Lob verbessert Leistungen

Gute Arbeitsleistungen werden oft als selbstverständlich vorausgesetzt. Gelobt werden Mitarbeiter daher selten. Dabei stärkt die Anerkennung einer Leistung das Selbstwertgefühl und erhöht die Arbeitszufriedenheit. Fehlt Anerkennung auch für besonderen Einsatz, ist der Mitarbeiter enttäuscht.

Die Anerkennung von guten Leistungen ist Ausdruck der Wertschätzung, motiviert Mitarbeiter und bindet sie. - © davit – stock.adobe.com

Erfährt ein Mitarbeiter für besonderen Arbeitseinsatz und überdurchschnittliche Leistungen Anerkennung hat das einen gruppendynamischen Effekt, denn sie motiviert Kolleginnen und Kollegen, ebenfalls bessere Arbeitsleistungen zu zeigen, um auch Lob zu erhalten. Außerdem: Wer gelobt wird, „revanchiert“ sich meist, indem er sich positiv über „seinen“ Chef und den Betrieb äußert. Anerkennung ist daher ein wichtiges Instrument erfolgreicher Betriebsführung. Sie wird positiv wahrgenommen und ist ein Zeichen der Wertschätzung einer besonderen Leistung und des betreffenden Mitarbeiters.

Doch Vorsicht: Loben nach dem „Gießkannenprinzip“ kommt nicht gut an. Zu viel ist ebenso unangebracht wie zu wenig, denn wenn ständig gelobt wird, verliert die Anerkennung an Wert und positive Effekte bleiben aus.

Positive Bewertung darf nicht aufgesetzt sein, sie muss als ernst gemeint ankommen und glaubwürdig sein. Die Bestätigung durch den Vorgesetzten mit einem schlichten „OK“ oder „Einverstanden“ ist dagegen zu dürftig und wird vom Mitarbeiter nicht als Anerkennung wahrgenommen. Wirkungsvoller ist eine Formulierung als „Ich-­Botschaft“: „Ich finde, das hast du sehr gut gemacht“. Die „Ich“-Form wirkt als persönliche Wertung und motoviert nachhaltig. Die Wirkung kann weiter gesteigert werden, wenn der Mitarbeiter gefragt wird, wie er es denn geschafft hat, eine solche Leistung zu erbringen.

Anerkennung muss sofort erfolgen, damit sie ihre volle Wirkung entfaltet. Wer sehr gute Leistung bringt oder besonderen Einsatz zeigt, erwartet positives Feedback. Bleibt es aus, demotiviert das den Mitarbeiter und es entsteht Gleichgültigkeit. Keinesfalls darf Anerkennung mit Kritik vermischt werden: „Ich freue mich sehr, dass du das geschafft hast. Denn eigentlich fehlen dir doch noch Fachkenntnisse dafür“. Positives Feedback stärkt das Selbstvertrauen und weckt das Bedürfnis reproduzieren oder sogar noch verstärken.

Eine positive Rückmeldung zur Arbeitsleistung muss nicht immer zwingend vom Chef kommen. Der Mitarbeiter hört sie auch gerne vom Kollegen, demgegenüber er dann eine größere Hilfsbereitschaft bei der Arbeit zeigt. Komplimente für jüngere Mitarbeiter, die anfangs noch unsicher sind, motiviert sie zu weiterem Einsatz.

Schwierige Gratwanderung

Für Leistungen gibt es nicht immer einen exakten Maßstab. Schließlich lassen sich positive Eigenschaften wie zum Beispiel Freundlichkeit und Engagement nicht messen wie die Raumtemperatur. Bewertungen oder Beurteilungen einer Person haben stets auch eine emotionale Komponente. Zudem überschätzen Mitarbeiter gerne ihre eigene Leistung, was letztlich zu der Erwartungshaltung führt, Anerkennung verdient zu haben.

Wer Anerkennung unbedingt braucht, engagiert sich in aller Regel auch entsprechend und versucht, mit guten Arbeitsleistungen zu überzeugen. Verständlich, dass der Chef diesem Mitarbeiter immer mehr schwierige Aufgaben überträgt und mit sehr guten Arbeitsergebnissen rechnet. Damit steigt dann aber auch die Schwelle für die Anerkennung von besonderen Leistungen. Hier darf der Vorgesetzte nicht den richtigen Maßstab zur Mitarbeiterbeurteilung aus dem Auge verlieren.

„Mitarbeiter werden zum Arbeiten angestellt und dafür entsprechend bezahlt.“ Ausgehend von dieser oft üblichen Einstellung ist Leistung selbstverständlich. Hiernach besteht also keine sachliche Notwendigkeit, eine Leistung ausdrücklich anzuerkennen. Viele Chefs loben daher eher sparsam und sind überzeugt: „Wenn ich zu viel lobe, zieht das Lob nicht mehr“. Oder: „Keiner hat sich bisher über mangelndes Lob beklagt.“ Oder: „Bei Anerkennung kommt der Mitarbeiter noch auf die Idee, mehr Gehalt zu verlangen.“

Gute Arbeitsergebnisse und überdurchschnittliches Engagement sind jedoch keineswegs selbstverständlich. Das gilt insbesondere für die persönlichen Eigenschaften, mit denen ein Mitarbeiter besondere Leistungen erbringt, wie Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Verantwortungsbereitschaft oder hervorragende Fachkompetenz. Diese positiven Merkmale verdienen eine anerkennende Rückmeldung, vor allem bei jüngeren Mitarbeitern.

Wer ohne Grund gelobt wird, fühlt sich schnell manipuliert. Wenn Überstunden nötig sind, ist ein vorangestelltes Lob an alle nicht ernst gemeint, sondern wird nur als Stimmungsmache für die bevorstehenden Überstunden empfunden.

Fehler beim Loben

  • Vergleichendes Lob: „Ja das hast du wirklich sehr gut gemacht, viel besser als Sven.“ Das kommt bei Sven nicht gut an, wenn er davon erfährt.
  • Oberflächliches Lob: „Ja, das passt.“ Der Betreffende fühlt sich abgefertigt. Die Anerkennung ist ungenau und kein Anreiz, sich weiterhin anzustrengen.
  • Lob als Vorwurf: „Na, endlich klappt es auch bei dir, war ja auch höchste Zeit.“ Der Mitarbeiter ist verunsichert. Offenbar hatte der Chef bisher einen negativen Eindruck von ihm.
  • Ironisches Lob: „Na ja, du hast dich wenigstens bemüht.“ Der Mitarbeiter versteht die Aussage als Kritik an seiner Leistungsfähigkeit.
  • Übertriebenes Lob: „Unglaublich, wenn ich dich nicht hätte, könnten wir hier dicht machen.“ Die Übertreibung wirkt unglaubwürdig, der Mitarbeiter fühlt sich nicht ernst genommen.
  • Indirektes Lob: „Ich soll dir vom Chef sagen, dass er sehr zufrieden mit dir ist.“ Die Anerkennung kommt von einem Kollegen, und nicht vom Vorgesetzten selbst.

Formen der positiven Bewertung

  • Bestätigung ist nötig, wenn es vorher zur Kritik kam und der Mitarbeiter nun wissen will, ob der Vorgesetzte jetzt zufrieden ist: „Ich bin jetzt zufrieden mit deiner Arbeit, alles passt, weiter so.“
  • Anerkennung bezieht sich auf ein überdurchschnittliches Arbeitsergebnis oder die Erfüllung hoher Anforderungen. Eine gute Leistung kann auch als Frage anerkannt werden: „Das hast du aber besonders gut hingekriegt, wie hast du das geschafft?“
  • Lob bezieht sich auf ganz persönliche, meist charakterliche Eigenschaften, die wichtige Voraussetzungen für die Qualität der Arbeitsleistung wichtig sind: „Ich schätze vor allem deine Zuverlässigkeit, das gefällt mir ganz besonders.“