Betriebsgesundheit stets im Blick

Unternehmensberater Joachim Fuoss empfiehlt Controlling und stete Modernisierung, um einen Betrieb „gesund“ zu halten und ihn damit auch attraktiv für einen Nachfolger zu machen.

Unternehmensberater Joachim Fuoss empfiehlt regelmäßig die Liquidität und Rentabilität eines Betriebs zu prüfen, um unliebsame Überraschungen zu ver­meiden. privat - © privat

Ein Betrieb ist im Prinzip dann „gesund“, wenn positive Liquidität vorhanden ist und die Rentabilität stimmt. Für Unternehmensberater Joachim Fuoss aus Ansbach sind neben den technischen aber auch die strategischen Kriterien für die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit wichtig: Investiert der Fleischer in moderne Laden- und Filialgestaltung, greift er im Sortiment neue Trends wie fleischlose Produkte auf, kümmert er sich um kostensenkende Energiesparmaßnahmen? Da heiße es „wach bleiben“, denn nur ein rundherum gut ausgerichteter Betrieb sei attraktiv für einen Nachfolger.

Fuoss, seit zehn Jahren für die Handwerkskammer für Mittelfranken tätig, sieht den immer schärfer werdenden Wettbewerb (Wurst und Fleisch vom Discounter), Bevölkerungsschwund auf dem Land und Pendeln samt Einkauf in der Stadt, als wichtigste Gründe, dass viele kleine Fleischereien schließen. Aber auch die „Unbeweglichkeit“ vieler Inhaber bezüglich Sortiments- und Dienstleistungsentwicklung: „Warum soll ich Geld in den Laden stecken, meine Wurst schmeckt doch!“, heiße es oft. Dabei sei heute das besondere Ambiente gerade für die junge Klientel entscheidend, große Filialisten machen es vor. Und Wurst gebe es schließlich auch bei Aldi.

Entscheidend ist am Ende, was finanziell hängen bleibt

Dass Stress und Druck im Handwerk zunehmen, nicht zuletzt durch den Fachkräftemangel, ist dem Experten klar. Oft werde dadurch der Kopf für den Blick auf Notwendigkeiten blockiert. Aber: „Der Kunde will immer wieder etwas Neues, ob Convenience, bio, vegan, selbstkreierte Spezialitäten“, sagt Fuoss, da könne das Handwerk doch punkten. Entscheidend ist am Ende freilich, was finanziell hängen bleibt.

Die Liquidität anhand von Kennzahlen prüfen

Rund 30 Damen der Sektion Ansbach/Westmittelfranken der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) vermittelte der gelernte Bankkaufmann in Schernberg-Herrieden seine Faustregel für die Prüfung der Zahlungsfähigkeit eines Betriebes: „Kontostand plus Kasse plus Forderungen minus Verbindlichkeiten.“ Zur Kontrolle der Liquidität diene neben diesen Kennzahlen zum Beispiel der Vergleich von Tages- und Wochenumsätzen, um so Tendenzen zu Vormonat oder Vorjahr zu erkennen.

Es müsse genug Gewinn erwirtschaftet werden, um Lebensunterhalt, Investitionen, Kredittilgung, Altersvorsorge und Risiken wie Berufsunfähigkeit abzusichern. Als wichtige Kennzahlen, um in Fleischereien regelmäßig die Rentabilität zu kontrollieren, nannte der 48-jährige Referent die Filialergebnisrechnung, Gewinn, EBITDA und Cashflow. In stundenbasierten Gewerken (Schreiner, Maurer etc.) seien dagegen die Arbeitsstunden zentrales Element von Gewinn und Verlust, und zwar die dem Kunden tatsächlich verrechneten Stunden.

Welche Kennzahlen für welchen Betrieb besonders nützlich sind, ist laut Fuoss individuell verschieden. Das sollte gegebenenfalls mit einem Berater abgesprochen werden. Als Grundlage könne eine DATEV-Übersicht („Controlling-Cockpit“) ebenso wie eine betriebseigene Zusammenstellung von Material- und Personalkosten, Rohertrag etc. als Excel-Tabelle dienen.

Zeit für das Set-up nehmen

Fuoss machte den Handwerkern Mut, sich Zeit zu dieser Diagnose ihrer „Betriebsgesundheit“ zu nehmen: „Der Aufwand bei einem Controlling-System ist für das Set-up am Anfang hoch, bis die passenden Zahlen und Quellen für Ihr Unternehmen gefunden sind. Die reine Erfassung danach sollte einfach und schnell möglich sein.“

Die regelmäßige Liquiditäts- und Rentabilitätsprüfung kann unangenehme Überraschungen nach dem Motto „Wir arbeiten wie verrückt, aber es bleibt nichts übrig!“ verhindern. Anzeichen für eine Krise sind nach Aussage von Fuoss zum Beispiel wiederkehrende Anrufe der Bank wegen überzogener Konten. Er riet allen Inhabern zu intensiverer Innen- und Außenansicht ihres Betriebes: Denn während Absatz-, Erfolgs- oder Liquiditätskrisen durch Zahlenvergleiche aufgedeckt werden können, seien „Stakeholder“- (=Teilhaber-) oder Strategiekrisen oft durch Mitarbeiter- oder Kundenbefragungen zu erkennen (siehe Grafik). Hier werde deutlich, dass zum Beispiel wegen nachlässiger Führung die Motivation der Beschäftigten schwinde oder das Sortiment der Fleischerei längst nicht mehr den Vorlieben der Verbraucher entspreche.

Mit schonungsloser Selbsterkenntnis aus der Krise

Zur Bewältigung einer Krise hilft nach Ansicht des studierten Betriebswirtschaftlers nur eine schonungslose Selbsterkenntnis („Es ist, wie es ist!“), ein Kassensturz („Wie lange können wir noch durchhalten?“) und für Veränderungsmaßnahmen gegebenenfalls auch Unterstützung von außen.

Ziel des Inhabers ist normalerweise die eigene Alterssicherung und die Übergabe des Betriebes an einen Nachfolger. Fuoss, der für die Handwerkskammer auch als Mediator für Betriebsübergaben arbeitet, empfahl, Altersvorsorge wie Übergabe rechtzeitig zu planen, Zeitpunkte für einzelne Schritte zu setzen und einen Nachfolger aufzubauen. Komme der aus der Familie, sei „Familienfrieden“ die wesentliche Voraussetzung. Die Produkte und Dienstleistungen des Betriebes sollten zur Übergabe „up to date“, qualifizierte Mitarbeiter gebunden und das Vermögen klar zugeordnet sein („Wem gehört was?“).

Für den Fall der Fälle empfiehlt Fuoss dringend die Erstellung eines Notfallplans, in dem Vollmachten, Erb­regelungen und Ehevertrag zusammengefasst sind. Sonst könne ein plötzlicher Ausfall des Chefs für den Betrieb existenzbedrohend werden.