Die Betriebsübergabe in einem Handwerksbetrieb ist ein komplexes Thema. Experten empfehlen für einen reibungslosen Generationswechsel eine frühe Planung, eine für beide Seiten vertretbare Preisfindung sowie einen Notfallplan.
Die Übergabe eines Betriebes an die nächste Generation ist für Handwerksmeister eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Ein Nachfolger aus der Familie oder von außen? Verkauf oder Pacht gegen Pensionszusage? Wie sind die steuerlichen Wirkungen? Komplexe Fragen, denen sich laut Edeltraud Wegener vom Institut für Betriebsführung (IBF), Basel/Schweiz, aber jeder Inhaber stellen muss. Denn das größte Risiko ist, nichts zu tun. Wer erst unter dem Druck des Alters oder von Modernisierungszwängen nach einer Lösung sucht, riskiert gegebenenfalls die Existenz des Betriebes, so Wegener.
Bei einem Vortrag für die Fleischer-Innung Nürnberg warb die Juristin für eine frühe Weichenstellung. Denn die rechtzeitige Übergabe könne nicht nur frische Liquidität in die Firma bringen und deren Rating verbessern, sondern auch strategische Neuausrichtung und Professionalisierung ermöglichen. Oft jedoch tun sich die Übergeber damit schwer, können nicht loslassen oder haben völlig unrealistische Ziel- und Ablösevorstellungen. Anderseits schätzen potenzielle externe Übernehmer oft die Investitionen in den metzgertypischen Maschinenpark oder in die Erfüllung der EU-Hygiene-Maßgaben falsch ein oder tun sich mit der ungewohnten Mitarbeiterführung schwer.
Preisfindung ein heikles Thema
„Wer einen Nachfolger in der Familie findet, ist besser dran“, sagt Wegener, eine von 70 Betriebsberatern des in Basel und Düsseldorf ansässigen IBF. Laut einer internen Statistik werden 54 Prozent der Betriebe familiär übergeben, 17 Prozent an Mitarbeiter und 29 Prozent an betriebsfremde Bewerber. Ist ein Kandidat gefunden, stellen sich weitere Fragen: Verkauf, Schenkung oder Pacht? Brauche ich selbst neben meiner Rente noch Einkünfte? Auch die Besitzverhältnisse für Gebäude und Grundstück müssen geklärt sein. Laut Wegener ein besonders heikles Thema: die Preisfindung. Denn zu hohe Summen seien für einen jungen Handwerker auf dem Weg in die Selbstständigkeit meist nicht finanzierbar. Wagt er es trotzdem, droht wegen hoher Belastungen eventuell später die Insolvenz. Die Expertin empfahl zur Preisermittlung entweder das „Substanzwert-Verfahren“ (Summe aller Vermögensgegenstände – Grund, Gebäude, Maschinen, Ware etc.) oder das „Ertragswert-Verfahren“ (Summe der zu erwartenden Gewinne). Letztlich gilt: „Der Markt bestimmt den Preis!“
- Info
- Einer internen IF-Statistik zufolge werden 54 Prozent der Betriebe familiär übergeben, 17 Prozent an Mitarbeiter
und 29 Prozent an betriebsfremde Bewerber.
Gleitende Übergabe ist ideal
Ideal findet Wegener eine gleitende Übergabe, die durch einen Vorvertrag eingeleitet werden könnte. Der Nachfolger könnte in mehreren Stufen eingebunden werden, zum Beispiel erst in Abteilungsleiterposition, dann durch Übernahme des operativen Geschäfts und später des Gesamtbetriebes. Mit einem durchdachten Übergabekonzept ließen sich Details zu Fragen wie Verkauf, Verpachtung, Vermietung, Vorweggenommene Erbfolge, Erbvertrag oder Haftung für schwebende Geschäfte regeln.
Auch wenn die von der deutschen Politik geplante Reform der Erbschaftsteuer wohl keine Verbesserung für die Betriebe bringen wird: Nach Ansicht von Edeltraud Wegener und ihres Kollegen Ulrich Voigt sollten Betriebsinhaber steuerliche oder juristische Aspekte ihrer Übergabepläne nicht überbewerten. Zunächst muss die grundsätzliche Zielrichtung der Nachfolge klar sein – danach kann die bestmögliche rechtliche und steuerliche Umsetzung für alle Beteiligten erarbeitet werden.
Stets einen Notfallplan in der Schublade haben
Den etwa 30 Zuhörern in Nürnberg legten die auf Handwerk und Mittelstand spezialisierten Fachleute zudem die Erstellung eines Notfallplans ans Herz. 70 Prozent der Unternehmen hätten keinen, was bei Unfall, Krankheit oder Tod des Inhabers zu bestandsgefährdenden Problemen führen kann. Das fängt etwa damit an, dass jemand im Ernstfall wissen muss, wo die Schlüssel für die Produktions- und Verkaufsräume der Metzgerei zu finden sind. Eine Checkliste hilft, die wichtigsten betrieblichen Vorgänge am Laufen zu halten – zum Beispiel mit den Kontaktdaten von Steuerberater, Rechtsanwalt, Bankberater, schriftlicher Dokumentation interner Abläufe und von Vereinbarungen mit Kunden.
Für den Todesfall sollten Vermögensverhältnisse oder Erbregelungen geprüft, die wichtigsten Dokumente wie Testament (eigenhändig oder notariell gefertigt), Ehevertrag, Gesellschaftsvertrag, Versicherungspolicen oder Kapitalanlagen sicher und wiederauffindbar hinterlegt werden.
Als wichtigste Themenfelder rund um die Betriebsübergabe nannte Wegener zusammenfassend: Steuern, Wert des Betriebes, Versicherungen, Verträge, Altersversorgung und Formalitäten. Hilfe dabei erhalten Metzgereiinhaber zum Beispiel von der Handwerkskammer, der Innung, der Gemeinde, ihrem Rechtsanwalt, Steuer-, Bank- und Versicherungsberater oder Beratungsunternehmen wie dem IBF. Ziel sei eine für alle Seiten gute Lösung nach dem Motto: „Meine Mitarbeiter sollen sagen können: Das mit der Altersübergabe hat der Chef gut gemacht.“