Verbraucher in Deutschland sind offen für im Labor hergestellte Käseersatzprodukte, wenn sie über deren hohe Qualität und Vorteile für Tierwohl und Umwelt informiert werden. Das zumindest lässt eine repräsentative Online-Umfrage der Universität Göttingen vermuten, an der rund 2.000 Erwachsene teilgenommen hatten.

Die Erzeugung tierischer Lebensmittel wie Fleisch und Milch steht aus Nachhaltigkeits- und Tierwohlaspekten in der Kritik. Infolgedessen steigt die Nachfrage nach Alternativen, wobei neben pflanzlichen Ersatzprodukten auch an biotechnologischen Verfahren geforscht wird.
Bei der sogenannten Präzisionsfermentation produzieren Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen nährstoffreiche Milchproteine. Aus letzteren wird mit weiteren Zutaten eine Art Käse hergestellt. Die genetische Information für die Proteine wird mit Hilfe der Gentechnik auf die Mikroorganismen übertragen. Der Laborkäse selbst ist nicht gentechnisch verändert und in Geschmack und Textur mit normalem Käse vergleichbar. Ähnliche Produkte sind in den USA bereits auf dem Markt, während in Europa noch eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel durch die „Novel Food Verordnung“ aussteht.
Laborkäse aus Verbrauchersicht
Im Rahmen der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden, wie sich verschiedene Informationsaspekte auf die Verbraucherakzeptanz auswirken. Mehr als die Hälfte der Befragten wäre bereit, den synthetischen „Käse“ zu probieren (57 %). Allerdings können sich deutlich weniger Menschen vorstellen, das Produkt regelmäßig zu kaufen (32 %), als vollständigen Ersatz für normalen Käse zu verwenden (24 %) oder dafür mehr zu bezahlen (14 %).
Im Allgemeinen hatten Informationen einen nur geringen Einfluss darauf, ob Laborkäse potenziell im Einkaufskorb landen würde. Allein der Hinweis auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen im Produktionsprozess ließ die Kaufbereitschaft etwas sinken, ist im Fachjournal „Future Foods“ zu lesen. Die Akzeptanz für Laborkäse stieg, wenn die Teilnehmenden über Vorteile der Käsealternative informiert wurden. Allerdings kann erst die Praxis zeigen, ob der „Käse“ aus dem Fermenter tatsächlich auf dem deutschen Butterbrot landet. Heike Kreutz, www.bzfe.de