Das Konzept der Offenstallhaltung bietet vielseitige Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich Tierwohl und Umweltschutz. Davon konnte sich der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies bei seinem Besuch auf dem Hof Bodenkamp in Samern am 18. Juni überzeugen. Auch Vertreter der kommunalen Verwaltung, des Agrar + Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (aef) und des Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen begleiteten den Besuch.

„Gute Haltungsbedingungen und die Beachtung unserer verbindlichen Umweltstandards sollten sich nicht ausschließen“; sagte Umweltminister Olaf Lies. „Jetzt gilt es zu prüfen, wie sich beide Zielsetzungen rechtlich vereinbaren lassen.“
Bei einem Offen- oder auch Außenklimastall ist der Stall an mindestens einer Seite komplett offen und in seinen Funktionsbereichen dem natürlichen Verhalten der Schweine angepasst. Auch wenn tiergerechte Haltungsformen dieser Art politisch gefordert werden und in der Öffentlichkeit große Akzeptanz erfahren, stoßen Landwirte bei der praktischen Umsetzung oft auf bürokratische und rechtliche Hürden. Insbesondere beim Bau- und Immissionsschutzrecht sorgt die aktuelle Genehmigungslage für Konflikte. Daher sprachen Landwirt Dr. Jens van Bebber, Gründungsmitglied im Offenstall-Verein, und Olaf Lies bei ihrem gemeinsamen Rundgang durch den Offenstall insbesondere über Verbesserungsmöglichkeiten dieser Rahmenbedingungen. Dies ist auch das Thema des interministeriellen Arbeitskreises (IMAK) der niedersächsischen Landesregierung, der seit zwei Jahren auf Wunsch des aef besteht und auch von der neuen Regierung fortgesetzt wird.
Wissenschaftlicher Forschungsbedarf bei der Emissionslage
Für eine Anpassung der Genehmigungsverfahren fehlt derzeit aber noch die wissenschaftliche Datengrundlage. „Aufgrund des ungefilterten Frischluftkontakts, durch den sich ein Offenstall auszeichnet, wird oft vorschnell von einer schlechteren Emissionslage als bei konventionellen Warmställen ausgegangen“, erklärt van Bebber den Grund, warum aktuell viele Landwirte keine Genehmigung für ihre Offenställe bekommen. „Dabei ist dies bislang weder wissenschaftlich erwiesen, noch deckt es sich mit unseren praktischen Erfahrungen.“
Tatsächlich sei beim Hof Bodenkamp laut van Bebber sogar das Gegenteil der Fall: Allein durch bautechnische Maßnahmen sollen sich die NH3-Emissionen um ca. 50 Prozent reduzieren. Auch die den Bedürfnissen der Tiere angepassten Funktionsbereiche können in Verbindung mit niedrigeren Stalltemperaturen, spezieller Fütterung, begrenzter Kotfläche und einer freien Lüftung Emissionen mindern. Im Hinblick auf Luftqualität und Energieverbrauch bieten Offenställe ebenfalls großes Potential zur Umweltentlastung. Dies gilt es von der bautech-nischen Seite weiterzuentwickeln und wissenschaftlich zu verifizieren.