
Ist für Arbeiten am lauten Kutter Gehörschutz vorhanden? Funktioniert die Rollbahn zum hängenden Transport schwerer Rinderviertel vom Kühlraum in die Wurstküche? Sind die Schuhe der Mitarbeiter rutschfest? Das sind Fragen, denen sich Fleischereibetriebe im Sinne des Arbeitsschutzes stellen sollten, so Marianne Weinmann, Mitinhaberin der gleichnamigen Metzgerei in Bechhofen (Mittelfranken), auf dem Bayerischen Arbeitsschutztag 2018 in Nürnberg. Weinmann zufolge muss dem Beseitigen von Gefahrenquellen eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung vorausgehen. Das bedeute zusätzliche Arbeit, sorge aber für Motivation und Sicherheit der Angestellten und Absicherung des Betriebes.
Hintergrund: 1996 trat das deutsche Arbeitsschutzgesetz in Kraft, seitdem bildet die Gefährdungsbeurteilung die Grundlage für das Sicherheits- und Gesundheitsmanagement in Betrieben. Diese praxisnah und zeitgemäß zu gestalten und Gesundheitsschutz in die internen Abläufe zu integrieren, gilt als Gratwanderung gerade für kleinere Betriebe. Der Bayerische Arbeitsschutztag 2018 stand deshalb unter dem provokanten Motto: „Gefährdungsbeurteilung – Fluch oder Segen?“ Für Schirmherrin Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, steht indes fest: „Ein sicherer Arbeitsplatz ist das A und O!“
In einer Gruppe von neun Referenten vertrat Marianne Weinmann bei der Veranstaltung das Handwerk und veranschaulichte die erfolgreichen Arbeitsschutzmaßnahmen ihres Betriebes. Von der Überprüfung des Maschinenparks und gezielten Unterweisungen für den Umgang mit Wolf und Co., über ergonomische Erleichterungen durch Rollis bis zu Stechschutz beim Zerlegen, Hygiene oder Hautschutz, reichte die To-do-Liste.
Die 61-jährige Meisterfrau und Mitgründerin des Vereins Unternehmerfrauen im Handwerk Ansbach/Westmittelfranken sieht wichtige betriebswirtschaftliche Vorteile durch eine fundierte Gefährdungsbeurteilung: Kosteneinsparungen durch Reduktion von Ausfallzeiten, Prozessoptimierungen und klarere Betriebsstrukturen.
In ihrer 1989 übernommenen und heute 16 Mitarbeiter zählenden Metzgerei hat die gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin und kaufmännische Fachwirtin eine Reihe von Aktivitäten angestoßen. Im Projekt „Risiko raus – Sicher fahren und transportieren“ der Berufsgenossenschaft erhielten zwei ihrer Azubis einen Preis für die Initiative, Tragevorgänge durch Servicewagen zu ersetzen. Der EU-zugelassene Betrieb wurde für sein Arbeitsschutzmanagement (OHRIS) zertifiziert und erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Sicherheitspreis der Fleischerei-Berufsgenossenschaft. Aktuell laufen Projekte im Bereich Digitalisierung und Energieeffizienz, beide durchgeführt durch die Handwerkskammer für Mittelfranken. Bei der Umsetzung empfiehlt Weinmann die Einbindung der Mitarbeiter: „Interesse und Identifizierung schaffen Engagement.“ Ideen und vorbildliche Mitarbeit könnten durch Belohnungen, wie Tankgutscheine, gewürdigt werden. Weinmann ermuntert alle Handwerker, durch solche innerbetrieblichen Aktivitäten einen Schritt voran zu gehen: „Große Betriebe haben für alle Fachbereiche eigene Berater, die wir uns als Kleinbetrieb nicht leisten könnten. Wir sind dankbar für die Optionen und Chancen, die sich durch geförderte Projekte auftun. Dadurch bleiben kleine und mittlere Betriebe am Puls der Zeit. Sie sind wichtig, um uns ein Stück weiterzubringen und mittelfristig unsere Existenz zu sichern.“