Der traditionsreiche Fleischereibetrieb „Flepro Bernburg Fleisch- und Wurstwaren GmbH“ will sich im Zuge eines geordneten Insolvenzverfahrens sanieren. Der überregional bekannten Fleischerei macht der hohe Preisdruck in der Branche zu schaffen. Der vorläufige Insolvenzverwalter sieht für den Betrieb dennoch eine nachhaltige Perspektive.
„Flepro ist nicht irgendein Fleischverarbeiter, sondern ein Traditionsbetrieb, in dem gestandene Metzgermeister in echter Handarbeit täglich frisch hervorragende Produkte herstellen“, betont Dr. Franc Zimmermann, der als vorläufiger Insolvenzverwalter gemeinsam mit der Geschäftsführung die Sanierung vorantreibt. „Gerade angesichts der Billig-Konkurrenz ist das eine große Stärke, auf der wir aufbauen können.“
Die Produktion am Firmensitz in Bernburg-Peißen sowie der Verkauf in den 15 Filialen in der Region gehen ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne und Gehälter der 70 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. In den nächsten Wochen will Zimmermann gemeinsam mit der Geschäftsführung ein Sanierungskonzept ausarbeiten, das dem Betrieb ermöglicht, sich wieder wirtschaftlich aufzustellen.
Wie viele handwerklich arbeitende Fleischereibetriebe leidet Flepro unter dem rückläufigen Fleischkonsum sowie dem hohen Preisdruck in der Branche. „Bei Flepro arbeiten in der Produktion keine billigen Hilfskräfte, die nach Dosierungsanweisung ein uniformes Nahrungsmittel anrühren“, unterstreicht Zimmermann. „Hier finden Sie ausschließlich gelernte Metzger, Metzgermeister und erfahrene Fachkräfte, die mit Herz und Verstand richtig gute Wurst machen.“ Zudem wird nur hochwertiges Fleisch aus der Region verarbeitet. „Es ist klar, dass die Kostenstruktur dann eine andere ist als bei industriellen Fleischverarbeitern. Dafür ist die Qualität aber auch unvergleichlich besser“, erläutert Detlef Gereke, Mitgeschäftsführer der Flepro.
Flepro arbeitet bewusst nach alten Rezepten und handwerklichen Herstellungsmethoden und verwendet für seine Fleisch- und Wurstwaren ausschließlich traditionelle Gewürze sowie keine künstlichen Farbstoffe. Für seine Produkte ist Flepro mehrfach auf internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden, darunter von der renommierten französischen „Bruderschaft der Ritter der guten Wurst“. Das Fleisch stammt von einem für seine hohen Tierschutzstandards prämierten Schlachthof in Halberstadt, der wiederum das Schlachtvieh von Bauernhöfen im Harz bezieht. „Wir haben zwei Grundsätze“, sagt Metzgermeister und Flepro-Geschäftsführer Henry-Peter Grimm, der bereits seit 1978 im Unternehmen arbeitet. „Wir machen nur, was wir selber essen würden und wir wollen, dass das Vieh und Schlachtgut, das wir verarbeiten, mit Respekt behandelt werden. Das ist Teil unserer Berufsehre als Metzger.“
Die Wurzeln der Flepro Bernburg Fleisch- und Wurstwaren GmbH reichen zurück bis ins Jahr 1958: Damals schlossen sich private Fleischermeister in Bernburg zur PGH Flepro zusammen. Nach der Wende wurde der Betrieb dann in die Flepro GmbH umgewandelt, unter der er bis heute firmiert. „Produktionsseitig macht Flepro alles richtig“ sagt Zimmermann. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass mehr Leute dies mitbekommen und wir neue Kunden gewinnen, die genau das zu schätzen wissen. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass hohe Qualität billig sein kann.“