Geht es um das Klima, stehen aktuell Landwirte mit Tierhaltung sowie die gesamte Fleischbranche am Pranger. Dass Tiere in unseren Breitengraden einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung von Natur und Klima leisten, ignorieren vermeintliche Klimaschützer gerne. Genau wie die Tatsache, dass Fleischerzeugung und -verzehr auch nachhaltig funktionieren können.
Vegetarische Wochen in der Schulkantine. So ein Unsinn. Drei Wochen lang bekommen die Schüler kein Fleisch und keine Wurst, weil die angeblich dem Klima schaden“, klagt eine Kundin beim Einkauf ihrer Bekannten, einer Fleischerei-Fachverkäuferin. „Wie sollen sich Kinder denn dabei konzentrieren?“, fragt die und ergänzt. „Es muss doch jedem selbst überlassen bleiben, was er isst.“ Die Kundin kauft Schnitzel, Würstchen und Schinken. „Damit meine Tochter sich von dem Grünzeug in der Schule erholen kann.“ Eine typische Reaktion auf Fleischverbote. Sie wecken Widerstand und führen zu extremen Ess-Kapaden.
Treibhausgase sind nur ein Kriterium der Ökobilanz
Tierische Lebensmittel verursachen 54 Prozent der Treibhausgase der Ernährung in Deutschland, was zehn Prozent aller Treibhausgase im Land entspricht. Berücksichtigt man die gesamte Ernährung vom Acker bis zum Teller, inklusive Rohstoffe und Prozesse wie Verarbeitung, Transport, Kühlung, entfallen etwa 19 Prozent aller Treibhausgase in Deutschland auf die Ernährung. Werte des Thünen-Institutes, die der Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach in seinem Buch „Die Ökobilanz auf dem Teller“ aufgreift. Der Anteil Deutschlands an den weltweiten Treibhausgasen beziffert Rubach mit zwei Prozent. Bei veganer Lebensweise aller Menschen hierzulande könnte er auf 1,8 Prozent sinken – zumindest theoretisch.
Gesundheitsrisiko steigt
Praktisch würde die Senkung weniger als 0,2 Prozent betragen, weil eine Reduzierung tierischer Lebensmittel mit pflanzlichen kompensiert wird, deren Erzeugung ebenfalls Treibhausgase produziert. Tierische Lebensmittel besitzen eine höhere Nährstoffdichte. Es würde nicht nur die fehlende Fleischportion ersetzt, sondern mehr Pflanzen für die Sättigung benötigt.
Rubach schätzt die Beteiligung an den weltweiten Treibhausgasen bei veganer Kost zwischen 1,8 und zwei Prozent. Gewonnen wäre wenig, riskiert hingegen sehr viel. Selbst bei hohem Bildungsstandard verfügten die Menschen kaum über ausreichendes Ernährungswissen, um ihre Kost so zusammenzustellen, dass sie keinen Nährstoffmangel und Gesundheitsschäden riskieren, resümiert der Experte.
15.000 Liter Wasser für ein Kilo Rindfleisch
Je nach Ernährungsweise brauche jeder Mensch auf der Erde täglich Lebensmittel, deren Produktion zwischen 2.000 und 5.000 Liter Wasser benötige, schreibt Rubach und bezieht sich auf Zahlen der FAO. Neben Klimagasen ist Wasser ein weiterer wichtiger Faktor zur ökologischen Bewertung von Lebensmitteln. Während der CO2-Fußabduck bei veganer Ernährung am geringsten ist, ist der Wasserverbrauch dabei am höchsten. Im weltweiten Durchschnitt verbraucht die Erzeugung eines Kilogramms Rindfleisch 15.000 Liter Wasser, die von Getreide nur 1.000 bis 3.000 Liter. Man unterscheidet grünes oder Regenwasser und blaues Wasser aus Flüssen, Seen. Dazu gibt es noch graues Wasser oder Schmutzwasser.
Eine ökologische Bewertung des Wasserverbrauchs berücksichtigt nicht nur die Menge, sondern auch die Anteile an grünem und blauem Wasser. Letzteres sollte möglichst gering sein. Für die Erzeugung von Rindfleisch fallen im weltweiten Durchschnitt 94 Prozent des Wassers vom Himmel, der Rest ist blaues und graues Wasser.
Regionale Fleischerzeugung schont die Umwelt
Je wasserreicher eine Landschaft, umso weniger blaues Wasser wird für die Lebensmittelerzeugung benötigt. Das bedeutet, Rindfleisch aus einer trockenen Region verbraucht mehr blaues Wasser, weil grünes fehlt – und umgekehrt. Diese Situation gibt es in Deutschland. Für ein Kilo regional erzeugtes Rindfleisch beziffert Rubach den Wasserverbrauch mit 7.700 Liter, davon sind 138 blaues. Demnach fallen über 98 Prozent des Wassers für die heimische Rindfleischerzeugung vom Himmel. Die Erzeugung von Schweinefleisch benötigt im weltweiten Durchschnitt 5.990 Liter Wasser je Kilogramm, 459 davon entfallen auf blaues. Weniger ist es in Deutschland: 3.000 Liter je Kilogramm, davon 162 als blaues Wasser. Berücksichtigt ist hierbei, dass die Tiere primär im Stall gehalten werden. Am wenigsten verbraucht Geflügel. Weltweit sind es 4.330 Liter je Kilogramm, davon 303 blaues Wasser. In Deutschland verbraucht die Geflügelerzeugung je Kilo 2.490 Liter, davon 50 blaues.
Heimische Butter ist kein Klimakiller
Butter wird wegen ihres CO2-Fußabdrucks und Wasserverbrauchs oft als größter Klimafeind unter den tierischen Lebensmitteln bezeichnet. Im weltweiten Durchschnitt benötigt die Erzeugung 5.553 Liter Wasser, davon 465 blaues. Für ein Speisefett eine beeindruckende Zahl, die jedoch bei Analyse heimischer Produktion anders ausfällt: 2.900 Liter je Kilo Butter, davon sind 99 Liter blaues Wasser.
Auch die Erzeugung von Käse, Milch, Buttermilch verbraucht hierzulande nur rund die Hälfte der weltweiten Durchschnittsmengen an Wasser. Damit sind heimische Milchprodukte und Käse keine Klimakiller, auch wenn pflanzliche Lebensmittel weniger durstig sind als tierische. Zumindest pur, denn sobald Pflanzen verarbeitet werden, verändern sich die Zahlen. So benötigt die Erzeugung von einem Kilo Kartoffeln in Deutschland 120 Liter Wasser, davon acht blaues. Die Herstellung von Kartoffelchips hingegen verschluckt 430 Liter, 29 davon als blaues Wasser. Fast sechs Mal so viel Wasser wie Chips braucht Spargel. Kaffee, Kakao und Soja sind globale Spitzenverbraucher unter den Pflanzen.
Weidetiere als Landschaftspfleger
Natürliche Almwiesen, Weiden und Grünflächen der Deiche sind Lebensraum für eine große Vielfalt an Pflanzen. Auf oder von den Grünflächen leben unter anderem Insekten, Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer, Vögel. Beweidetes Grünland speichert CO2 und Wasser. Würden dort keine Tiere weiden, lägen die meisten Grünflächen brach, weil sie sich nicht als Ackerland eignen. Entweder sind sie zu steil, liegen in einem ungünstigen Klimabereich oder ihre Bodenqualität überzeugt nicht.
Für den Erhalt des ökologischen Wertes von Weiden, Almen und Deichen sorgen Tiere. Rinder, Schafe, Ziegen verdichten die Flächen und düngen sie. So bildet sich wertvoller Humus, gleichzeitig werden Wasser und Kohlendioxid gebunden. Weidetiere verwerten für Menschen ungenießbare Pflanzen als Futter und liefern ihnen im Gegenzug ihre nährstoffreiche Milch und Fleisch. Ein Kuhfladen ernährt tausende von Insekten, die wiederum Vögel. Ein intaktes Kreislaufsystem, das durch Umwandlung zu Ackerland aus dem Gleichgewicht gerät.
Grünland erhält Biodiversität
„Wird eine Wiese in einen Acker umgewandelt, führt dies zu Humusverlusten von durchschnittlich 35 Prozent. Eine gewaltige Menge an Kohlendioxid entweicht dabei innerhalb kürzester Zeit in die Atmosphäre. Soll dagegen aus Ackerland wieder Grünland werden, kann es Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern, bis sich der Humus wieder angereichert hat“, schreibt Stefan Michel auf Seite 26 seines Buches „Fleisch fürs Klima“.
Über die Hälfte aller in Deutschland beobachteten Tier- und Pflanzenarten kommen auf Grünlandstandorten vor, informiert das Umweltbundesamt. Ein Umbruch des Grünlands zu Ackerflächen belaste die Hydro- und Atmosphäre, da mit dem Humusabbau verstärkt Nitrat, Lachgas und Kohlendioxid freigesetzt werde. Zwei Drittel der globalen Landwirtschaftsfläche seien Dauergrünland. Es in Ackerland umzuwandeln, sei eine ökologische Großkatastrophe, weil es Unmengen an CO2 freisetze und die Biodiversität zerstöre, schreibt Michel. Seit 2015 beschränken Greening-Auflagen der EU die Umwandlung, doch bereits der bisherige Umbau zeigt Folgen. So ist laut Umweltbundesamt der Bestand an Regenwürmern zwischen 2006 und 2016 um 45 Prozent gesunken. Nicht allein eine Folge des Umpflügens. Die Düngung der gewonnenen Ackerflächen zerstört Organismus und Lebensraum der Würmer.
Fleisch ja, aber richtig
Experten sind sich einig, dass eine vegane Ernährung für alle weder eine gesunde Lösung für ein intaktes Ökosystem und Menschen ist noch die Klimaentwicklung stoppt. Doch welches Fleisch ist bei ökologischer Betrachtung nachhaltig und wie viel darf es sein? Experten empfehlen Fleisch aus regionaler Erzeugung, idealerweise von Weidetieren. Damit beantwortet sich die Frage nach dem Tierwohl von selbst. Kritisch wird Fleisch von Stalltieren und aus Intensivhaltung bewertet. Die Verzehrsmenge beantwortet Dr. Malte Rubach mit den Empfehlungen der DGE: 300 bis 600 Gramm pro Woche. Mehr dürfte den Deutschen bei nachhaltiger Tierhaltung auch nicht zur Verfügung stehen. Zurück zum Sonntagsbraten lautet die subtile Empfehlung von Stefan Michel. Geflügel und Schwein lehnt er ab, weil die Tiere mit Pflanzen gefüttert werden, die auch Nahrung für Menschen seien. Selbst die tierisch strenge Planet-Health-Diät berücksichtigt Fleisch, Geflügel, Eier und Milch.
Widerstand gegen Essdiktatur
Letztlich muss jeder Verbraucher selbst entscheiden, wie oft und welches Fleisch er auf den Teller legt. Ernährung fällt in den Privatbereich der Bürger. Noch. Vorschriften gibt es inzwischen immer häufiger – und die werfen Fragen auf. Welchen positiven Effekt soll es haben, wenn kommunale Politiker den Verkauf von Würstchen, Schaschlik und Schnitzel auf regionalen Festen untersagen? Wie reagieren die rund 90 Prozent Fleischesser, wenn sie beim Feiern nur aus vegetarisch-veganen Angeboten wählen können? Meiden sie die Veranstaltung? Verweigern sie die Speisen und bringen sich Wurstbrote mit? Essdiktatur löst Widerstand aus, aber weckt keinen Appetit auf Gemüselasagne.
Deutsche Veganer können nicht die Welt retten
Weder die Abholzung des Regenwaldes zwecks Erweiterung des Anbaus von angesagten Pflanzen in Monokulturen noch die Produktion inklusive Verpackung von industriellem Fleischersatz erscheinen einem Teil der Veganer und Klimaschützer so schädlich zu sein, wie die Nutztierhaltung. Doch das komplexe Thema Ökosystem lässt sich nicht mit der generellen Abschaffung von Tieren lösen. Schon gar nicht können Europäer oder die Deutschen allein das Klima retten. Solange in Schwellenländern wie Indien und China der Fleischappetit steigt, wird die Reduzierung des Verzehrs in Europa weder den Hunger in der Welt stillen noch bewirken, dass weniger Ackerfläche für den Anbau von Tierfutter und mehr für die menschliche Ernährung bewirtschaftet wird. Die Bürger können Zeichen setzen. Für deutliche Effekte sind umfangreiche globale Maßnahmen erforderlich – auch jenseits der Tierhaltung.
Kritiker differenzieren nicht
Fertiggerichte, Fastfood, Lieferdienste verschlingen Unmengen an Energie für Produktion, Kühlung, Transport und verursachen Berge von Verpackungsmüll. Bevor Klimaschützer sich gegen Nutztierhaltung engagieren, könnten sie den CO2-Fußabdruck, Wasser- und Energieverbrauch ihrer pflanzenbasierten Ernährung hinterfragen. Vegetarier konsumieren überdurchschnittlich viel Milchprodukte und Käse. Sie ignorieren, dass Kühe nur Milch geben, weil sie ein Kalb geboren haben. Statistisch handelt es sich bei jedem zweiten um ein männliches Kalb. Wohin mit den männlichen Kälbern, wenn niemand das Fleisch von den Jungtieren essen möchte? Konsequenterweise müssten Vegetarier ihren Milchkonsum stark beschränken, verzichten oder ab und zu Kalb und Rind essen.
Mögliche Schattenseiten pflanzlicher Kost
„Ich ernähre mich vegan.“ Ein Satz, in dem viele Botschaften mitschwingen. Ich ernähre mich umweltbewusst. Ich schütze Tiere. Ich bin diszipliniert. Ich esse gesund. Bleiben wir beim letzten Punkt. Vegane Ernährung ist nie vollwertig, weil Vitamin B12 fehlt. Es muss ergänzt werden. Daneben gibt es weitere kritische Nährstoffe wie Kalzium, Jod, Eisen, Zink, Vitamin B2, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D. Den Nährstoffbedarf vegetarisch-vegan mit natürlicher Nahrung zu decken, erfordert viel Ernährungskompetenz und Aufmerksamkeit. Beides kann man einem großen Teil der Menschen hierzulande nicht zusprechen. Schnell muss es gehen und billig sein, zumindest für den Durchschnittsverbraucher. Verzichten die nun auf nährstoffreiche, tierische Lebensmittel, ist ein Nährstoffmangel vorprogrammiert. Kein Mangel an Energie, denn vegane Bratlinge haben auch ihre Kalorien. Längst ist das Körpergewicht kein Indikator mehr für den Gesundheitswert der Ernährung. Deutschland, ein Land der mangelernährten Übergewichtigen? Wir sind auf dem besten Weg.
Erschwerte Bedingungen treiben Landwirte ins Aus
Zahlen zu Wasserverbrauch und Treibhausgasen bei der Lebensmittelerzeugung lassen sich nur regional bewerten. Deutschland verfügt über einen hohen Anteil an Weideflächen. Noch steht viel grünes Wasser zur Verfügung. Optimale Bedingungen für die Tierhaltung. Trotzdem stoßen aktuell viele Mäster an ihre Grenzen. Discounter verlangen Fleisch der Haltungsstufen drei und vier. Mehr Tierwohl ist extrem erstrebenswert, doch es muss finanziert werden. Über den Verbraucherpreis allein wird das nicht gelingen. Solange Landwirte mit akuten Forderungen überfrachtet werden, geben immer mehr auf. Folglich wird weniger Fleisch erzeugt werden, was den Preis in die Höhe treibt. Darauf sind Verbraucher nicht vorbereitet. Um ihren Appetit zu stillen, muss Fleisch importiert werden – auch solches, das jenseits hiesiger Standards erzeugt worden ist. Verbraucher kaufen es, weil es billiger ist als heimisches. Keine Lösung für Landwirte, Tiere, Wirtschaft, Klima und Ökosystem.
Laborfleisch verbraucht Energie
Weniger Fleisch zu essen, dazu sind Mischköstler bereit, wenn ihnen Alternativen zur Verfügung stehen. Die müssen aussehen wie Fleisch und fast so schmecken. Fleischersatzprodukte erfüllen zum Teil die Ansprüche. Fortschritte gibt es beim Kulturfleisch. In diesem Jahr haben die US-Behörden erstmals zwei Genehmigungen für Labor-Hühnerfleisch der Firmen Upside Foods und Good Meat erteilt. Für Hähnchenfleisch sei die Zellgewinnung einfacher und die Zellteilung erfolge schneller, informiert die Verbraucherzentrale NRW im August in ihrer Zeitschrift Knackpunkt. Wie viele Verbraucher Fleisch aus der Retorte akzeptieren werden, wenn es auch hier in den Kühlregalen liegt, bleibt abzuwarten. Das Produkt basiert auf tierischen Zellen, und die wachsen nicht einfach so, sondern brauchen sehr viel Energie. Stammt diese nicht aus erneuerbaren Quellen, sei der ökologische Fußabdruck kaum kleiner als der echten Fleisches, berichtet die Verbraucherzentrale.
Zellkulturen wachsen nur in Nährlösung
Die Zellen wachsen nur in Nährlösungen mit Wachstumsfaktoren. Die kommen im menschlichen und tierischen Organismus vor, zum Beispiel im Blutserum von Kälbern. „Bis heute werden dafür jährlich allein für den Bedarf der Pharmaindustrie, die auf gleiche Weise aus Zellkulturen Medikamente herstellt, schätzungsweise zwei Millionen Kälber getötet. Das Serum wird aus dem Herzen des ungeborenen Kalbs abgesaugt, was nur geht, wenn das Herz schlägt, und dazu muss das Kalb bereits lebensfähig sein“, schreibt Malte Rubach auf Seite 180 seines Ökobilanz-Buches. Er errechnet einen Bedarf von mehr als 130 Millionen Tonnen, wenn die Prognose der Studie von A.T. Kearney aus dem Jahr 2020 zutreffen würde. Demnach soll Laborfleisch zukünftig 35 Prozent des natürlichen Fleisches ersetzen.
Buchtipp
Schließen sich Fleischkonsum und Nachhaltigkeit aus? Nein, sagt der Autor und Journalist Stefan Michel und erläutert viele Aspekte der Tierhaltung sowie der gesamten Landwirtschaft in Deutschland und Europa. Erstrebenswert ist für ihn nicht die vegane Kost, sondern ein moderater Konsum von Fleisch, wobei er für Ganztierverwertung plädiert. Ein kurzweiliges, spannendes Buch eines Tierliebhabers: „Fleisch fürs Klima“, Stefan Michel, Oekom Verlag, München 2023, ISBN 978-3-98726-001-8, 22,00 Euro.Oekom Verlag
Beratung: Kunden mit Fragen zum Nachdenken anregen
- Rund ein Viertel einer Nahrungspflanze ist essbar, drei Viertel sind Nebenprodukte, die aktuell als Viehfutter fungieren. Wohin mit diesem Anteil, wenn die Tierhaltung abgeschafft wird?
- Wie sollten die aktuellen Weideflächen genutzt werden, die sich nicht für den Ackerbau eignen?
- Wohin mit dem Kalbfleisch, das bei der Milcherzeugung anfällt?
- Woher werden die Deutschen ihr Fleisch beziehen, wenn heimische Landwirte aufgeben oder die Tierhaltung drastisch reduzieren und die Preise infolgedessen deutlich steigen?
- Aktuell gibt es rund zehn Prozent Vegetarier und Veganer. Wie sollen die anderen 90 Prozent der hiesigen Bevölkerung ihre Ernährung ohne Fleisch gestalten?
- Anders formuliert: Wo soll plötzlich das Interesse und die Ernährungskompetenz herkommen, um sich fleischlos ausgewogen zu ernähren?
Jeder kann direkt zum Klimaschutz beitragen
Tipps für Kunden
- Selbst kochen aus frischen, naturbelassenen Lebensmitteln.
- Möglichst viele regionale, saisonale und unverpackte Lebensmittel einkaufen.
- Viele pflanzliche Lebensmittel mit hochwertigen tierischen ergänzen.
- Extreme Kostformen meiden. Von allem etwas essen.
- Kein Lebensmittel wirkt Wunder. Exotische Modepflanzen wie Avocado, Kokos, Goji sparsam einsetzen und die Erzeugung kritisch hinterfragen.
Tipp: Natürlich Fleisch essen – Strategien für Fleischereien
- Es darf gerne weniger sein. Hauptsache, Kunden kaufen gutes Fleisch bei ihrem Fleischexperten.
- Nachhaltig erzeugtes Fleisch anbieten. Die Nachhaltigkeitsaspekte konkret kommunizieren.
- Nose-to-Tail: Das ganze Tier verwerten.
- Gutes tun und darüber sprechen: Tierwohl- und Klimaaspekte an der Theke konkret ansprechen.
- Warum argentinisches Rind dem deutschen vorziehen? Importe bieten selten ökologische Vorteile.
- Vegane Ernährung braucht Ernährungskompetenz, Zeit und Vitamin B12 als Nahrungsergänzung.
- Für die Umwelt nicht auf Fleisch verzichten, sondern es bewusst konsumieren.

