Die Grillsaison läuft. Doch mit wem hat man es vor der Ladentheke zu tun? Wer seine Kunden mit ihren Vorlieben beim Grillen gut einschätzt, bietet das Richtige an und verkauft mehr. Der eine zieht eine breite Auswahl an Grilladen vor, der andere legt Wert auf edles Fleisch vom Feinsten.

Vom Besserwisser über den Nachbarn, der keine Glut kann, bis zum Möchtegern-Profi werden auch in diesem Sommer die verschiedensten Grilltypen am Rost stehen. Und jeder brutzelt anders – ganz klassisch mit Schweinesteaks und Würstchen oder eher besonders mit exklusiven Spezialitäten, mit höchstem Anspruch an den typischen Geschmack, mit mehr oder weniger Fleisch, mit Kohle, Gas oder Strom.
Der Macho-Angeber
Schaut man sich einmal in der Nachbarschaft oder auch in der Familie um, ist das wohl die meist vertretene Gattung an Grillherren. Dieser (meist) Mann am Rost ist ein Alleskönner, der alles besser weiß. Sein Ziel: Schnell viele Leute satt kriegen – er ist schließlich ein Ernährer. Mit seiner Schürze – oft mit dem Motiv eines nackten und durchtrainierten Oberkörpers – posiert er großspurig vor der Wärmequelle und klopft einen coolen Spruch nach dem anderen.
Fleisch kalt, Wurst verbrannt: Etwaigen Beschwerden über das Grillergebnis entgegnet er nur: „Das muss genau so sein!“ Halloumi, Zucchini oder ein Maiskolben finden hier nur selten den Weg auf den Grill. Und wenn sich dann doch einmal etwas Nicht-Fleischiges auf den Rost verirrt, stößt diese Grillgattung komplett an ihre Grenzen. Da hilft nur die altbekannte Lösung des Bieraufgusses für die männliche Note: „Glaub mir, das gibt den entscheidenden Geschmack.“
Verkaufstipp: Dieser Grilltyp mag keine unaufgeforderten Tipps. Verkäufer sollten hier neuartige Fleischprodukte empfehlen. Auch exotische Marinaden oder besondere Steak-Cuts sind hier gerne gesehen.
Der Spaßgriller
Ein gemeinsamer Abend am Feuer mit guten Freunden in einer lauen Sommernacht: Bei diesem Grilltypen wird gebrutzelt, weil es Spaß macht zusammenzusitzen und zu quatschen. Was dabei gegrillt wird, steht nicht im Vordergrund – Hauptsache genug Bier ist kaltgestellt! Unkompliziert soll es sein, den Garpunkt eines teuren Steaks zu bestimmen, ist nicht sein Ding. So kann der Grillmeister mehr Zeit mit den Gästen verbringen, als sich permanent am Feuer abzuschwitzen. Lieber verputzt er selbst die eine oder andere Portion, im Gegensatz zu seinen viel zu verbissenen Grillkollegen, die nur Fleischberge aufhäufen. Der Spaßgriller ist auch damit zufrieden, wenn er ein zerbrochenes Würstchen zwischen die Zähne schieben kann, bevor er den nächsten Witz in die Runde wirft. Seine Körperhaltung ist entspannt, der Look lässig und die Miene heiter.
Verkaufstipp: Hier sind Klassiker gefragt. Bratwürstchen und Nackensteaks – Hauptsache unkompliziert und nicht zu teuer. Beim Spaßgriller ist die vegetarische Alternative nicht gern gesehen, da sie meist länger gart und viel Aufmerksamkeit benötigt.
Der Gourmetgriller
Bei dieser Grillgattung kommt nur das Beste auf den Grill. Ob Kobe, Curry oder Spargel: Eine normale Bockwurst wird man hier nicht finden. Ob Fleisch, Fisch, Gemüse oder Teigwaren – der Gourmetgriller experimentiert gern und liebt die Herausforderung. Durch die aufwendigen Gerichte brutzelt er auf seinem Markengerät nur für den kleinen Kreis und zelebriert mehrere Gänge. Der Grillabend soll ein einzigartiges Geschmackserlebnis werden – und natürlich des Meisters neustes Grillequipment präsentieren: Pizzastein, motorisierter Drehspieß und Fleischthermometer.
Zum Einsatz kommt für diesen Typen natürlich der Gasgrill. Denn der Gourmet lässt sich nicht auf das Wagnis ein, ob die Kohle zum richtigen Zeitpunkt die richtige Temperatur erreicht – nicht, dass das hochwertige Fleisch oder die Okraschoten ein wenig zu viel Farbe abbekommen.
Verkaufstipp: Sie führen Wagyu, Weidelamm oder Dry Aged? Hier werden Sie es los! Der Gourmetgriller liebt Hochwertiges und gibt auch gerne Geld dafür aus. Auch Zweit- und Mehrverkäufe können hier fruchten, denn Neuheiten auszuprobieren, gehört bei dieser Kundengattung zur großen Leidenschaft. Wenn Sie den Einkauf mit einer handgemachten Gewürzmischung toppen, kommt dieser Kunde garantiert wieder.
Der Naturabenteurer
Für den Naturgriller steht das Essen im Grünen im Vordergrund. Beim Anblick eines Badesees oder einer Waldlichtung hat er nur noch ein Ziel: Hier möchte er sein Feuerchen machen und grillen. Ihm geht es dabei nicht um das exklusive Geschmackserlebnis oder um eine perfekte Ausstattung, sondern um eine ursprüngliche Art, satt zu werden – auf den Spuren unserer Vorfahren, den Steinzeitmenschen.
Am erdigen Stock eine Bratwurst zu brutzeln, ist für diesen Grilltypen das reinste Paradies. Falls das Fleisch auf dem improvisierten Rost nicht durchbrät, wird es gerne auch blutig verspeist. Der Outdoor-Fan hätte keine Probleme, ein Tier zu jagen, auszunehmen und es zuzubereiten. Die etwas exklusivere Gattung dieses Typs liebt den klassischen Holzgrill. Denn zum geselligen Grillen im Garten oder Park gehören Hitze, Glut und der rauchige Geschmack der Holzkohle.
Verkaufstipp: Das Highlight eines Grillevents mit dem Naturburschen ist das Feuermachen, also bieten sich als Zusatzartikel Holzkohle und Feuerzeug an. Beim Grillgut ist der Naturbursche rustikal: Ein blankes Entrecôte ohne Würzung, eine grobe Bratwurst reichen ihm völlig.
Der Elektrogriller
Meist sind die empfindlichen Nachbarn die Ausrede. Aber eigentlich liebt der Elektrogriller die unkomplizierte Art der Nahrungszubereitung. Kein Anfeuern, keine Wartezeit, das Grillgut kann rasch aufgelegt werden. Als Weichei unter den Grillmeistern steht er auf Sicherheit und muss daher oft Spott über sich ergehen lassen. Grillausflüge in den Park sind mit dem Elektrogrill nicht drin, das würde er ja auch gar nicht wollen. Dort lauern doch nur Bakterien und Keime. Er ist der typische Großstadt-Balkon-Griller, wofür der Elektrogrill schließlich auch perfekt geeignet ist: möglichst wenig Kontakt zur Außenwelt, schnell, unkompliziert und ohne Qualm. Was auf den Rost kommt, ist ihm egal, so richtig brutzeln tut es ohnehin nicht.
Verkaufstipp: Dieser Grilltyp braucht Fleisch, das ohne hohe Temperaturen auskommt. Ideal sind hier Hähnchenfilets oder Pollo Fino, Würste, dünne Burger-Pattys oder schön gewürzte Käse-Variationen. Auch für Marinaden und Gewürzmischungen ist der Elektrogriller zu haben.