Im Jahr 2021 weisen alle Indikatoren, die den Verkauf von Antibiotika in der belgischen Tiermedizin dokumentieren, einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr aus. Der Gesamtverkauf des Therapeutikums sowohl in der Nutz-, als auch in der Haustierhaltung war insgesamt um 8,4 Prozent rückläufig. Während der Verkauf von Colistin und Futtermitteln mit Antibiotikazusatz um 12,3 Prozent oder 12,9 Prozent sank, wurde im Bereich der kritischen Antibiotika ein Minus von 42,8 Prozent erzielt. Das geht aus den Zahlen des belgischen Wissenszentrums „Surveillance of Antibiotic Consumption“ (AMCRA) hervor. Nach der 2014 verabschiedeten Antibiotika-Absichtserklärung „Vision 2020“ wurde Anfang 2021 die Folgeversion „Vision 2024“ vom belgischen Föderalstaat, AMCRA und den Branchenpartnern unterzeichnet.
Für Schweine, Masthähnchen und Fleischkälber wurden spezifische Ziele festgelegt. Grundlage ist die obligatorische betriebliche Registrierung des Antibiotikaeinsatzes im nationalen Datenerfassungssystem Sanitel-Med. Bei den genannten Tierarten war der Antibiotikaeinsatz im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020, ebenso wie im Vergleich zu 2018 (Referenzjahr), deutlich rückläufig. Bei neun Prozent und 13 Prozent der Schweine- und Kälbermastbetriebe wurde ein strukturell hoher Antibiotikaeinsatz registriert. Im Bereich der Masthähnchen trifft das lediglich auf 0,4 Prozent der Betriebe zu.
In puncto Monitoring der Antibiotikaresistenzen gibt es laut AMCRA-Koordinatorin Dr. med. vet. Fabiana Dal Pozzo gute Nachrichten: „Der rückläufige Trend der Anzahl multiresistenter E. coli-Stämme von Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, setzt sich 2021 fort, ebenso wie der Rückgang der Antibiotikaresistenz gegen kritisch wichtige Antibiotika. Bei anderen Bakterien, die von Nutztieren stammen, ist eine Stabilisierung oder ein leichter Rückgang der Resistenz festzustellen.
„Auch wenn die Ergebnisse des Antibiotikaeinsatzes und der Antibiotikaresistenz für das Jahr 2021 einen Fortschritt gegenüber dem Vorjahr ausweisen, so zeigt die Analyse der Ergebnisse nach Tierarten doch, dass bis Ende 2024 noch einige Hürden zu nehmen sind. Dabei sind Benchmarking, Identifizierung von Großverbrauchern und Coaching von Betrieben mit strukturell hohem Antibiotikaeinsatz wichtige Instrumente“, so die AMCRA-Koordinatorin.