Schon als Schüler half Leon Spaar in der Metzgerei seines Vaters mit, heute ist er Fleischermeister und fest im Familienbetrieb eingeplant. Im Gespräch berichtet er von den Herausforderungen der Meisterprüfung, seinen Plänen für Organisation und Marketing – und warum für ihn feststeht, dass das Fleischerhandwerk Zukunft hat.

Glückwunsch zum Meister, Herr Spaar! Welche Stationen haben Sie auf Ihrem Weg dorthin durchlaufen?
Leon Spaar: Schon während meiner Schulzeit habe ich gelegentlich in der Metzgerei meines Vaters ausgeholfen. Dabei wurde mir klar, wie wichtig mir der Kontakt zu Menschen ist und wie sehr mich das Metzgerhandwerk interessiert. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung bei den Limes-Metzgern in Hunger begonnen. Durch meinen Abschluss konnte ich direkt ins zweite Lehrjahr einsteigen und schloss die Lehre schließlich als Klassenbester ab. Anschließend arbeitete ich rund ein Jahr im Betrieb meines Vaters. Weil ich meine Zukunft in unserer Metzgerei sehe, habe ich im Herbst 2025 mit der Meisterausbildung begonnen. Als Nächstes plane ich den Kurs zum Fleischsommelier.
Was spricht aus Ihrer Sicht für die Meisterprüfung?
Für alle, die sich selbstständig machen oder mehr Verantwortung übernehmen wollen, ist der Meister die logische Konsequenz. Außerdem erhält man noch einmal einen völlig neuen, vertieften Einblick in die Materie.
Was war für Sie die größte Herausforderung in der Meisterschule?
Ganz klar: die enorme Stoffmenge in kurzer Zeit. Von meinen Erfahrungen aus der Abi-Phase konnte ich da sicher profitieren. Gleichzeitig war ich während der Meisterausbildung deutlich motivierter als früher in der Schule. Ich wusste ja genau, wofür ich das alles mache, außerdem hat es mir mehr Spaß gemacht. Und man lernt Gleichgesinnte kennen, mit denen man sich auch über die Ausbildung hinaus ein starkes Netzwerk aufbauen kann.
Konnten Sie sich in der Metzgerei ihres Vaters gut auf die Prüfung vorbereiten?
Ja, auf jeden Fall. Wir schlachten seit einigen Jahren bei einem Metzgerkollegen und verarbeiten die Schweinhälften dann bei uns zu verschiedenen Fleisch- und Wurstspezialitäten weiter. Ein weiteres wichtiges Standbein unseres Betriebs ist der Partyservice und „Essen auf Rädern“. Rund 1.000 Portionen verlassen täglich unsere Küche.
Welche Inhalte haben Sie in der Meisterausbildung am meisten überrascht?
Überrascht hat mich eigentlich nichts. Durch Gespräche mit meinem Vater und anderen Meisterabsolventen wusste ich ziemlich genau, was auf mich zukommt. Die Meisterschule war vor allem eine intensive Vertiefung dessen, was man in Ausbildung und Berufsschule gelernt hat. Neu dazu kam der Ausbilderschein und verschiedene BWL-Themen, also beispielsweise Rechnungswesen und Buchführung. Deutlich zu spüren war allerdings die strengere Bewertung im Vergleich zur Gesellenprüfung.
Name: Leon Spaar
Alter: 22
Meisterschule: Frankfurter Fleischer-Fachschule Heyne
Welchen Moment während der Prüfung werden Sie nicht vergessen?
Einen besonderen Moment während der Prüfung selbst gab es nicht. Wirklich emotional wurde es erst bei der Bekanntgabe der Ergebnisse. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, damit wirklich jeder durchkommt. Als der Schulleiter und der Prüfungsausschuss schließlich verkündet haben, dass alle Teilnehmer bestanden haben, war das ein sehr bewegender Moment.
Welche Aufgaben hatten Sie konkret zu bearbeiten?
Zunächst mussten wir das Fleisch klassifizieren, also zum Beispiel das Alter und Geschlecht des Tieres benennen. Dann mussten wir eine Rinderkeule ausbeinen und innerhalb einer Stunde ladenfertig zuschneiden. Im anschließenden Fachgespräch wurde über die Fleischteile und Beispiele für Verarbeitungsmöglichkeiten gesprochen. Danach standen zwei Wurstsorten auf dem Programm, außerdem küchenfertige Erzeugnisse, dekorierte Wurstplatten und ein gedeckter Tisch. Am entspanntesten war für mich die Wurstprüfung. Zeitlich eng wurde es bei der Rinderkeule, den küchenfertigen Erzeugnissen und der Deko. Wenn man Tomatenrosen oder Zucchini-Fächer schnitzt, darf man sich nicht zu sehr verkünsteln, sonst läuft einem die Zeit davon.
Auf welches Werkzeug oder welche Maschine können Sie bei der Arbeit nicht verzichten?
Auf Messer, Kutter und Wolf, die brauchen wir jeden Tag, ohne die läuft nichts. Für die Mittagsverpflegung sind unsere „Kipp-Pfannen“ eine enorme Erleichterung.
Was wird sich mit Ihrem Eintritt in die Metzgerei Spaar künftig verändern?
Ich möchte die Organisation und die Abläufe vereinfachen, um die Arbeit für alle im Team leichter zu machen. Wir sind ein kleiner Betrieb, da ist ein gutes Betriebsklima entscheidend. Mit einem derzeit stattfindenden Umbau schaffen wir mehr Platz für einzelne Arbeitsschritte. Außerdem werde ich mich stärker um das Marketing kümmern, also auch um Instagram und Facebook. Letztlich wird sich alles Schritt für Schritt ergeben. Wichtig ist mir, dass wir Strukturen schaffen, die für alle funktionieren. Und dass wir gemeinsam weiterentwickeln, was gut ist.
Was essen Sie am liebsten?
Ich esse grundsätzlich gerne alles aus unserer Metzgerei. Festlegen fällt mir schwer, aber ein frisch gebackenes Schnitzel, ein Mettbrötchen oder ein gutes Rinderfilet gehören sicher zu meinen Favoriten.
Wenn Sie nicht in der Metzgerei arbeiten, wo findet man Sie dann?
Ich verbringe gern Zeit mit meiner Freundin und Freunden. Sportlich bin ich im Fitnessstudio unterwegs. Früher habe ich viel Handball gespielt, aber Teamsport passt aktuell nicht mehr gut zu meinem Arbeitspensum. Außerdem engagiere ich mich bei der Freiwilligen Feuerwehr im Dorf.
Wo sehen Sie das Fleischerhandwerk in zehn Jahren?
Ich wünsche mir, dass unser Berufsbild wieder attraktiver wird. Viele Aspekte – Arbeitszeiten, körperliche Belastung, Bezahlung – werden oft negativ gesehen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass unser Handwerk Zukunft hat. In unserem Beruf braucht man keine Angst vor der KI haben. Sie kann unterstützen, ersetzen aber nicht. Essen und feiern werden die Menschen immer, und dazu gehört für viele auch Fleisch. Entscheidend wird sein, dass man sich breit aufstellt, mehrere Standbeine hat und ehrliches Handwerk lebt.
Metzgerei Spaar

Die Metzgerei Spaar liegt in der Gemeinde Buseck im mittelhessischen Landkreis Gießen. Seit 25 Jahren führt Metzgermeister Werner Spaar den Familienbetrieb, und das vielzitierte Wortspiel „selbst und ständig“ beschreibt seinen Arbeitsalltag wohl treffender als alles andere. In seinem mittelständischen Betrieb versorgt Spaar gemeinsam mit seinem Team, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Christina Spaar und der gesamten Familie, Kitas, Schulen, Firmen sowie rund 250 Seniorinnen und Senioren täglich mit frisch gekochten Mahlzeiten. Täglich ist hier im wahrsten Sinne gemeint: Auch samstags und sonntags stehen Werner Spaar und „Oma Margarethe” gemeinsam am Herd. Lediglich am zweiten Weihnachtsfeiertag ruht der Betrieb komplett. Dafür erhalten die Senioren bereits am 1. Weihnachtstag eine Doppelportion. Insgesamt gehen so pro Tag über 1.000 frisch zubereitete Essen „auf Rädern“ hinaus, transportiert in wiederverwendbaren Thermoboxen. Parallel dazu stemmt die Mannschaft die Herstellung des Sortiments für den Laden und Catering-Aufträge. Um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, investiert die Metzgerei derzeit kräftig in die Zukunft: Ein neuer Anbau, eine modernisierte Küche sowie Umstrukturierungen in Lagerräumen und Vorbereitung sollen den Betrieb fit für die kommenden Jahre machen. Seit Februar 2026 ist auch Sohn Leon Spaar mit neuen Ideen für Metzgerei und Marketing am Start.