Seit Mitte 2023 kennt der Preis für Rindfleisch nur eine Richtung: Aufwärts. Besonders seit Juli letzten Jahres hat sich dieser Trend verstärkt, weitere Preissprünge folgten zu Beginn dieses Jahres. Nach aktuellen Prognosen der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) wird sich dieser Aufwärtstrend noch weiter fortsetzen, wenngleich nicht mehr ganz so schnell wie zuletzt, teilt der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) mit.

Diese Entwicklungen haben spürbare Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. Zuletzt beklagten vor allem Hamburger- und Döner-Anbieter die Entwicklungen und begründeten damit zum Teil erhebliche Preissteigerungen bei Rindfleisch. Auch bei den Betrieben des Fleischerhandwerks sind vielerorts Preisanpassungen notwendig, was wiederum zu Nachfragen von Kunden führt.
Marktexperten sind sich einig, dass es nicht den einen Grund für die stark gestiegenen Rinderpreise gibt. Vielmehr ist es ein Bündel von Ursachen, die in ihrer Gesamtheit für eine deutliche Verschiebung von Angebot und Nachfrage gesorgt haben.
Da ist zunächst vor allem der langfristige Trend zu nennen. Seit vielen Jahren nimmt der Rinderbestand in Deutschland ab. Während es 2014 in Deutschland noch 12,7 Millionen Rinder gab, waren es im letzten Jahr nur noch 10,5 Millionen. Allein im letzten Jahr ist der Bestand um 3,5 % geschrumpft.
Weniger Landwirte halten Rinder
Dieser Rückgang hat vielschichtige Ursachen. Hauptgrund ist, dass immer mehr Landwirte die Rinderhaltung aufgeben. Trotz steigender Schlachtrinderpreise bleibt die Rentabilität im Rindfleischsektor aufgrund hoher Energiepreise, gestiegener Produktionskosten und Arbeitskräftemangels gering. Eine weitere Hemmschwelle sind die aktuell hohen Baukosten. Viele Bullenmäster müssen aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und Anforderungen von Qualitätsprogrammen in den Umbau vorhandener Stallkapazitäten oder einen Neubau investieren. Davor scheuen viele Landwirte zurück, weil es sich trotz der hohen Preise nicht rechnet. Außerdem sorgen zahlreiche bürokratische Vorschriften und vor allem auch unsichere Planungs- und Rahmenbedingungen dafür, dass die Betriebszahlen zurückgehen.
Neben dem Rückgang an Tierhaltern gibt es noch weitere Faktoren, die den Tierbestand drücken, beispielsweise eine veränderte Strategie im Milchviehbereich. So arbeitet man in vielen Betrieben inzwischen mit einer deutlich längeren Zwischenkalbezeit als noch vor wenigen Jahren.
Seuchengeschehen sorgt für zusätzlichen Druck
Verschärft wird die Situation in den letzten Wochen zusätzlich durch das intensive Seuchengeschehen. Die Blauzungenkrankheit und die Maul- und Klauenseuche haben für große Verunsicherungen, zu Exportbeschränkungen und zu einer zusätzlichen Verknappung des Angebots geführt. Zwar sind diese Tier-Infektionen für Menschen ungefährlich, jedoch sind die wirtschaftlichen Folgen enorm, wie man an den aktuellen Entwicklungen seihen kann.
Alle Gründe zusammengenommen sorgen dafür, dass die Bestände und damit das Angebot an Schlachtrindern immer weiter zurückgehen. Dieses knappe Angebot trifft auf eine sehr stabile Nachfrage. In den letzten beiden Jahren ist der Rindfleischkonsum entgegen vielen Prognosen nicht zurückgegangen, sondern sogar insgesamt leicht gestiegen. In Summe sorgt das für steigende Preise. Es bleibt abzuwarten, ob das jetzt gestiegene Verbraucherpreisniveau die Nachfrage drückt. Experten rechnen aber damit, dass das Preisniveau vorläufig auf hohem Niveau bleibt. www.fleischerhandwerk.de