Die Fleischergenossenschaft Evenord, Nürnberg, blickt auf turbulente Jahre zurück: Nach dem Neubau der Firmengebäude 2018 an der Raudtener Straße und dem Umzug 2019 von der Schlachthofstraße folgten 2020 Führungswechsel in Aufsichtsrat und Vorstand sowie eine pandemiebedingte Flaute. Der Umsatz sank um 6,4 Prozent von 52,86 auf 49,50 Millionen Euro, die Jahresbilanz weist einen Fehlbetrag von 799.607 Euro aus. Ein solider Gewinnvortrag von 3,01 Millionen Euro, eine auf 56,8 Prozent (54,5) gestiegene Eigenkapitalquote und Restrukturierungsmaßnahmen von IT bis Vertrieb stimmen die Führung dennoch optimistisch.
Andreas Hubel vom Genossenschaftsverband Bayern legte bei der 94. Generalversammlung in Altenfurt die Zahlen für 2020 vor und sah darin erste positive Tendenzen: Zwar sank die Bilanzsumme um 3,2 Prozent von 41,24 auf 39,94 Millionen Euro, aber auch der Materialaufwand um 11,6 Prozent auf 39,32 Millionen Euro. Das Rohergebnis stieg um 22,6 Prozent auf 10,26 Millionen. Das Betriebsergebnis lag bei –1,3 Millionen Euro – 2019 hatte es (abzüglich Sondereffekten aus Grundstücksverkäufen) bei –4,9 Millionen gelegen. Die liquiden Mittel erhöhten sich (Stand 31.12.) von 2,66 um 58,2 Prozent auf 4,21 Millionen Euro. Der Wirtschaftsprüfer bestätigte eine „gigantische“ Eigenkapitalquote und ein solides Fundament. Auch die Investitionen der Tochter Evenord-Bank in Gewerbeimmobilien sicherten den „Mischkonzern“ gut ab. Die Zahlungsfähigkeit sei stets gegeben, die Ertragslage aber „nicht zufriedenstellend“. Auch 2021 werde es wohl ein negatives Ergebnis geben. Bis 30. April sank der Umsatz coronabedingt nochmals um zehn Prozent, der Rohertrag stieg um 1,7 Prozent.
Im Jahr 2020 zählte Evenord (mit Standorten in Nürnberg, Ansbach, Erlangen, Weiden, Pößneck) im Schnitt 131 Vollzeit- und 16 Teilzeitbeschäftigte sowie drei Azubis. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder stieg von 972 auf 985. Die Anteile werden gut ver-zinst: Man beschloss, für 2020 eine Dividende von zwei Prozent auszuschütten. Da die eigenen Werkstätten in Nürnberg und Hof im Oktober 2019 aufgelöst wurden, will man der Nachfrage der Kunden künftig gemeinsam mit der Firma Christian Höhn Maschinen und Service (Wendelstein) entgegenkommen. Evenord-Vorstand Christian Tschulik, seit Februar als Nachfolger von Horst Schneider im Amt, teilte mit, dass in Altenfurt eine neue Servicewerkstatt entstehe. Tschuliks Ziel: „Die Evenord soll sich mit neuen Ideen, dem Sortiment, Frische und Lieferservice von anderen Großhändlern abheben.“ Man werde Vertrieb, Telefonverkauf und Außendienst stärken und die jährliche Evenord-Messe wieder zum Treffpunkt machen. Er bat aber um etwas Geduld: „Die Evenord ist kein Sportboot, aber wir werden sie umsteuern und voranbringen.“
Der seit September 2020 amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Claus Steiner erklärte, man nehme die Arbeit ernst und habe schon viel Zeit investiert – beispielsweise in die digitale Zukunft mittels einer Bestell-App. Sein Stellvertreter Stefan Wolf sieht die Corona-Lockdowns mit Wegfall von Catering, Partyservice und Gaststättenumsatz als Grund für die schlechten Zahlen 2020. Einstimmig beschlossen wurden Satzungsänderungen, die auch digitale Versammlungen ermöglichen. Einige Gegenstimmen gab es bei der Entlastung der 2020 noch amtierenden ehemaligen Evenord-Vorstände.
Erstmals zu Gast bei der sechstgrößten deutschen Fleischergenossenschaft war Anton Wahl. Der Vorstand der Zentralgenossenschaft des Europäischen Fleischergewerbes (ZENTRAG) ermunterte die Evenord und die Metzger, sich dem Onlinehandel ebenso zu öffnen wie aktiver Nachwuchswerbung und neuen (veganen) Produkten. Denn dieser Markt wachse zweistellig. Mit seiner Regionalität agiere das Fleischerhandwerk ohnehin am Puls der Zeit.