Evenord: Aufschwung nach Krisenjahr

Evenord-Vorstand Christian Tschulik (stehend), die Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder blickten auf ein durch die Corona-Krise und Umbaumaßnahmen geprägtes Jahr 2021 zurück. Buchmann - © Buchmann

Die Fleischergenossenschaft Evenord, Nürnberg, sieht sich trotz roter Zahlen im vergangenen Jahr auf dem richtigen Weg: Einen Umsatzzuwachs im zwei­stelligen Bereich (nach Abzug der Inflationsrate) für 2022 verkündete Vorstand Christian Tschulik im Rahmen der 95. Generalversammlung. Das mache Mut angesichts einer durch viele Neuausrichtungen und „Baustellen“ geprägten Jahresbilanz 2021 – hier sank der Umsatz um 3,2 Prozent von 49,51 auf 47,94 Millionen Euro. Der Gewinnvortrag von 1.020.120 Euro erlaubte dennoch die Ausschüttung einer Dividende von 180.436 Euro (2,5 %) an die Mitglieder.

Christian Auer vom Genossenschaftsverband Bayern legte Detailzahlen für 2021 vor: Die Bilanzsumme sank um 6,5 Prozent von 39,94 auf 37,33 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote von 56,8 auf 55,0 Prozent. Der Materialaufwand ging um 3,4 Prozent von 39,37 auf 38,03 Millionen Euro zurück, das Rohergebnis um 2,5 Prozent von 10,45 auf 10,18 Millionen. Die liquiden Mittel verringerten sich von 4,21 Millionen um 10,9 Prozent auf 3,75 Millionen Euro. Trotz schwieriger Ertragslage bestätigte der Wirtschaftsprüfer der Evenord eine „solide und geordnete“ Vermögenslage. Für 2022 erwarte man ein operativ deutlich besseres, aber noch leicht negatives Ergebnis.

Im Jahr 2021 zählte das Großhandelsunternehmen (mit Standorten in Nürnberg, Ansbach, Erlangen, Weiden, Pößneck) im Schnitt 131 Vollzeit- und zehn Teilzeitbeschäftigte sowie zwei Azubis. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder sank von 985 auf 961, die ihrer Geschäftsanteile von 130.476 auf 129.237 Euro.

„Es war keine einfache Zeit, aber wir haben begonnen, die Probleme aufzuarbeiten“, erklärte Christian Tschulik, der seit Februar 2021 als Nachfolger von Horst Schneider im Amt ist. Er begründete die negative Jahresbilanz mit vielen „Sondereffekten“, die man nun komplett offenlege. So sei es in der Vergangenheit sicher unglücklich gewesen, Filialen (Gera, Landshut, Bamberg) zu schließen – dieser Umsatz fehle heute. Da auch eigene Werkstätten in Nürnberg und Hof 2019 aufgelöst wurden, will man der Nachfrage der Kunden nun durch eine Partnerschaft mit Christian Höhn Maschinen und Service, Wendelstein, in einem Neubau in Altenfurt entgegenkommen, der 2023 in Betrieb gehen soll.

Außerdem habe man den Vertrieb neu ausgerichtet, um die Kunden mit Service, Frische und Qualität zu überzeugen. Dazu zählen auch Kundenseminare, die Verkaufsleiterin Karmen Walcher anbietet, und gut besuchte Firmenseminare. Im Einkauf arbeite dessen Leiter Olaf Zaulig erfolgreich daran, zuverlässige und langfristige Lieferfähigkeit und Bevorratung zu sichern.

Wie gut der neue Weg bei den Kunden ankomme, zeigt laut Evenord-Vorstand die Menge an 16 Prozent mehr Frischfleisch, die allein in den ersten neun Monaten 2022 mehr als 2021 abgesetzt wurde. Im Frühjahr 2023 will man erstmals zu einer Hausmesse nach Altenfurt einladen, im 100. Jubiläumsjahr 2024 soll die Evenord-Messe im Messegelände wieder ein Treffpunkt für Metzger und Gastronomen werden.

Als wichtige Investition lobte Vorstandsmitglied Martin Holch die Photovoltaik-Anlage, die im Juli 2022 in Betrieb ging: Mit Einspeisevergütung und Eigenverbrauch habe man in zwei Monaten etwa 50.000 Euro gespart.

Aufsichtsratsvorsitzender Claus Steiner teilte mit, dass Vorstandsmitglied Andreas Iser-Hirt zum 30. September auf eigenen Wunsch aus der Genossenschaft ausgeschieden ist. Er ist davon überzeugt, mit dem jetzigen Quartett ein Top-Team zu haben. Sein Stellvertreter Stefan Wolf sieht das genauso: Der Vorstand packe die Dinge gut an und führe die Evenord auf Erfolgskurs. Als Aufsichtsrat bestätigt wurde Stephan Emmert, Wilhermsdorf.

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