Seit 16. Oktober ist der sechste Portraitfilm aus der Reihe „Handwerk ist mein Leben“ auf der Super-Könner-Plattform von handwerk.de zu sehen. In diesem Film erzählt die 23-jährige Fleischermeisterin Ulrike Piwonka ihre individuelle Lebensgeschichte aus der Welt des Handwerks.

Frauenpower im Fleischer-Handwerk
Wenn Ulrike Piwonka andere Leute fragt, welchen Beruf sie ihr zutrauen würden, hört sie als Antwort oft Friseurin oder Verkäuferin in einem Modeladen. Dass die 23-Jährige Fleischermeisterin ist, errät fast niemand. Dabei brennt die Handwerkerin für ihren Beruf, der ihr Abwechslung bietet – und hat eine Karriere im Eiltempo hingelegt.
Eigentlich wollte Piwonka Polizistin werden. Mit ihren 1,58 Meter Körpergröße fehlten ihr allerdings entscheidende zwei Zentimeter, um eine Ausbildung bei der Polizei antreten zu können. Daher orientierte sich die bodenständige Powerfrau um und entschied sich für das Handwerk: „Ich wollte etwas Praktisches lernen, einen nützlichen Beruf, in dem man nicht den ganzen Tag in einem Büroraum sitzt und Akten bearbeitet“, erklärt die 23-Jährige. Sie trat in die Fußstapfen ihrer Mutter und absolvierte eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin.
Damit war der Wissensdurst der jungen Berlinerin jedoch nicht gestillt, und sie entschied sich für eine anschließende Ausbildung zur Fleischerin. „Mir war schnell klar, dass ich mich beruflich weiterentwickeln will“, erinnert sich Piwonka, die in der Berliner Blutwurst-Manufaktur von Fleischermeister Marcus Benser inzwischen unersetzlich ist.
Mit Zielstrebigkeit zum Traumberuf
Mit großem Engagement und der Unterstützung ihres Chefs schloss die junge Berlinerin in kürzester Zeit ihre Prüfungen ab und absolvierte sogar Gesellen- und Meisterprüfung parallel. Seitdem arbeitet Piwonka in der Blutwurst-Manufaktur sowohl in der Fleischverarbeitung als auch hinter der Ladentheke, und schätzt den Abwechslungsreichtum, den ihr Beruf ihr zu bieten hat, über alles. Auch Fleischermeister Benser ist von der beruflichen Flexibilität seiner Angestellten begeistert: „Sie kann zum einen gut mit Kunden umgehen und zum anderen bei der Verarbeitung richtig zupacken – manchmal sogar besser als einige männliche Kollegen.“ Dass sie in einem männerdominierten Beruf arbeitet macht der selbstbewussten Handwerkerin nichts aus. „Ich mag es, dass die Arbeit auch körperlich anstrengend ist, und wenn ich das Schwein nicht alleine vom Haken bekomme, weil es zu hoch hängt, helfen die Jungs mir“, sagt sie lachend.
Respektvoller Umgang mit Tieren als Teil des Berufs
Von Klischees hält Piwonka ohnehin nichts. Obwohl sie zugibt, dass ihr Hobby – im Gegensatz zu ihrem Beruf – häufiger von Frauen betrieben wird. Die Berlinerin reitet für ihr Leben gerne und verbringt jede freie Minute auf dem Rücken ihres Pferdes. Dank ihres frühen Arbeitsbeginns kann sie die Nachmittage nutzen, um sich ihrer Reit-Leidenschaft zu widmen. „Ich fange in der Metzgerei zwar früh morgens an, kann dafür aber auch Feierabend machen, während alle anderen noch im Büro sitzen“, sagt die Pferdenärrin. Einen Widerspruch zwischen ihrer Tierliebe und ihrem Beruf sieht sie dabei nicht. „Gerade durch meinen Arbeitsalltag weiß ich, wie wichtig es ist, Tiere zu respektieren und sie gut zu behandeln. Fleisch sollte mehr sein, als eine bloße Ware“, erklärt Piwonka. So erkennt sie zum Beispiel anhand der Fleischqualität sofort, ob ein Tier Stress durch nicht artgerechte Haltung oder Massentransporte hatte.
Das Handwerk weckt Leidenschaft und Neugier
Auf ihren bisherigen Leistungen möchte die Nachwuchs-Handwerkerin sich nicht ausruhen – sie sucht schon nach der nächsten Herausforderung. „Man hat nie ausgelernt, und ich will in meiner Entwicklung nicht stehen bleiben“, so Piwonka. Sie würde gerne Einblick in weitere Bereiche gewinnen, und dank ihrer guten handwerklichen Ausbildung stehen ihr alle Türen offen – ob in der Fleischverarbeitung, im Catering oder auch der Gastronomie. „Dass es mit der Polizei nicht geklappt hat, ist ganz gut so. Mein Bruder ist Polizist und hat jeden Tag einen Haufen Büroarbeit“, sagt sie lachend. „Ich hingegen erlebe ständig etwas Neues, habe mit interessanten Menschen zu tun und lerne tagtäglich dazu.“
Mehr über Ulrike Piwonka und andere junge Handwerker gibt es unter www.handwerk.de/super-koenner/handwerkistmeinleben.html. Dort erzählen sie und weitere Nachwuchstalente in kurzen Portrait-Filmen ihre ganz individuelle Lebensgeschichte aus der Welt des Handwerks. Von sozialem Engagement in Entwicklungsländern bis zum erfolgreichen jungen Startup zeigen die Portraits, dass sich im Handwerk jeder beruflich verwirklichen und entfalten kann.