VI. Öko-Marketingtage: „Öko for Future“

Die VI. Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg sorgten für positive Stimmung bei den rund 200 Entscheiderinnen und Entscheider der Bio-Branche vor Ort und bei vielen weiteren online: Zusammen wollen es die Produzenten, die Verarbeiter, der Fachhandel und der Lebensmitteleinzelhandel schaffen, Bio als wichtiges Zukunftsziel für die gesamte Gesellschaft zu positionieren und die Relevanz für Verbraucher hervorzuheben. Die Politik plant, dieses gemeinsame Vorhaben mit einer umfangreichen Strategie zu unterstützen.

Die Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg waren wieder das Zentrum der Bio-Branche. - © Akademie Schloss Kirchberg/ Stefan Zimmer freiraumfoto.de

An drei Tagen war Schloss Kirchberg nun schon zum sechsten Mal das Zentrum der deutschen Bio-Szene. Die VI. Öko-Marketingtage mit dem Thema „Zeitenwende in der Bio-Branche: neue Märkte, neue Strategien“ haben die Insider nach Kirchberg geführt. Denn die Verunsicherung der Szene ist groß. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln ist im letzten Jahr um 3,8 Prozent zurückgegangen. Die Produkte werden weiter gekauft. Doch die Verbraucher greifen verstärkt zu den Eigenmarken der Discounter und weniger zu den Markenprodukten aus dem Fachhandel.

Dazu kommen eine gewisse Abstumpfung und Desinteresse, zeigte Hanna Kehl von der GfK-Marktforschung. Bio sei nicht mehr so wichtig, vor allem der Preis und die Nachhaltigkeit der Produkte spiele eine große Rolle. Rudolf Bühler, Gründer der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), brachte es auf den Punkt. „Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit in der Branche, und es braucht neue Allianzen.“ Er forderte die Weiterentwicklung zu Öko-Plus mit einer Ausrichtung auf eine klimaresiliente, ökologische Land- und Ernährungswirtschaft. In Anlehnung an Friday for Future-Bewegung gab er das Motto „Öko for Future“ aus.

Bio-Lebensmittel sind gut für die Umwelt

Alle Akteure Öko-Marketingtage – Erzeuger-Verbände wie Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland und Ecoland, sowie der Fachhandel und Lebensmitteleinzelhandel, darunter Aldi, Lidl und Edeka – waren sich einig. Ökologisch produzierte Lebensmittel sind gesund, schützen das Klima und fördern die Artenvielfalt. Über den Weg zu mehr Bio gab es unterschiedliche Ansätze. Während die Öko-Marketingtage bisher eher ein Treffpunkt der wahren Bio-Verfechter war, setzte nun ein Umdenken in der Branche ein. Die Entscheiderinnen und Entscheider mussten negativen wirtschaftlichen Entwicklungen ins Auge schauen und weitere Marktteilnehmer auf Augenhöhe akzeptieren.

Bio-Marktführer Aldi

Dr. Julia Abou, Director Sustainability Aldi Süd, stellte ihre Strategie vor. Das Unternehmen strebe eine „Demokratisierung von Bio-Produkten“ an. Es wolle die Wertschöpfungsketten von den Erzeugern, über die Verarbeiter bis hin zum Handel verbessern, unabhängig von den Vertriebswegen. Damit das gelinge, müsse den Kundinnen und Kunden das Thema leicht verständlich nahegebracht werden. Das sei gelungen. In der Zwischenzeit sei das eigene Bio-Markenzeichen (ein lachender Bio-Schriftzug) bekannter als das Original EU-Bio-Siegel (ein mit Sternen stilisiertes grünes Blatt). Außerdem sei Aldi Süd mit rund 550 verschiedenen Bio-Artikeln Umsatzmarktführer in Deutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Erzeugerverband Naturland und mit der Bio-Eigenmarke „NurNurNatur“ wurde eine Aufwertung des Bio-Produktsegments erreicht. „Das hat uns sehr viel Entwicklungs- und Marketingarbeit gekostet“. Das Unternehmen habe die regelrechte Ernährungsbildungsaufgabe gerne angenommen, erklärte die Nachhaltigkeitsmanagerin. „Für die umfangreiche Verbreitung von Bio-Produkten benötigt man Akteure wie uns.“ Aldi Süd stehe für das 30 Prozent-Bio-Ziel der Bundesregierung. Das Unternehmen arbeite dafür mit Partnern aus der Branche zusammen, die sich auskennen.

Ausbau des Netzwerks

Zwischen den einzelnen Vorträgen und Diskussionsrunden kamen die Teilnehmer ins Gespräch und nutzen die Öko-Marketingtage zum Austausch: Selbst Akteure, die Wettbewerber im Markt sind, kamen sich so näher. In Fachforen und Workshops konnten sie gemeinsam neue Ideen und Ansätze kennenlernen und weiterentwickeln. Darüber hinaus vergrößerten sie ihr eigenes Netzwerk.

30 Prozent sind das Ziel

Die Branche ist sich einig, ohne die Unterstützung der Politik wachse der Bio-Anteil nicht in kurzer Zeit. Silvia Bender, Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, gab erste Einblicke in die Bio- und Ernährungsstrategie des Bundes. Um das Ziel 30 Prozent Bio bis 2030 zu erreichen, wolle das Ministerium vor allem die Forschung fördern, die Beratung und die Umstellung der Betriebe unterstützen, und die regionalen Wertschöpfungsketten stärken. „Ohne die Gemüseverarbeitung, die Mühle und den Metzger funktioniert unsere Strategie nicht“, betonte die Staatssekretärin. Um den Anteil von 30 Prozent zu schaffen, solle vor allem die nachhaltige Verpflegung in Betriebskantinen und Mensen unterstützt und „somit der Zugang zu gesundem, vielseitigem, ausgewogenem und ökologisch erzeugtem Essen verbessert“ werden.

Durch eine Kennzeichnung der Restaurants würden die Verbraucher erkennen, wo sie „Bio“ essen gehen können. „Die Bundesregierung will die Zeitenwende zu einem resilienten Ernährungssystem mitgestalten“, stellte Silvia Bender klar. „Dabei wollen wir Ihr Partner sein, denn Sie sind die Pioniere und Vordenker der Branche“, erklärte sie den Teilnehmern der Öko-Marketingtage auf Schloss Kirchberg.

Neben dem zweitägigen Hauptprogramm bot die Akademie Schloss Kirchberg einen Exkurs zur Zukunft der Fleischerzeugung an: In vielen Bereichen könne Kohlendioxid eingespart und so das Klima entlastet werden. Die BESH erzeuge durch entsprechende Maßnahmen bereits heute schon 49 Prozent weniger CO2 als vergleichbare Schlachthöfe, berichtete Rudolf Bühler über eine Studie. Derzeit gebe es ein Forschungsprojekt, um das Einsparpotenzial weiter zu untersuchen.

Die Entscheiderinnen und Entscheider zogen ein positives Fazit der Öko-Marketingtage: Es sei ein Aufbruch in der Bio-Branche spürbar gewesen, gemeinsam wolle man das Thema Bio weiter vorantreiben. Dabei sind Discounter, Produzenten und Hersteller von Bio-Waren weiter aufeinander zugegangen und tragen das Thema nun in die breite Öffentlichkeit – aus Überzeugung, um den Verbraucherinnen und Verbrauchern gesunde und nachhaltige Lebensmittel zu bieten. Zum Abschluss der fulminanten Tagung wurde einstimmig und mit großem Applaus die „Kirchberger Erklärung“ verabschiedet zur Sicherung einer Gentechnik-freien Land- und Ernährungswirtschaft. www.akademie-schloss-kirchberg.de