Fleischerhandwerk: Wirtschaftliche Lage stabil bis durchwachsen

Im Oktober hatte der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) seine Mitglieder zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und zu ihren Erwartungen für die kommenden Monate befragt. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sich die wirtschaftliche Lage im Fleischerhandwerk im dritten Quartal 2025 insgesamt stabil, aber weiterhin herausfordernd darstellt. Trotz einzelner positiver Entwicklungen ist die Stimmung in der Branche gedämpfter als zu Jahresbeginn.

Insbesondere die steigenden Kosten für Material und Personal sowie die zunehmende Bürokratisierung und der Fachkräftemangel bereiten den Betrieben des Fleischerhandwerks Sorgen.
Insbesondere die steigenden Kosten für Material und Personal sowie die zunehmende Bürokratisierung und der Fachkräftemangel bereiten dem Fleischerhandwerk Sorgen. - © DFV

Zwar konnten rund ein Drittel der Betriebe ihre Umsätze steigern, doch gehen gleichzeitig viele Unternehmen von rückläufigen Erträgen und Absatzmengen aus. Sorgen machen die steigenden Kosten für Material und Personal. Offensichtlich konnten die steigenden Kosten noch nicht in ausreichendem Maße an die Kunden weitergegeben werden. Gleichzeitig führen die steigenden Preise bei den Kunden zu einer leichten Kaufzurückhaltung.

Rund 36 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Innungsmitglieder (insgesamt 98) geben an, dass sich ihr Umsatzim Jahr 2025 verbessert hat. Etwa ebenso groß ist der Anteil der Betriebe, die Umsatzrückgänge verzeichnen. Vergleicht man die aktuellen Angaben mit den Ergebnissen der Befragung vom Frühjahr, zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen mit rückläufigen Umsätzen leicht angestiegen ist.

Ertragslage verschlechtert

Etwa jedes fünfte Unternehmen berichtet von einer Verbesserung der Erträgeim Laufe des Jahres. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten geht jedoch von sinkenden Erträgen aus. Damit ist der Anteil der Betriebe, die eine negative Ertragsentwicklung im Vergleich zum Vorjahr angeben, spürbar gestiegen.

Auch bei der verkauften Warenmengezeigt sich eine rückläufige Tendenz gegenüber dem Vorjahr. Rund 30 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Absatzmenge gesunken ist – ein Wert, der im Vorjahr noch etwas niedriger lag.

Insgesamt wird deutlich: Der Anteil der Fleischereien mit steigenden Umsätzen ist leicht zurückgegangen, während der Anteil der Betriebe mit sinkenden Erträgen deutlich zugenommen hat. Zudem melden mehr Fleischereien als im Vorjahr eine rückläufige Warenmenge.

Knapp über die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, derzeit mit der Geschäftslage zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im Januar lag dieser Wert mit fast 70 Prozent noch deutlich höher. Der Rückgang der Zufriedenheit lässt sich sowohl auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung als auch auf den Zeitpunkt der ersten Befragung zurückführen, die unmittelbar nach dem für viele Betriebe erfolgreichen Weihnachtsgeschäft stattfand.

Probleme und Sorgen

Insbesondere die steigenden Kosten – sowohl für Material als auch für Personal – sowie die zunehmende Bürokratisierung und der Fachkräftemangel bereiten den Betrieben Sorgen. Rund 80 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer äußern in diesen vier Bereichen Bedenken.

Bei der Betrachtung der großen Sorgen stehen, wie schon in den Vorjahren, die Bürokratisierung und der Mangel an Fachkräften an erster Stelle. Erfreulicherweise ist der Anteil der Unternehmen, die in diesen Bereichen große Sorgen angeben, spürbar gesunken. Deutlich zugenommen hat hingegen der Anteil der Betriebe, denen die steigenden Kosten erhebliche Sorgen bereiten. Dies dürfte vor allem auf die stark gestiegenen Preise für Rindfleisch, die nur langsam sinkenden Preise für Schweinefleisch sowie auf die angekündigten Erhöhungen des Mindestlohns zurückzuführen sein.

Die Sorge vor weiteren Energiekostensteigerungen und einer anziehenden Inflation hat sich deutlich abgeschwächt. Kaufzurückhaltung oder die Abwanderung von Kundschaft bereiten nur wenigen Betrieben ernsthafte Sorgen – ebenso wenig wie eine zunehmende Verbreitung vegetarischer Ernährungsformen. Etwas zugenommen hat dagegen die Sorge um eine sinkende Verfügbarkeit von Rohstoffen (Fleisch), auch wenn diese Problematik nur selten als gravierend empfunden wird.

Gebremste Erwartungen

Die Erwartungen für die Zukunft fallen verhalten aus. Etwas mehr als 70 Prozent der Befragten gehen zwar davon aus, dass sich die Geschäftslage stabil entwickeln oder verbessern wird, während knapp 30 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Insgesamt ist jedoch der Anteil der Fleischereien gestiegen, die eher von einer Stagnation als von einer Verbesserung ausgehen. Der Anteil derjenigen, die eine negative Zukunftserwartung äußern, liegt leicht unter dem Wert der Befragung im Frühjahr.

Von einer spürbaren Trendwende ist die Branche noch entfernt – vielmehr dominiert ein vorsichtiger Realismus, der die aktuellen Belastungen und Unsicherheiten widerspiegelt. www.fleischerhandwerk.de