Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind die Kosten für Energie und Nahrungsmittel deutlich gestiegen. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Diese Entwicklung verstärkt auch in Deutschland die armutsbedingte Mangelernährung und eine damit verbundene soziale Ungleichheit. Für viele Lebensmittel müssen Verbraucherinnen und Verbraucher nun tiefer in die Tasche greifen.

Doch auch bereits vor den aktuellen Preissteigerungen fehlten in Deutschland Millionen Menschen die finanziellen Mittel oder die Fähigkeiten, täglich ausreichend und gesunde Lebensmittel auf den Tisch zu bringen. So lautet die Einschätzung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), das eine Policy-Brief-Reihe zum Thema Ernährungsarmut veröffentlicht hat. Wahrscheinlich sind mindestens fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. Allerdings sind genaue Zahlen schwer zu ermitteln, da systematische und regelmäßig durchgeführte Studien fehlen.
Geringverdienende und Bürger und Bürgerinnen, die Sozialdienstleistungen empfangen, haben ein besonders hohes Risiko für Ernährungsarmut, die langfristig durch Nährstoffdefizite zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und sozialer Isolation führen kann. Gefährdete Personengruppen sind unter anderem Alleinerziehende, in Armut aufwachsende Kinder und Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Rentner und Rentnerinnen.
Nach einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) des Bundesernährungsministeriums ist das Niveau der Grundsicherungsleistungen in Deutschland zu niedrig, um eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu ermöglichen. So liegt der Hartz-IV-Satz für Lebensmittel bei etwa 5,20 Euro pro Tag. Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse sind unter Umständen teurer als energiedichte Produkte mit einem hohen Zucker- und Stärkeanteil wie Nudeln und Fertigpizza.
Eine aktuelle Umfrage aus den USA zeigt, dass ältere Menschen mit gesundheitlichen Problemen besonders unter den gestiegenen Lebensmittelkosten leiden. Mehr als ein Drittel der 50- bis 80-Jährigen ist nach eigenen Angaben stark beeinträchtigt. Rund 36 Prozent der 50- bis 64-Jährigen geben an, dass sie sich aufgrund der aktuellen Situation weniger gesund ernähren – im Vergleich zu 24 Prozent bei den 65- bis 80-Jährigen. Betroffen sind laut Studie vor allem Ältere mit geringem Einkommen und Bildungsstatus, aber auch Menschen mit einem mittelmäßigen bis schlechten Gesundheitszustand. Die repräsentative Befragung von mehr als 2.000 US-Bürgern wurde Ende Juli 2022 durchgeführt und von der University of Michigan in Auftrag gegeben.
Bei steigenden Preisen kommt es noch mehr als sonst darauf an, gut zu planen: die Gerichte in den nächsten Tagen, den Einkauf von fehlenden Zutaten in den passenden Mengen, um Verderb und Abfälle zu vermeiden.
Heike Kreutz, www.bzfe.de