Fit im Job

Arbeitgeber haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht (§ 241 Abs. 2 BGB). Diese beginnt nicht erst beim Krankenstand eines Mitarbeiters, sondern umfasst auch Präventivmaßnahmen, die die Gesundheit von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz fördern und somit feste Bestandteile des „Betrieblichen Gesundheitsmanage­ments“ (BGM) sind.

Arbeitgeber sind verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Mitarbeitern durch körperliche Belastungen im Arbeitsalltag vorzubeugen. - © Thomas Röhr

Falsch ausgeführte Bewegungsabläufe beim Heben und dem Transport von Fleischteilen oder Fleischwaren können auf Dauer Rückenschmerzen und Bandscheibenprobleme verursachen. Dadurch entstehen Fehlzeiten und Arztbesuche. Damit verbunden ist eine erhebliche Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Zu Schmerzen kommt es schnell, die Heilung dauert dagegen länger. Wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeiter schult, wie sie sich beim Heben und Tragen schwerer Lasten ergonomisch richtig verhalten, können Rückenprobleme vermieden werden.

Wer Lasten hebt, muss so dicht wie möglich an den Gegenstand herantreten. Dann geht man mit gestreckter Wirbelsäule in die Hocke herunter und zieht den Gegenstand zunächst an den Körper heran. Die Füße stehen mindestens hüftbreit auseinander und sind mit der ganzen Fußsohle aufgesetzt. Aus dieser Position geht man samt Last mit gestreckter Wirbelsäule zurück in den Stand. Dabei sollte der Rücken gerade gehalten werden. Die Belastung verteilt sich auf Knie- und Hüftgelenke. Beim Hochkommen vom Boden hält man die Last möglichst nahe am Körper.

Keinesfalls darf man sich während des Hochhebens drehen. Erst nach Ende des Hebevorgangs wird eine gegebenenfalls notwendige Drehbewegung ausgeführt. Sperrige oder unhandliche Gegenstände werden – unabhängig vom Gewicht – zu zweit angehoben und getragen. Wenn zwei Personen eine Last anheben, erfolgt das Anheben gleichzeitig.

Falscher Ehrgeiz von jüngeren Mitarbeitern kann zur Selbstüberschätzung führen, so dass sie schwere Lasten allein heben, ohne sich von einem Kollegen helfen zu lassen. Dabei ist die Bitte um Mithilfe beim Transport keine Schwäche, sondern zeugt eher von Verantwortungsbewusstsein. Denn wer seine Schmerzen ignoriert, verschlimmert letztlich nur die Situation und gefährdet seine Gesundheit.

Eine vorübergehende Fehlhaltung des Körpers bei der Arbeit kann der Mitarbeiter schadlos überstehen, kritisch wird es bei dauerhafter Vernachlässigung der Haltung. Wer dann wegen einer ärztlichen Behandlung und längerem Krankheitstand fehlt, hinterlässt eine Lücke. Die Kollegen müssen die Arbeit mit erledigen und werden überfordert.

Trinken erhöht die Muskelleistung

Im stressigen Berufsalltag kommen wichtige Grundbedürfnisse einfach zu kurz. Nach einer Forsa Studie „Trink Wasser“ im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TKK) vergessen Mitarbeiter – oft aus Zeitnot – die Zufuhr von Flüssigkeit. Durch Schweiß verliert der Körper jedoch ständig Flüssigkeilt, die nachgeliefert werden muss. Schon ein geringer Wassermangel im Körper führt zur Einschränkung der Muskelleistungen. Meist fehlt es schon an dem Bewusstsein, wie wichtig Trinken für die Gesundheit ist. Mineralwasser gibt Energie, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und erhöht das Leistungsvermögen bei körperlicher Beanspruchung. Kein Getränk kann den Schweißverlust besser ausgleichen als Mineralwasser. Flüssigkeit ist zudem Nahrung für die Nerven. Der Bedarf an Flüssigkeit ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Lufttemperatur, das Körpergewicht und die körperliche Aktivität spielen dabei eine Rolle. Auch wenn Schwitzen nicht wahrgenommen wird, verliert der Körper Flüssigkeit. Und bleibt das Durstgefühl dann aus, wird an Trinken nicht gedacht – mit den entsprechend negativen Folgen für die Leistungsfähigkeit der Muskulatur und die Gesundheit im Allgemeinen.

Dynamisches Sitzen im Firmenwagen

Ergonomisches Sitzen während der Fahrt zum Kunden entspannt die Muskeln, die zuvor durch Arbeiten belastet wurden. Abhilfe bei Muskelverspannungen schafft „Dynamisches Sitzen“. Dabei sollte das Körpergewicht im regelmäßigen und häufigen Wechsel von links nach rechts verlagert werden.

Die Rückenlehne des Fahrersitzes muss im Lendenwirbelbereich in jeder Sitzposition den Rücken gut abstützen und bis zu den Schulterblättern reichen, um die Bandscheiben zu schonen. Eine einseitige Belastung der Wirbelsäule ist auf Dauer schädlich. Der Rücken muss festen Kontakt zur Rückenlehne haben, und das „Kreuz“ senkrecht zur Sitzfläche stehen. Ziel ist es, dass die aufrechte Sitzhaltung zu einer festen Gewohnheit wird: Den Rücken ganz bewusst aufrichten, den Blick nach vorne, die Schultern zurück, den Oberkörper leicht nach vorne beugen und einen krummen Rücken beim Fahren vermeiden.

Hinweise für Arbeitgeber

Im Gespräch mit den Mitarbeitern sollten gesundheitliche Risiken und Probleme diskutiert und mögliche Lösungen gefunden werden. Dabei geht es um Verbesserungen von Arbeitsbedingungen, um Muskel- und Skeletterkrankungen zu vermeiden. Im ersten Schritt müssen die Risikofaktoren ermittelt werden.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang die Richtlnie 89/391/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaften über die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit. Diese EU-Richtlinie legt einen allgemeinen Rahmen für die Ermittlung und Vorbeugung von Risiken fest und verpflichtet unter anderem auch zur Vorbeugung von Skeletterkrankungen.

Progressive Muskelentspannung

Eine gute Übung, die zwischen zwei Arbeitsschritten oder auch in der Arbeitspause durchgeführt werden kann, ist die progressive Muskelentspannung. Dabei wird die beanspruchte Muskelpartie fest angespannt und anschließend wieder entspannt. Beim Anspannen wird das Blut aus den Blutgefäßen gepresst. Nach dem Loslassen und der Entspannung kann sich die Muskulatur wieder mit Blut vollsaugen, ähnlich wie ein Schwamm.

Mit dieser einfachen Übung wird eine bessere Sauerstoffversorgung erreicht, beziehungsweise eine Entspannungswirkung erzielt. Der Entspannungsvorgang (circa 15 Sekunden) dauert etwa doppelt so lange das Anspannen der Muskulatur (etwa 7 Sekunden). Dieser Vorgang sollte zwei- bis drei Mal kurz nacheinander und verteilt über den Arbeitstag immer mal wieder zwischendurch wiederholt werden.