EC-Karte oder Smartphone übers Terminal halten und die Rechnung ist beglichen. Der Einstieg von Apple und Google sorgt beim kontaktlosen Bezahlen auch in Deutschland für neuen Schwung. Fleischer können dank Mobile Payment mehr Kunden in kürzerer Zeit bedienen und das sperrige sowie teure Bargeldhandling entfällt.
An bargeldloses Zahlen stellt Martin Krammer hohe Ansprüche. „Solche Prozesse müssen möglichst einfach und schnell ablaufen“, sagt der Metzgermeister aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen. „Wenn die Kunden vor der Kasse Schlange stehen, sollen sie nicht länger warten, als unbedingt notwendig ist.“ Mit den neuen Terminals, welche die Sparkasse Pfaffenhofen in drei Filialen von Krammer aufgestellt hat, ist dies problemlos möglich. Weil diese Geräte mit Nearfield Communication (NFC) ausgerüstet sind, muss der Kunde seine Debitkarte nicht mehr in das Terminal stecken. Wenn er das Plastikprodukt über das Display hält, wird das Geld automatisch abgebucht. Bei Beträgen unter 25 Euro muss er nicht einmal seine PIN eingeben. Ein kurzer Pfiff signalisiert, dass das Geld auf dem Firmenkonto ist. Alternativ kann der Kunde auch mit dem Smartphone zahlen.
Wie die meisten Finanzinstitute bietet auch die Sparkasse Pfaffenhofen eine Bezahl-App zum Download an. Krammer begeistert sich für beide Lösungen. „Am Freitag und Samstag zahlen bis zu 30 Prozent der Kunden bargeldlos“, sagt der Unternehmer. „Die meisten nutzen hier die kontaktlosen Technologien.“
Smart shoppen per App
Solche Erfahrungen teilt Krammer mit vielen Einzelhändlern. Mit bargeldlosem Bezahlen tun sich die Deutschen offenbar doch nicht so schwer wie oft behauptet.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge nutzen 28 Prozent der Verbraucher so gut wie nie und 15 Prozent höchstens einmal in der Woche ihre Girocard oder Kreditkarte. Für das mobile Bezahlen per Smartphone können sich gerade mal drei Prozent begeistern. Allerdings haben bis zum Sommer 2018 Prepaid- und Wallet-Lösungen diesen Markt dominiert. Bei der ersten Variante lädt der Nutzer ein Guthaben auf eine Bezahl-App und stellt mit einem automatischen Nachladungstool sicher, dass immer genug Geld auf dieser vorhanden ist. Bei der zweiten Variante gibt er nach der Registrierung beim Kartenanbieter seine Bankdaten per Scan oder manuell in sein Gerät ein und speichert seine bevorzugten Bezahlmethoden ab.
Solche Prozesse machen neue Apps überflüssig. Der Nutzer muss lediglich die Lösung seiner Bank aufs Smartphone laden. Wenn er am PoS das Display seines kleinen Alleskönners aktiviert und diesen über ein Terminal mit NFC hält, wird das Geld nach Eingabe der PIN direkt von seinem Konto abgebucht und der Bezahlvorgang durch ein akustisches oder optisches Signal bestätigt. Im Kern ist ein solches Mobile Payment eine Variante der kontaktlosen Kartenzahlung. Auch Girocards und Kreditkarten der neuesten Generation sind mit einem NFC-Chip ausgerüstet. Wenn der Kunde diesen übers Terminal hält, wird ebenfalls der Bezahlvorgang ausgelöst. Auf dem Konto des Empfängers geht das Geld spätestens am nächsten Tag ein.
Google und Apple mischen mit
Jetzt haben Google und Apple den Mobile-Payment-Markt richtig in Schwung gebracht. Seit Juni 2018 beziehungsweise Dezember 2018 können Banken die Bezahlservices der Onlineriesen mit einer eigenen App nutzen. Allerdings machen bislang nur einige größere Banken (siehe Tabelle) und einige kleinere Finanzdienstleister bei Apple Pay oder Google Pay mit. Die meisten Banken wollen eigene Bezahllösungen anbieten. Vorreiter waren die Sparkassen, Anfang August 2018 zogen die Volks- und Raiffeisenbanken nach. Beim Start von Apple Pay im Dezember 2018 waren Deutsche Bank, HypoVereinsbank (HVB) und Santander dabei, weitere Bankpartner sollen folgen. Vor allem Apple hatte die Einführung von Apple Pay zuletzt stark forciert. Weil der Konzern Schnittstellen seines iOS-Betriebssystems nicht für Drittunternehmen freigeben will, konnten die bisher am Markt vorhandenen Mobile-Payment-Produkte ausschließlich mit Android-Geräten genutzt werden.
Bis 25 Euro ohne PIN bezahlen
Die Vorbehalte vieler Verbraucher gegen bargeldloses Zahlen sind der Finanzwirtschaft bekannt. Trotzdem zeigen sich viele Institute überzeugt, dass vor allem jüngere Verbraucher schnell Gefallen am Mobile Payment finden werden. „Wir folgen lediglich den Gewohnheiten vieler Kunden, die ihr Smartphone immer griffbereit haben“, erklärt Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Vor allem das einfache und bequeme Verfahren soll die Kunden überzeugen.
Für Kleinbeträge unter 25 Euro müssen sie keine PIN eingeben. Und wenn sie ihr Geld lediglich von einem einzigen Konto abbuchen lassen, müssen sie an der Kasse ausschließlich das Display ihres Smartphone und nicht die App aktivieren. An der Technologie sollte Mobile Payment also nicht scheitern. Die weitaus meisten Smartphones sind NFC-fähig. Gleiches gilt für die Terminals: Drei von vier Geräten können mit dieser Technologie arbeiten, die meisten übrigen sind nach einem Update einsatzbereit.
Gebühren halten sichim Rahmen
Je mehr Verbraucher auf Karten- und Smartphone-Zahlungen umsteigen, desto schneller rechnet sich das bargeldlose Zahlen auch für den Fleischer. Denn er muss Gebühren zahlen. Pro Transaktion werden Beträge im Promillebereich abgerechnet, hinzu kommen die Kosten für das Terminal. Während Erstere durch die Interchangeverordnung der EU von 2015 gedeckelt sind (siehe Kasten, Punkt 3, Seite 70), können letztere variieren. Bei den Verkaufs- und Mietpreisen für die Geräte haben die Finanzdienstleister freie Hand. Auch bei Zahlungsvorgängen zwischen Konten im eigenen Haus können sie Gebühren nach eigenem Ermessen festlegen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rät deshalb zu Verhandlungslösungen. „Eine interessante Option sind Flatrates“, sagt HDE-Experte Ulrich Binnebößel. Solche Lösungen bieten manche Institute ab 20 Euro im Monat an. Sie zahlen sich vor allem dann aus, wenn sie mit den Aufwendungen für Bargeld verrechnet werden. Für Abhebungen, Tauschvorgänge und Einzahlungen fallen erfahrungsgemäß weit höhere Kosten als für Kartenzahlungen an.
Metzgermeister Krammer rechnet nicht mit einer Pauschale, sondern pro Vorgang ab. Die Ausgaben variieren, liegen aber im – meist unteren – einstelligen Centbereich. Ausgaben, die sich schnell rechnen, denn sein Verkaufspersonal kann dank des kontaktlosen Bezahlens mehr Kunden in kürzerer Zeit bedienen.