Vom 27. bis 29. September 2022 trifft sich die Verpackungsbranche in Nürnberg auf der Fachpack, der europäischen Fachmesse für Verpackung, Technik und Prozesse. Über 1.100 Aussteller werden ihre Produktneuheiten dem Fachpublikum aus allen verpackungsintensiven Branchen präsentieren.
Die Verpackungsbranche befindet sich im Umbruch. Nachhaltigkeit, Digitalisierung, E-Commerce und vieles mehr verändern das Geschäft mit der Verpackung grundlegend. Und die Pandemie hat den Prozess beschleunigt. Diesen gerade stattfindenden Wandel bringt das neue Leitthema „Transition in Packaging“ zum Ausdruck. „Dabei haben wir bewusst nicht den derzeit so oft verwendeten Begriff der Transformation gewählt“, erklärt Heike Slotta, Executive Director Exhibitions, NürnbergMesse. Sie verweist auf den Trendforscher Harry Gatterer, Geschäftsführer beim Zukunftsinstitut, der schreibt: „Transformationen leben von Transitionen“. Gemeint ist damit, dass es eine Strategie der vielen kleinen Schritte und Übergänge (Transitionen) braucht, um große Umbrüche zu meistern. Denn den meisten fehle der Mut, einen großen Transformationssprung mit abstraktem Ziel in der Zukunft zu wagen. Auf der Fachpack 2022 werden viele kleine und auch größere Beispiele für diese Übergänge zu sehen und Aufbruchserzählungen zu hören sein – an den Messeständen, in den Vortragsforen und auf der Sonderschau.
Die NürnbergMesse geht davon aus, dass in diesem Jahr mehr als 1.100 Aussteller (plus 40 %) ihr Angebot rund um die Prozesskette Verpackung für Industrie- und Konsumgüter präsentieren werden: Packstoffe und Pack(hilfs-)mittel, Abfüll- und Verpackungsmaschinen, Etikettier-, Kennzeichnungs- und Identifikationstechnik, Maschinen und Geräte in der Verpackungsperipherie, Verpackungsdruck und -veredelung, Palettiertechnik, Intralogistik sowie Services. Als Treffpunkt des europäischen Verpackungsmarktes zieht die Fachpack Besucher aus allen verpackungsintensiven Branchen an, unter anderem aus den Bereichen Lebensmittel, Getränke und Genussmittel.
Während der Fachpack 2021 führte ein unabhängiges Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Befragungen bei Ausstellern und Besuchern durch. Vor allem bei der Frage nach neuen Leads und der Qualität des Fachpublikums stiegen die Werte im Vergleich zur Vorveranstaltung in 2019 nochmals: 95 Prozent der Aussteller konnten auf der Messe 2021 neue Kontakte knüpfen (2019: 91 %). Und sogar 96 Prozent der Aussteller waren mit der Qualität des Fachpublikums zufrieden (2019: 93 %), denn zwei Drittel der Fachbesucher sind in leitenden Positionen tätig (64 %). Und: 88 Prozent der Besucher sind Entscheider, also in Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen ihres Betriebs einbezogen.
Auch die Besucher der Fachpack 2021 zeigten sich mit ihrem Messebesuch sehr zufrieden (94 %). Nahezu jeder dritte Fachbesucher der Fachpack 2021 reiste aus dem Ausland an (29 %). Aus 70 Ländern kamen sie nach Nürnberg.
Die Verpackung von morgen
Zu den regelmäßigen Ausstellern auf der Fachpack gehört das Fraunhofer IVV in Freising bei München. Es ist bekannt für seine Expertise im Bereich der Verpackung, aber auch im Lebensmittelbereich. Die Schutzfunktion der Verpackung für Lebensmittel spielt deshalb eine große Rolle in den Betrachtungen der Forschenden. Lebensmittelsicherheit, Verpackung und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand. „Nachhaltigkeitsaspekte beinhalten für uns auch die Haltbarkeit von Lebensmitteln, die durch Verpackungen gewährleistet wird. So können Lebensmittelverluste reduziert werden“, erklärt Swantje Eissing. Als Geschäftsfeldmanagerin für den Bereich Verpackung am Fraunhofer IVV verantwortet sie eine zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Industrie. „Ich bin seit über einem Jahr im Fraunhofer IVV. Zuvor war ich bei Markenartiklern in der Lebensmittelindustrie in der Forschung und Entwicklung aktiv. Dadurch kann ich die Bedürfnisse der Industrie sehr gut mit der Forschung verknüpfen“.
Das Forschungsfeld im Fraunhofer IVV ist gerade wie die gesamte Verpackungsbranche stark vom Thema Nachhaltigkeit geprägt. „Sowohl Konsumenten als auch Handel und Politik haben darauf in den letzten Jahren einen starken Fokus gerichtet und somit einen Megatrend angestoßen. In der Materialentwicklung gehen wir insbesondere die Themen Recyclingfähigkeit von Materialien und Rezyklateinsatz an. Dabei konzentrieren wir uns ganz speziell auf die Substitution von Multilayer-Kunststoffen durch Monomaterialien“, erklärt die Verpackungsingenieurin. Aber auch die Substitution von Kunststoffen durch faserbasierte Rohmaterialien oder biobasierte Verpackungen sind wichtige Forschungsfelder am Institut.
Von Einweg zur Kreislaufwirtschaft
Nach den Worten von Swantje Eissing sollen Verpackungen den Weg für „Mehrweg im weitesten Sinne ebnen“. Dabei beschreibt die Geschäftsfeldmanagerin nicht solche Verpackungen, die gegen Pfand wieder zurückgegeben werden, sondern den Mehrweg im Bereich des Materialeinsatzes, also der Kreislaufwirtschaft.
„Die gesamte Wertschöpfungskette ist im Moment in einer Transformation. Es bedarf der engen Abstimmung aller einzelnen Teilnehmer. Hersteller, Verpacker und Recycler müssen sich über die zu verwendenden Materialien austauschen. Der Anwender muss Materialien einsetzen, mit denen der Recycler wieder etwas anfangen kann. Die Recycler wiederum müssen das Material so sortieren und aufbereiten, dass am Ende wieder ein gutes Ausgangsmaterial für die Hersteller entsteht“, so Swantje Eissing. Gerade bei der Sammlung und Sortierung von Materialien, die dann wieder als Verpackungsmaterialien verwendet werden können, gibt es noch große Unterschiede in den Technologien und Möglichkeiten. Das macht eine einheitliche Betrachtung europaweit schwierig.
Wandel mit Herausforderungen
Die Lebensmittelbranche gehört zu den Bereichen, die den größten Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit von Verpackungen gegenübersteht. „Das liegt nicht daran, dass die Branche nicht will, es ist vielmehr den speziellen Anforderungen an Lebensmittelverpackungen geschuldet. Aspekte wie Lebensmittelsicherheit und Gesetze setzen klare Anforderungen und auch Grenzen. Das in Einklang zu bringen, ist woran wir am Fraunhofer IVV forschen“, erklärt Swantje Eissing.
Das Team im Fraunhofer IVV arbeitet gemeinsam mit Partnern zum Beispiel daran, wie sichergestellt werden kann, dass Lebensmittelverpackungen in der Sortieranlage auch als solche erkannt und dann auch wiederverwendet werden. Das kann zum Beispiel über Codes oder Marker in den Verpackungen geschehen.
Das noch laufende EU-geförderte Projekt Circular Food Pack hat diesen nächsten Schritt, also die Prüfung genau solch eines Kreislaufes zur Wiederanwendung von Rezyklaten im Lebensmittelbereich zum Ziel. Entwickelt werden hier abseits der Sortiertechnologien auch funktionelle Barrieren, mit deren Hilfe am Ende ein Material entsteht, das wieder für den Einsatz als Lebensmittelverpackungen geeignet ist und sie im Kreislauf hält.
Ein Forschungsansatz, in dem bereits wichtige Fortschritte gemacht wurden, was die Kreislauffähigkeit von Verpackungen angeht, ist die Entwicklung von Monofolien. „Entwicklungen laufen hier noch und bringen stetig neue spannende Erkenntnisse“, betont Swantje Eissing.
Das Thema Verpackungen sei derzeit topaktuell, stellt die Forscherin fest, es „bewegt die gesamte Gesellschaft. Egal ob man Verpackungsfachkenntnisse hat oder nicht – jeder hat als Konsument eine Meinung zu Verpackungen.“ In diese Materie einzusteigen, die vielfältigen Anforderungen miteinander zu verweben und den Nachhaltigkeitsaspekt innerhalb der Forschung für die Industrie voranzubringen, findet sie besonders spannend an ihrer Aufgabe.