaneele werden als abwaschbare Decken- oder Wandverkleidungen unter anderem bei der Sanierung von Fleischereien und Fleisch verarbeitenden Industrie-betrieben verwendet, um auch in einer vorhandenen Altbausubstanz den hygienischen und recht lichen Forde rungen an die Beschaffenheit der Oberfläche nachzu kommen. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob die Paneele sach- und fachgerecht eingebaut werden.

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    Paneele aus Kunststoff sind eine hygienische Lösung bei der Sanierung von Verkaufsräumen, eine sachgerechte Bauausführung vorausgesetzt.
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    Kunststoff ist ein Material, das den Hygieneanforderungen gemäß den gesetzlichen Vorschriften grundsätzlich voll gerecht wird.
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    Beim Einbau von Kunststoffpaneelen ist unter anderem auf eine ordnungsgemäße Wärmedämmung zu achten.

Kunststoffpaneele in Fleischereien

Die EG-Verordnung Nr. 852 aus dem Jahre 2004 – gültig seit 2006 – schreibt in Anhang II, Kapitel II, Nummer 1 vor, dass Wandflächen in einem einwandfreien Zustand zu halten sind und dass sie leicht zu reinigen, erforderlichenfalls zu desinfizieren, wasserundurchlässig, wasserabstoßend und abriebfest sein müssen. Darüber hinaus müssen sie aus unbedenklichem (ungiftigem) Material bestehen und entsprechend glatt sein.

All diese Eigenschaften besitzen die für den Lebensmittelbereich geeigneten Kunststoffpaneel-Elemente. Bei einer unsachgemäßen Bauausführung werden jedoch häufig Fehler begangen, die unter Hygieneaspekten nicht zu vertreten sind. Damit der Einbau von Kunststoffpaneelen auch tatsächlich eine saubere Sache ist, sind sämtliche Hygienerisiken von vorne herein auszuschließen.

Nischen vermeiden

Die Wandverkleidung muss generell frei von Sprüngen und Rissen sein, um den Mikroorganismen keine zusätzliche Möglichkeit zur Ansiedlung zu geben. Eine zusätzliche abgerundete Ausarbeitung von Ecken und Kanten auf Bodenhöhe ermöglicht auch in diesen Bereichen eine höhere Reinigungseffizienz, da ansonsten Schmutz und damit Mikroben wesentlich schlechter zu entfernen sind.

Auch beim nachträglichen Einbau von Kunststoffpaneel muss selbstverständlich die Kontinuität des Übergangs zwischen Wandfläche und Fußboden gewahrt bleiben. Es kann keinesfalls toleriert werden, dass sich hinter dem Paneel raumseitig schwer zugängliche „Nischen“ bilden, die sich einer leichten und gründlichen Reinigung und Desinfektion entziehen.

Vorsicht Tauwasser

Ein weiteres Problem bei unsachgemäßer Anbringung des Paneels ist die Tauwasserbildung auf den dahinterliegenden Wandoberflächen. Tauwasser entsteht im allgemeinen, wenn sich an einer „kalten“ Oberfläche das „überschüssige Wasser“, das von der Raumluft nicht mehr gebunden oder gehalten werden kann, niederschlägt. Je kälter eine Wandoberfläche und je höher die Luftfeuchtigkeit des Raumes ist, um so größer wird die anfallende Tauwassermenge. Besonders kritisch stellt sich in diesem Zusammenhang das nicht fachgerechte Aufbringen von Kunststoffpaneel auf die in Altbauten meist vorhandenen Wandfliesen von nicht oder mangelhaft gedämmten und vielleicht sogar feuchten Wänden dar. Auf den Wandoberflächen hinter dem Paneel anfallendes Tauwasser hat dann entweder die Möglichkeit abzufließen oder es wird durch die Bauteile entsprechend der Verteilungsverhältnisse der Luftfeuchtigkeit weitergeleitet. Fliesen und Keramikwandverkleidungen setzen dieser Weiterleitung einen höheren Widerstand als Normalbeton entgegen. Letzteres ist die Ursache dafür, dass bevorzugt im Bereich der sich gegebenenfalls unter den Paneelelementen befindenden ursprünglichen Wandfliesen Tauwasserbildung auftreten kann. Das sich auf diesen Fliesen niederschlagende Tauwasser bleibt auf deren Oberfläche entweder fixiert oder fließt bei zunehmender Ansammlung ab. Dieser hygienisch äußerst bedenkliche Tauwasserabfluss aus Bereichen, die einer leichten Reinigung und Desinfektion nicht zugänglich sind, erfolgt ungehindert in die Schlacht- und Verarbeitungsräume, wenn das eingebaute Paneel an der Unterseite unverschlossen oder ungenügend abgedichtet ist. Da die Temperatur der raumseitigen Bauteiloberfläche von der Wanddämmung und der Lufttemperatur abhängt, ist auch die Tauwasserbildung auf Bauteiloberflächen ausschließlich eine Frage ordnungsgemäßer Wärmedämmung. Deshalb muss stets gewährleistet werden, dass beim Einbau des Paneels der Einhaltung der Mindestanforderungen an den Wärmeschutz der Bauteile beziehungsweise an den klimabedingten Feuchteschutz gemäß DIN 4108 ausreichend Rechnung getragen wird. Tauwasserniederschlag ist allgemein eine Hauptursache von Wandfeuchteschäden und der Bildung von Schimmelpilznestern oder Schimmelpilzrasen. Im Falle einer längeren Durchfeuchtung besteht auch das Risiko einer massiven Entwicklung von Schimmelpilzen. Bei deren Übertritt in die Raumluft können unter Umständen Erkrankungen und Allergien ausgelöst oder befördert werden.

Problem Biofilme

Durch das Zusammentreffen dieser, auch für die Entwicklung von Bakterien nicht ungünstigen Umstände besteht ein hohes Risiko der Bildung sogenannter „Biofilme“ hinter dem nicht sachgerecht eingebauten Paneel. Biofilme, die in der Regel aus einer sehr vielschichtigen Keimflora zusammengesetzt sind, bilden sich durch Anheftung und Vermehrung von Mikroorganismen an Oberflächen. Diese Beläge enthalten nicht selten auch Krankheitserreger. Die Entwicklung solcher hygienisch äußerst problematischer Biofilme verläuft in mehreren Phasen, wobei in der ersten Phase die Anheftung der Mikroben an die Oberfläche stattfindet.

Staub und Schmutz, die in der Raumluft oder auf den zugänglichen Oberflächen vorhanden sind, müssen generell stets als mikrobiell belastet angesehen werden. Der Mikrobengehalt des Staubes kann zwischen 10.000 und 10.000.000 Keimen je Tausendstel Gramm betragen. Das wirksamste Mittel gegen die Anheftung der Bakterien und Schimmelpilze an die Oberflächen, stellt bekanntlich eine effektive und in regelmäßigen Abständen zu wiederholende Reinigung dar. Voraussetzung dafür ist jedoch die leichte Zugänglichkeit der entsprechenden Bereiche. Diese Voraussetzung ist jedoch für raumseitig unzugängliche Nischen hinter dem Paneel nicht gegeben.

Nach einer anfänglich leicht wieder lösbaren unspezifischen Anheftung an die Oberfläche heften sich die Mikroben im Rahmen der Biofilmbildung bei der weiteren Entwicklung, die insbesondere dann einsetzt, wenn Reinigungsintervalle nicht eingehalten werden oder die Reinigungsintensität nur mangelhaft ist, sehr intensiv unter Nutzung spezifischer Vernetzungsstrukturen oder Vernetzungssubstanzen an. Die Biofilme sind dann nur noch sehr schwierig zu entfernen und bieten den Mikroorganismen auch einen gewissen Schutz gegen Hitze und Chemikalien. In dieser Phase widerstehen Biofilme auch der Hochdruckreinigung, ihr Vorliegen lässt sich jedoch an zugänglichen Stellen mit der „Fingernagelprobe“ sehr gut nachweisen. Ihre Entfernung erfordert nun intensivste Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen. Dauer und Intensität der Entwicklung der Biofilme können im konkreten Einzelfall je nach vorliegendem Raumklima stark variieren.

Die Eigenschaften solcher Biofilme, sich auf verschiedenen Oberflächen zu entwickeln, Wasser zu binden, mikrobielle Stoffwechselprodukte zu erzeugen und Krankheitserreger zu beherbergen, verursachen neben dem Hygienerisiko auch das Risiko einer Schädigung der Bauhülle. Im Falle eines zusätzlich vorliegenden Tauwasserabflusses kommt es zu einer Abschwemmung und Weiterverbreitung der Keime im Schlacht- und Verarbeitungsmilieu und damit zu einer deutlichen Erhöhung des Hygienerisikos. Bei Beachtung der genannten Fehlerquellen sind diese Mängel unter Beachtung der konkreten Verhältnisse vor Ort jedoch vermeidbar.Dr. Ulrich Müller