Ernährung für zwei

Den erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen in Schwangerschaft und Stillzeit zu decken, dazu tragen Fleisch und Wurst wesentlich bei. Doch Ernährung für zwei beginnt nicht erst mit der Schwangerschaft. Bereits davor beeinflusst ein gesunder Nährstoffstatus die Fruchtbarkeit von Mann und Frau.

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    Reich an Eisen, Zink und Vitamin B12 ist Rindfleisch ideal für Schwangere und Stillende. Barbara Krieger-Mettbach
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    Das Jod der Salzwasserfische unterstützt eine gesunde Funktion der Schilddrüse. Ihre Hormone beeinflussen nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Fruchtbarkeit von Mann und Frau. Barbara Krieger-Mettbach
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    Enthalten Rohwurst und andere rohe Speisen Listerien, stellen sie ein Gesundheits­risiko für Mutter und Kind dar. Barbara Krieger-Mettbach
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    Hartkäse ist der einzige Käse, den Schwangere auch als Rohmilchvariante essen dürfen. Barbara Krieger-Mettbach
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    Schwangere und Stillende dürfen frisch geputzten, gut gewaschenen Salat in ihren Speiseplan aufnehmen. Er ist reich an Kalium, das den Wasserhaushalt reguliert. Barbara Krieger-Mettbach

Ein unerfüllter Kinderwunsch steht bei vielen Paaren am Anfang einer Odyssee von medizinischen Untersuchungen. Dass der Faktor Ernährung einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit besitzt, wird dabei oft übersehen. Neben sekundären Pflanzenstoffen und Vitaminen übernehmen vor allem Zink und Jod wichtige Funktionen.

Jod beeinflusst Fruchtbarkeit

Trotz Verwendung von Jodsalz reicht die Jodaufnahme bei vielen Menschen in Deutschland nicht aus. 200 µg (µg = Mikrogramm) täglich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Erwachsenen. Zu den Gruppen mit unzureichender Aufnahme zählen Frauen im gebärfähigen Alter und junge Männer. Das Spurenelement Jod benötigt die Schilddrüse für die Bildung von Hormonen. Diese kurbeln den gesamten Stoffwechsel an und beeinflussen so unter anderem die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen. Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sollten ihre Schilddrüsenfunktionen untersuchen lassen.

Wurst als Jodquelle

Die jodreichsten Lebensmittel sind Salzwasserfische, Milch und Algen. Letztere können extrem reichhaltig sein. Ob deswegen die Verzehrsmenge begrenzt werden muss, darüber informiert die jeweilige Verpackung. Die Verwendung von Jodsalz im Haushalt unterstützt die tägliche Aufnahme. Weil jedoch ein Teil des Jodsalzes mit dem Kochwasser wegschüttet wird, ist die Aufnahme geringer als viele Menschen denken. Das meiste Salz nehmen wir versteckt in Lebensmitteln und fertigen Speisen auf. Brot mit Jodsalz ist eine nennenswerte Jod­quelle, genau wie Wurst. So enthält 100 g Wurst mit 2 g Jodsalz 30 bis 50 µg Jod. Das entspricht einem Viertel bis einem Siebtel der Tagesempfehlung für einen Erwachsenen. Empfehlen Sie Kunden mit Kinderwunsch Wurst mit Jodsalz. Die gleiche Empfehlung gilt für Schwangere und Stillende.

Jodbedarf erhöht

In der Schwangerschaft erhöht sich der tägliche Jodbedarf von 200 auf 230 µg. Der Arbeitskreis Jodmangel beschreibt ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie Komplikationen in der Schwangerschaft infolge von Jodmangel und Schilddrü­senunterfunktion. Als weitere Risiken nennen die Experten Störungen der Gehirnreifung, Hördefekte, gestörte mentale und motorische Entwicklung.

Stillende brauchen 260 µg Jod pro Tag. Jodarme Muttermilch kann zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Wurst mit Jodsalz ist ein wertvolles Lebensmittel, um Jodmangel vorzubeugen. Die Angst mancher Kunden vor Krankheiten oder Jod­allergie infolge des Verzehrs einer Wurst mit Jodsalz ist unbegründet. Aufgrund seiner Struktur fungiert Jod per se nicht als Allergen. Weiterhin sind die Jodgehalte der Wurst bei üblichen Verzehrsmengen zu gering, um Probleme bei Schilddrüsenerkrankungen auszulösen.

Zink nicht nur für Männer wichtig

Zu den zahlreichen Aufgaben des Spurenelements Zink im Organismus gehört die Beteiligung an der männlichen Sexualentwicklung sowie an der Fortpflanzungsfähigkeit. Zinkmangel kann die Menge, Beweglichkeit und die Qualität der Spermien negativ beeinflussen. Bei der Frau wirkt Zink möglicherweise regulierend auf den Zyklus. Für Paare mit Kinderwunsch ist eine ausreichende Zinkzufuhr wichtig. Sie erhöht nicht nur die Chance auf eine Schwangerschaft, sondern auch auf einen positiven Verlauf. Frauen brauchen täglich 7 mg, Männer 10 mg. Speicher gibt es kaum im Organismus, Zink muss regelmäßig aufgenommen werden. Schwangeren empfiehlt die DGE ab dem vierten Monat 10 mg, Stillenden 11 mg Zink am Tag.

Gute Zinkquellen sind Rind- und Kalbfleisch, Lamm, Leber, Eier, Hering, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten. Die Bioverfügbarkeit von Zink aus tierischen Lebensmitteln ist höher als aus pflanzlichen, weil die Aminosäuren Methionin, Cystein und Histidin, die vor allem im tierischen Protein vorkommen, die Zinkresorption fördern. Fördernd wirkt weiterhin Inulin, ein Oligozucker, der sich in bitteren Gemüsen wie Chicorée, Radicchio, Endivie sowie in Schwarzwurzeln und Top­inambur befindet. Die gute Verwertbarkeit von Zink spricht für Fleisch und Wurst im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Folat oft zu wenig

Erst Ende des letzten Jahres hat die DGE die Zufuhrempfehlungen für das B-Vitamin Folat überprüft. Änderungen wurden nicht vorgenommen. Erwachsenen empfiehlt sie, täglich 300 µg aufzunehmen, Schwangeren 550 und Stillenden 450 µg. Gute Folatquellen sind grünes Gemüse, Kohl, Vollkornprodukte, Dinkel, Hafer, Kartoffeln, Milch, Milchprodukte und Leber. Genau diese Lebensmittel sind vermutlich der Grund für die oft unzureichende Versorgung der Menschen hierzulande, denn sie stehen nicht gerade oben auf der Beliebtheitsskala. Folat ist wichtig für die Zellteilung, die Zellerneuerung und, zusammen mit Vitamin B 12 , auch für die Blutbildung. Folsäure ist synthetisch hergestelltes Folat. Es wird anders verstoffwechselt und kann im Gegensatz zum natürlichen Folat überdosiert werden.

Status vor Schwangerschaft optimieren

Dem B-Vitamin Folat kommt in der Schwangerschaft eine besondere Bedeutung zu. Eine bedarfsgerechte Zufuhr ist wichtig für die gesunde körperliche und geistige Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Die erste große Aufgabe vollzieht Folat zwischen dem 20. und 28. Schwangerschaftstag. In der Zeit schließt sich das Neuralrohr und dabei wird Folat benötigt. Aus dem Neuralrohr entwickeln sich später Rückenmark, Rückgrat, Gehirn und Schädel. Wissenschaftler haben einen direkten Zusammenhang zwischen Folatmangel und der Häufigkeit von Neuralrohrdefekten belegt. Das Ungeborene stirbt entweder im Mutterleib oder kommt schwerstbeschädigt zur Welt. Um dies zu verhindern, raten Ärzte ihren Patientinnen mit Kinderwunsch, die Ernährung spätestens vier Wochen vor der Empfängnis mit 400 µg Folsäure pro Tag zu ergänzen und dies bis zum vierten Schwangerschaftsmonat beizubehalten. Weiterhin senkt eine ausreichende Folatversorgung unter anderem das Risiko für Kiefer-Lippen-Gaumenspalte, Herzfehler und Fehlbildungen der Gliedmaßen.

Leber als Folatquelle

Folatreiche Lebensmittel sollten regelmäßig auf dem Teller liegen. 100 g Feldsalat, Spinat, Erbsen enthalten je über 140 µg, Rosenkohl, Lauch und Spargel gut 100 µg Folat. Beim Garen reduziert sich das Vitamin um rund 40 Prozent. Folatreiches in der Fleischtheke: Leber, allen voran Rinderleber. Knapp 600 µg enthalten 100 g rohe Leber. Gebraten sind es noch 520 und gekocht 394 µg. Es folgen Hähnchen- und Kalbsleber mit 380 und 240 µg. Auch hier sind die Verluste beim Braten am geringsten. Leberwurst enthält je nach Sorte etwa 30 bis 50 µg. 693 µg Folat, 143 µg mehr als eine Schwangere täglich benötigt, liefert eine Mahlzeit aus 100 g gebratener Rinderleber, dazu 250 g gedünstetem Rosenkohl und 200 g Salzkartoffeln. Die DGE rät Schwangeren, im ersten Trimester auf Leber zu verzichten.

Vitamin A für Lunge und Wachstum

Grund ist der hohe Gehalt an dem fettlöslichen Vitamin A. Es ist wichtig für das Wachstum und die Bildung von Zellen, für die Gesundheit von Haut und Schleimhäuten, stärkt das Immunsystem und die Sehfähigkeit. In der Schwangerschaft hat es eine große Bedeutung für die Entwicklung und Reifung der Lungen. Vitamin A kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor, besonders in Leber. Pflanzen enthalten Beta-Carotin, woraus der Organismus im Beisein von Fett Vitamin A aufbaut. Um rund 40 Prozent steigt der Vitamin-A-Bedarf in der Schwangerschaft, in der Stillzeit verdoppelt er sich fast von 0,8 auf 1,5 mg. Das spricht für die Empfehlung von Leber.

Dagegen spricht das Risiko einer Vitamin-A-Überdosierung bei reichlichem Genuss. Leberschäden, Hautveränderungen sowie Schäden des Ungeborenen können daraus resultieren. Am reichhaltigsten ist Schweineleber. 100 g deckt bereits den Vitamin-A-Bedarf einer Schwangeren für rund einen Monat, Rinderleber für zwei Wochen und Kalbsleber für etwa vier Tage. Außerdem trägt Leber wesentlich zur Deckung des Bedarfs mit Folat, Eisen, Zink und Vitamin B¹² bei. Die DGE empfiehlt, im zweiten und dritten Trimester 125 g Leber wöchentlich einzuplanen. Schließen Sie sich der Empfehlung an oder raten Sie alle zwei Wochen zu einer größeren Portion Leber von Rind oder Kalb. Mit beiden Empfehlungen bleibt noch genügend Platz auf dem Vitamin-A-Konto, um regelmäßig Käse, Ei und Leberwurst einzuplanen.

Eisenbedarf verdoppelt sich

Ab dem vierten Monat verdoppelt sich der tägliche Eisenbedarf von 15 auf 30 mg. Stillende benötigen 20 mg. 58 Prozent der Frauen erreichen die normale Empfehlung nicht, bei den unter 50-Jährigen sind es sogar 75 Prozent. 9,6 mg nehmen Frauen durchschnittlich auf. Für viele Schwangere ist es unrealistisch, ihren doppelten Bedarf mit natürlichen Nahrungsmitteln zu decken. Auf Rat ihres Arztes ergänzen sie das Spurenelement. Eisenmangel gefährdet die Sauerstoffversorgung der Gebärmutter, der Plazenta und des Fötus, was Komplikationen in der Schwangerschaft und Fehlentwicklungen des Kindes begünstigt.

Innereien und dunkles Fleisch wie Rind und Kalb, aber auch Hirse, Hafer, Spinat, Mangold und Feldsalat sind besonders eisenreiche Nahrungsmittel. Tierisches Eisen besitzt eine bessere Bioverfügbarkeit als pflanzliches. Die höchste Resorptionsrate erreicht man mit einer Kombination aus tierischem und pflanzlichem Eisen und Vitamin-C-reichen Lebensmitteln.

Vitamin B12 in dunklem Fleisch

Ende des letzten Jahres hat die DGE die Empfehlungen für die Zufuhr von Vitamin B¹² aktualisiert. Statt 3 empfiehlt sie Erwachsenen nun 4 µg B¹² täglich aufzunehmen. Schwangere brauchen 4,5 µg Vitamin B¹², Stillende 5,5 µg. Das sind 0,5 beziehungsweise 1,5 µg mehr, als erwachsene Frauen benötigen. Vitamin B¹² ist wichtig für die Blutbildung und fürs Nervensystem. Vitamin B¹² kommt nur in tierischen Lebensmitteln und in Algen vor. Fleisch enthält besonders viel, wobei die Regel gilt: Je dunkler das Fleisch, desto reichhaltiger ist es. Empfehlen Sie schwangeren Kundinnen Produkte aus Rind, Kalb, Innereien. Bieten Sie Tatar zum Braten, Rindfleischpfannen oder fertige Fleischgerichte für die schnelle Küche an. Aus der Wursttheke sind Rinderbratenaufschnitt, Corned Beef und Rindfleischsülze Beispiele für Eisen- und B¹²-reiche Produkte.

Fleisch gut durchgaren

Rohes Fleisch kann mit Krankheits­erregern wie Yersinien, EHEC, Colibakterien, Campylobacter, Listerien oder Toxoplasmoseparasiten kontaminiert sein. Eine Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind. Durch Hitze verlieren die Erreger ihre krankmachende Wirkung. 80 °C Kerntemperatur für zehn Minuten sind für Toxoplasmoseparasiten erforderlich. Wer einmal infiziert war, den schützen Antikörper vor erneuter Infektion. Weil Toxoplasmosen oft unbemerkt verlaufen, wissen viele Schwangere nicht, ob sie Antikörper besitzen. Ein Bluttest beim Arzt gibt Klarheit. Toxoplasmose-Infektionen in der Schwangerschaft können Fehl­geburten auslösen oder die Entwicklung des Kindes gefährden. Hirnschäden, Gelbsucht, Wasserkopf sind Beispiele. Manche Schäden treten erst nach der Geburt auf. Empfehlen Sie Schwangeren keine Salami, Mettwurst, Teewurst und andere Rohwurstspezialitäten. Raten Sie, nach dem Anfassen von rohem Fleisch die Hände zu waschen.

Rohes ist tabu

Listerien sind ein weiterer Grund für den Verzicht auf rosa Fleisch und Rohwurst. Die Bakterien befinden sich im Abwasser, in Böden, auf Pflanzen und Kompost, in verunreinigtem Wasser und können von dort in Futter- und Lebensmittel gelangen. Infizierte Tiere scheiden Listerien mit dem Kot aus. Weil beim Melken und Schlachten Milch und Fleisch kontaminiert werden können, hat Hygiene oberste Priorität. Um die hitzeempfindlichen Listerien unschädlich zu machen, die Lebensmittel für zwei Minuten auf gut 70 °C erhitzen. Ein Verzicht auf rohes Fleisch wie Carpaccio, auf Steak rare und medium, auf Rohwurst, Rohmilch, Rohmilchkäse, Speisen mit rohem Ei wie Tiramisu, auf rohen, marinierten oder eingelegten Fisch, auf Sushi, Bismarckhering und Räucherlachs beugt Infektionen vor. Listerien können auch in Salaten, vor allem in vorgeschnittenen Produkten, vorkommen. Salate immer gründlich waschen und sofort verzehren.

Mehr Kraft zum Stillen

Stillende haben einen erhöhten Bedarf an vielen Nährstoffen. Dieser überschreitet oft die Empfehlungen für Schwangere. Ausschlaggebend ist, ob die Frau ihr Kind voll stillt oder ob sie ihre Milch nur zufüttert. Alle hier genannten Zahlen berücksichtigen die ausschließliche Ernährung mit Muttermilch. So brauchen Stillende noch mehr Protein, Vitamin C, Magnesium, Jod, Zink, Kalium, Vitamine E und B¹² als Schwangere. Wird der Säugling vier bis sechs Monate voll gestillt, benötigt die Frau mindestens 500 kcal pro Tag zusätzlich. Hat sie während der Schwangerschaft keine Fettreserven angesammelt, sind es zusätzlich 656 kcal. Stillende sollten auf Zitrusfrüchte verzichten oder den Verzehr stark einschränken. Ein Teil der Fruchtsäuren gelangt in die Muttermilch und fördert das Wundliegen des Säuglings. Vorsicht auch mit blähenden Speisen wie Kohl, Zwiebeln, Hülsenfrüchten. Substanzen gelangen in die Milch und verursachen Blähungen beim Säugling. Reagiert dieser allergisch auf ein Lebensmittel, muss die Stillende verzichten, auch wenn sie selbst keine Allergie darauf hat. Die Allergene gelangen über die Nahrungskette in die Milch, sodass der Säugling reagiert. Fleisch enthält weder Fruchtsäuren noch blähende Stoffe. Auch als Allergen spielt es kaum eine Rolle. Dafür ist es reich an Protein und vielen Nährstoffen, die Stillenden Kraft und Wohlbefinden spenden.