
Es ist wohl typisch Sauerland: Auch wenn der Besitzer bereits in der dritten Generation Willmes heißt, nennt sich die Metzgerei immer noch nach dem Hausnamen. Merte, eine Abkürzung von Martin, ist seit dem 18. Jahrhundert ein Begriff in Schmallenberg. Bernd Willmes führt den Betrieb seit 1987 und hat kräftig investiert. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia ist er derzeit für eine Produktionsstätte, 100 Mitarbeiter und neun Fachgeschäfte, verantwortlich.
Bereits mit 21 Jahren hat Bernd Willmes die Fleischermeisterprüfung abgelegt. Der Bezug zur Landwirtschaft prägte bereits früh den Wunsch nach Regionalität und besonderer Fleischqualität. Das Fleisch bezieht die Metzgerei Merte von persönlich bekannten Landwirten aus der Region, die ihren Tieren mehr Platz im Stall erlauben und Wert auf Tierwohl und gesundes Futter legen. Die Entfernung zu den jeweiligen Schlachtstätten beträgt lediglich ein bis 50 Kilometer.
Seit über 20 Jahren hat sich der Metzger auf das Fleisch der Färse spezialisiert. „Das ist unser eigenes Qualitätssiegel. Die Kunden schätzen den besonderen Geschmack und die Marmorierung des Fleisches.“ Besonders beliebt sind die Brüh- und Grillwürste. „Wir beliefern die Gastronomie, Schausteller und Imbisswagen mit unserer Ware.“ Mittags bietet der Handwerksmeister jeweils ein frisch zubereitetes Tagesgericht. Für Kurzentschlossene gibt es einen 24/7-Automaten, der nicht nur während Corona gute Umsätze erzielte. In naher Zukunft ist die Ausweitung auf einen Smart-Store geplant. Im eigenen Online-Shop kann man Wurst, Fleisch, Geschenkkörbe und Convenience-Produkte bequem nach Hause bestellen.
Knapp 35 Jahre hat sich die Metzgerei Merte weit über Schmallenberg hinaus einen hervorragenden Namen in Sachen Partyservice gemacht. Letztlich war es die Corona-Pandemie, die Bernd Willmes zur Aufgabe dieses Geschäftsfeldes animierte. „Die langen Arbeitszeiten, der hohe Preisdruck und der große Aufwand waren einfach nicht mehr zu stemmen.“ Im Sinne einer ausgewogeneren Work-Life-Balance arbeitet die Produktion jetzt nur noch an fünf Werktagen. Folglich hat der Metzgermeister weniger Probleme, Fachkräfte und Auszubildende zu gewinnen. In Sachen Nachfolge ist man auf einem guten Weg: Sohn Paul hat in Augsburg seinen Fleischermeister gemacht und lernt gerade für den Betriebswirt.
Auch in seiner Freizeit bleibt der engagierte Metzgermeister dem Handwerk treu. Gemeinsam mit seinem Bruder kümmert sich Bernd Willmes um die Restaurierung alter Autos. Dabei geht es ihm weniger um eine Fahrt im Oldtimer, sondern um die Bewahrung alter Schätze.
Für Die Fleischerei ist am Sonntag Zeit. Nach einer ausführlichen Lektüre der Tageszeitung greift Willmes zum Fachmagazin und interessiert sich besonders für die Berichte von Kollegen. Auch wenn sein Handwerksbetrieb technisch auf dem neuesten Stand ist und er ziemlich digital unterwegs ist (Facebook, Instagram), freut sich der Sauerländer über ein Magazin zum Anfassen und Blättern.
Willmes liebt Geschmortes: „Für ein Gulasch oder einen Braten lasse ich jedes Grillfleisch stehen.“