Evenord: Neuer Vorstand und neue Strategie

Die Nürnberger Fleischergenossenschaft Evenord hat ein schwieriges Jahr 2024 mit einem Fehlbetrag von 1,6 Mio. Euro (2023: 558.119 Euro) abgeschlossen und will mit neuem Vorstand und neuer Strategie die Wende schaffen. Am 9. Mai stellte man den seit Februar 2021 amtierenden Vorstand Christian Tschulik frei, der erst im Juli 2024 berufene Finanzvorstand Florian Weininger legte zum 31. August sein Amt nieder.

Der neue Evenord-Vorstand Olaf Zaulig (stehend), Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder bilanzierten ein problematisches Jahr 2024. Buchmann - © Buchmann

Seit 13. Mai fungiert der bisherige Prokurist Olaf Zaulig (54) als neuer Vorstand. Er hat nach eigenen Angaben bereits den Vertrieb umstrukturiert und setzt angesichts sinkender Abholvolumina auf eine Stärkung des Liefergeschäfts. Die Filiale Weiden wurde bereits geschlossen, die in Pößneck folgt Ende 2025. Die Regionen werden jedoch weiterhin wie gewohnt über die Auslieferung bedient.

Wie Martina Burzler- Kreft vom Genossenschaftsverband Bayern im Rahmen der 98. Evenord-Generalversammlung in Nürnberg-Altenfurt mitteilte, sank der reine Warenumsatz, auch bedingt durch teilweise gesunkene Rohstoffpreise, 2024 um 3,8 Prozent auf 57,36 Mio. Euro (Vorjahr: 59,50 Mio. Euro) – und zwar über alle Warengruppen von Fleisch (19,01 Mio. Euro) über Frischeprodukte (4,45 Mio. Euro) bis zu Verpackung (3,92 Mio. Euro). Erfreulich nannte die Wirtschaftsprüferin, dass der Rohertrag leicht von 12,99 Mio. Euro auf 13,07 Mio. Euro anstieg.

Ertragslage nicht zufriedenstellend

Die Bilanzsumme sank um 10,8 Prozent von 37 Mio. auf 33 Mio. Euro, das Eigenkapital von 18,3 Mio. auf 16,3 Mio. Die Eigenkapitalquote blieb mit 49,6 Prozent stabil, ebenso das Anlagevermögen mit 24,1 Mio. Euro. Belastet wurde das Jahresergebnis durch den teuren Fuhrpark oder Rückstellungen (456.000 Euro). Die Vermögenslage der Evenord sei indes geordnet, die Ertragslage aber seit fünf Jahren nicht zufriedenstellend. 2025 und 2026 erwartet die Expertin nochmals negative Ergebnisse, mit den eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen 2027 dann aber wieder einen Bilanzgewinn in Höhe von 350.000 bis 400.000 Euro.

Im Jahr 2024 zählte das von Franken bis Thüringen aktive Großhandelsunternehmen (mit Standorten in Nürnberg, Ansbach, Erlangen, Pößneck) im Schnitt 144 (Vorjahr: 149) Mitarbeiter. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder sank von 914 auf 886, die der Geschäftsanteile (je 55 Euro) stieg von 116.788 auf 119.178. Trotz des Jahresverlusts ermöglichen die soliden Ergebnisrücklagen die Ausschüttung einer Dividende von zwei Prozent (insgesamt 127.204 Euro).

Filialen nicht rentabel

Olaf Zaulig umriss in seiner ersten Rede als Vorstand die Probleme der Genossenschaft: hohe Kosten, sinkende Umsätze, ein großer und teurer Firmensitz. Seine Rezepte dagegen: „Konsolidieren, sparen, Logistik anpassen, effektive Personalstruktur, neue Kunden.“ So habe man bereits hart verhandelt und die Rohertragsmarge erhöht, intern die Aufgaben klarer verteilt und Stefan Wagner als Vertriebsleiter berufen. Nicht aufzuhalten sei der Wandel vom Abhol- zum Zustellgeschäft; Filialen mit 30 Kunden pro Tag seien nicht rentabel zu betreiben. Klar müsse aber sein: „Wir geben die Regionen nicht auf!“ Man werde Kunden künftig per Lkw auf besser geplanten Routen versorgen.

Als gute Nachricht brachte er mit: Die Metzgergenossenschaft MEGEM will sich auf ihre Kernregion München und Passau fokussieren und hat ihre Kunden im Bereich Ingolstadt an die Evenord abgegeben. Auch die Gastronomie will man als potenzielle Kundschaft ansprechen und dabei seine Stärken Fleisch und Frische ausspielen. Für das laufende Jahr prognostiziert Zaulig bereits deutliche finanzielle Effekte: „Die ersten Maßnahmen greifen.“ 2026 und 2027 soll sich das in Umsatzsteigerungen von jeweils vier Prozent auszahlen.

Rainer Laabs, Vorstandssprecher der Gilde, gratulierte zum eingeschlagenen und bereits erfolgreichen Kurswechsel. Es sei gut, wenn die Evenord als eine der größten von 38 Fleischergenossenschaften in Deutschland auch „über den Tellerrand“ schaue.

Claus Steiner (Nürnberg), Vorsitzender des siebenköpfigen Aufsichtsrates, erklärte, man habe angesichts sehr unterschiedlicher Auffassungen über den Kurs der Evenord personell „das Ruder herumreißen“ müssen, um endlich die notwenigen Reformen angehen zu können.

Auf Antrag des ehemaligen Vorstandes Hans Kittler wurden der Aufsichtsrat und die Evenord-Bank-Vorstände Wolfgang Rupprecht und Thomas Kühnlein einstimmig entlastet. Ex-Genossenschaftsvorstand Florian Weininger erhielt die Entlastung mehrheitlich; Christian Tschulik wurde sie verweigert, seine Bestellung zum Vorstand per Beschluss widerrufen. Als Aufsichtsrat wiedergewählt wurde Metzgermeister Stefan Emmert (Wilhermsdorf).

Eine Hausmesse der Evenord wird es voraussichtlich im Frühjahr 2026 wieder geben.

www.evenord.de