Wirtschaftliche Lage im Fleischerhandwerk

Mit dem Ziel, die wirtschaftliche Lage im Fleischerhandwerk zum Jahresende 2023 zu erfassen, hat der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) im September 2023 eine Befragung von Innungsmitgliedern durchgeführt, an der 267 Betriebe des Fleischerhandwerks teilnahmen. Außerdem wollte der DFV feststellen, welchen Herausforderungen die Fleischereien aktuell gegenüberstehen. Neben der Auskunft zur aktuellen Lage sollten die Unternehmer auch eine Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Zukunft abgeben. Identische Fragestellungen erfolgten 2022 und zu Beginn des Jahres 2023, so dass Stimmungsänderungen erfasst werden konnten.

Selbst in den aktuell wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten bereitet die Bürokratie dem Fleischerhandwerk die größten Sorgen. - © DFV

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Zeitpunkt der Befragung waren und sind noch immer geprägt von weiterhin spürbarer Inflation sowie von zwar stagnierenden oder leicht sinkenden, aber weiterhin auf hohem Niveau befindlichen Erzeuger- und Energiepreisen. Damit verbunden ist eine Verunsicherung der Verbraucher, die zur Kaufzurückhaltung führt. Hinzu kommen ein Mangel an Fachkräften sowie ein Ansteigen der Löhne.

Kein einheitliches Bild im Fleischerhandwerk

Zusammengefasst hat die Befragung gezeigt, dass die aktuellen Rahmenbedingungen das Fleischerhandwerk weiterhin belasten. Zwar hellt sich die Stimmung insgesamt etwas auf, bei den Einzelauswertungen zeigt sich jedoch, dass die Spreizung zwischen den Betrieben, die eine negative Entwicklung durchlaufen und denjenigen, die wirtschaftlich sehr erfolgreich durch die aktuellen Krisen kommen, sehr groß ist.

Bemerkenswert ist, dass selbst in den aktuell wirtschaftlich sehr anspruchsvollen Zeiten die Bürokratie als die größte Sorge der Unternehmen des Fleischerhandwerks identifiziert werden kann.

Auswertung der Befragung im Einzelnen

Die Antworten auf die Fragen zur Lage im Fleischerhandwerk lassen folgende Aussagen zu:

Frage 1: Wie haben sich die Geschäfte im ersten Halbjahr 2023 entwickelt?

Knapp über 40 Prozent der befragten Unternehmen gibt an, dass sich der Umsatz im ersten Halbjahr 2023 verbessert hat. Etwa die gleiche Menge der Unternehmen geben an, Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Vergleicht man die aktuellen Angaben mit den Ergebnissen aus der Befragung, die zu Beginn des Jahres durchgeführt wurde, dann ist eine leichte Besserung der Umsätze festzustellen.

Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen geben an, dass sich die Erträge seit Beginn des Jahres verschlechtert haben. Die etwas schlechtere Ertragslage lässt den Rückschluss zu, dass nach wie vor ein Teil der Umsatzzuwächse auf Preiserhöhungen beruht. Auch bei den Erträgen ist eine leichte Verbesserung im letzten halben Jahr festzustellen. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn die verkaufte Warenmenge betrachtet wird. Fast 40 Prozent geben an, dass die Warenmenge gesunken ist. Auch hier sind jedoch Verbesserungen festzustellen.

Insgesamt zeigt sich nach wie vor ein ungewöhnlich uneinheitliches Bild bei der wirtschaftlichen Lage im Fleischerhandwerk.

Frage 2: Wie verhalten sich Ihre Kunden aktuell?

Knapp 80 Prozent der Befragten gibt an, dass die Kunden aktuell weniger kaufen und dass Sie preisgünstigere Produkte wählen. Etwa 60 Prozent gehen von weniger Kunden aus. Bei der Befragung vor knapp zwei Jahren kamen ähnliche Ergebnisse zustande. Insgesamt hat sich die Situation sogar etwas verschlechtert.

Frage 3: Welche Entwicklungen bereiten Ihnen Sorgen oder große Sorgen?

Knapp mehr als 90 Prozent der Fleischer bereitet die zunehmende Bürokratisierung Sorgen. Über 60 Prozent bezeichnen die Sorgen sogar als groß und übertreffen damit sogar die Sorgen bezüglich des fehlenden Personals, die von mehr als der Hälfte der Befragten als sehr groß bezeichnet werden. Sorgen bereiten den Unternehmern des Fleischerhandwerks alle kostentreibenden Entwicklungen. Insbesondere Material (Fleisch) Energie und Löhne werden genannt.

Deutlich geringer sind die Sorgen, es könnten noch mehr Kunden wegbleiben oder diese würden noch weniger einkaufen. Die Entwicklung, die in Frage 2 beschrieben wird, scheint damit abgeschlossen zu sein.

Ganz anders als von den meisten Presseorganen vermutet, bereiten die Veganer und Vegetarier nur sehr wenigen Fleischern Probleme.

Relativ gering fällt nach wie vor die Sorge bezüglich einer sinkenden Rohstoffverfügbarkeit aus. Trotz stark sinkender Zahl der Schweinemäster und Schlachthöfe scheinen die meisten Handwerksbetriebe noch über gute Bezugsquellen für ihr Fleisch zu verfügen.

Betrachtet man die Entwicklung der Sorgen in den letzten knapp zwei Jahren, dann zeigt sich, dass die meisten Sorgen zugenommen haben. Die Entwicklung der Energiekosten wird nicht mehr von ganz so vielen Unternehmern als bedrohlich empfunden. Der Anstieg der restlichen Kosten (Material und Löhne) dagegen, wird als bedrohlicher gesehen. Das Vertrauen in die Treue der Kunden ist etwas gestiegen und die Furcht vor den Veganern und Vegetariern gesunken.

Die Punkte Inflation und Bürokratie wurden 2021 nicht abgefragt. Allerdings nannten schon 2021 viele der Befragten unter „Sonstiges“ die Bürokratie als großes Problem.

Unter „Sonstiges“ wurden im Wesentlichen überzogene EU-Kontrollen bei der Schlachtung, steigende Kosten, Fleischbeschaugebühren, Dokumentationsflut, Baustellen, Schulerziehung zum Fleischverzicht, falsche Gesetzgebung und politisches Versagen genannt.

Frage 4: Welche geschäftlichen Entwicklungen erwarten Sie?

Die Erwartungen für die Zukunft sind immer noch eingetrübt, jedoch etwas besser als vor einem Jahr. Rund 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Geschäfte gleichbleiben oder sich bessern und rund 40 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. www.fleischerhandwerk.de